26.10.2026, 23:06
Lilith bewegte sich keinen Zentimeter, als Jezahel sich, deutlich enger als aufgrund der äußerlichen Gegebenheiten nötig, an ihr vorbeischob – sie nahm den folgenden Körperkontakt zwar sehr bewusst wahr, verlängerte ihn aber nicht künstlich. Lediglich ihr Blick blieb eine kleine Weile noch haften an der Frau, die sie an diesem Abend von Minute zu Minute mehr überraschte. Sie war keinesfalls eine stille Teilnehmerin, brav und folgsam, in dieser Situation. Nein, sie nahm sich kleine Momente wie diesen heraus, um zu signalisieren, dass sie selbst Einfluss nahm und diese Dinge geschehen ließ, anstatt sich ihnen schlicht auszuliefern.
Das reizte Lilith fast noch mehr. Ebenbürtige Spielgefährten waren ihr die liebsten, und wenn sie ein klein wenig arbeiten musste, um sie hervorzulocken… umso besser. Und wenn ihr selbst der Ausgang des Spiels nicht offensichtlich war – ihr, die in der Regel drei Züge vorausdachte und den meisten Wesen in ihrer Umgebung darin auch deutlich überlegen war –, dann war das die nahezu perfekte Ausgangssituation.
Die stichelnde Bemerkung über ihre Manieren quittierte sie mit einem gespielt dramatisch-empörten Gesichtsausdruck.
“Niemals lasse ich mir unterstellen, dass ich eine Lady nicht angemessen zu behandeln wüsste”, entgegnete sie verschmitzt lächelnd, während sie im gleichen Atemzug einem vorbeigehenden Kellner zwei Champagnergläser von einem Tablett abnahm, das er trug. Eines stellte sie auf dem Tisch ab, vor Jaze, die sich gerade gesetzt hatte. Dass sie unten kurzzeitig Bedarf nach etwas mehr ihres bereits geleerten Drinks gehabt hatte, war Lilith natürlich nicht entgangen. Ein Glas Champagner würde eine weitere Notsituation im Zweifelsfall nicht sonderlich lange überbrücken. Allerdings war die allein Vorstellung, ihr genau diesen Gesichtsausdruck noch einmal zu entlocken, auch zu reizvoll, um direkt wieder zwei neue Cocktails zu bestellen.
Das andere Glas behielt Lilith zunächst in der Hand, während sie sich umwandte – und ihr Handgelenk unabsichtlich die Innentasche ihres Blazers streifte, in der sie deutlich die Schachtel wahrnahm, die Morrow ihr zuvor übergeben hatte. Der Grund, warum sie überhaupt unten auf der Fläche gewesen war, der Grund, warum sie ihn so dringend aufgesucht hatte. Ihr Vorrat war aufgebraucht gewesen, die Wirkung der letzten Dosis neigte sich dem Ende zu, und sie hatte das Gefühl gehabt, dass sie nicht einmal den Bruchteil dieses Abends überstehen würde, ohne Nox. Wie sehr die Eindrücke um sie herum sie nahezu erschlugen, sobald die Wirkung nachließ. Wie unerträglich alles wurde, die Auren, die sich ihr förmlich aufdrängen, weil sie nicht korrekt filtern konnte. Wie schmerzhaft es sich einfach anfühlte zu existieren, ohne ihre Gnade.
Gemessen an der Zeit, die seitdem vergangen war, müsste sie inzwischen lange den Punkt überschritten haben, der für sie typischerweise als intolerabel galt. Und dennoch… spürte sie nicht den sonst so vehementen Drang nach der nächsten Dosis. Es war erträglich, irgendwie. Zum ersten Mal seit… Lilith konnte sich gar nicht wirklich erinnern seit wann.
Wurde es besser? Gewöhnte sich ihr Körper womöglich an sein neues Dasein, und die Eindrücke wurden weniger penetrant?
Sie schob den Gedanken an dieser Stelle zunächst beiseite, besonders aus dem Grund, dass sie sich in Jezahels Gegenwart nichts anmerken lassen wollte. Je nüchterner sie wurde, desto mehr dachte sie über die Konsequenzen ihrer Handlungen nach. In Bezug darauf, was sie preisgab, verstand sich. Nicht darüber, was sie hier und jetzt vorhatte zu tun – dazu war der Abend längst zu unterhaltsam geworden.
Jezahel machte ihr inzwischen mit einem Lächeln und einem sehr offensichtlichen Blick deutlich, dass sie nun auch die ihr versprochene Unterhaltung erwartete, nachdem sie in entsprechender Position Platz genommen hatte. Aufmerksam, interessiert… offen. Lilith schmunzelte, drehte ihren Oberkörper ein klein wenig, und winkte kurzerhand hinüber zur anderen Seite des Raumes. Dann nahm sie ebenfalls am Tisch Platz, und hob ihr eigenes Champagnerglas, um mit Jaze anzustoßen.
“Auf einen interessanten weiteren Abend.” Sie nahm einen Schluck, und noch ehe sie das Glas wieder abgestellt hatte, konnte Lilith aus dem Augenwinkel bereits den Empfänger ihrer kleinen Geste ausmachen – er kam ihnen entgegen, in ruhigen, aber sehr bewusst gesetzten Schritten, die fast etwas Rhythmisches an sich hatten. Ein Tänzer, sehr offensichtlich, Teil von Mammons Ensemble, aber gerade nicht eingebunden in einen bestimmten Auftritt. Er bewegte sich mühelos durch den Raum, sich seiner Wirkung auf die anwesenden Gäste vollkommen bewusst, ohne sie besonders zur Schau stellen zu müssen. Seine Kleidung war schlicht, weil seine Präsenz allein schon für sich sprach. Lilith deutete mit einem knappen Kopfnicken zu ihm hin.
“Eine Option wäre Joel.” Sie lehnte sich leicht zu Jaze hinüber, während sie die Beine in ihre Richtung überschlug.
“Du kannst selbstverständlich ablehnen. Aber dann schuldest du mir eine ehrliche Antwort… auf eine Frage meiner Wahl.”
Je näher der Tänzer ihnen kam, desto offensichtlicher wurde es, dass er nicht menschlich war. Nicht verwunderlich in einem Etablissement wie diesem – und wenn man Lilith fragte, dann auch genau das, was den reizenden Unterschied machte, der das Valen von üblichen Clubs abhob. Joel, in diesem Fall, war ein Inkubus: Er vermochte es, unter anderem, bereits existentes Verlangen in seiner unmittelbaren Nähe noch zu verstärken. Lilith ging davon aus, dass seine übernatürlichen Kräfte zwar auf Jezahel weitestgehend wirkungslos bleiben würden; Engel standen immerhin weit über dämonischen Kräften und deren Einflussbereich. Aber Jazes Umgang mit einem privaten Tanz wäre in jedem Fall spannend, zu beobachten – und andererseits war Lilith auch nicht uninteressiert daran, herauszufinden, inwiefern ihre eigene, nun gnadenlose Existenz sie wohl empfänglich machte für die Wirkung der Fähigkeiten eines derartigen Dämons… auch wenn sie nicht die primäre Empfängerin des Tanzes sein würde. Inkubi waren spannende Wesen. Und er war, darüber hinaus, ein begnadeter Tänzer, besonders in solch privaten Situationen.
Er trat an den Tisch heran, teilte einen knappen Blick mit Lilith, dann sah er zu Jezahel.
“Ladies, darf ich euch Gesellschaft leisten?” Und Lilith wandte sich ebenfalls an sie – ihre Wahl.
Das reizte Lilith fast noch mehr. Ebenbürtige Spielgefährten waren ihr die liebsten, und wenn sie ein klein wenig arbeiten musste, um sie hervorzulocken… umso besser. Und wenn ihr selbst der Ausgang des Spiels nicht offensichtlich war – ihr, die in der Regel drei Züge vorausdachte und den meisten Wesen in ihrer Umgebung darin auch deutlich überlegen war –, dann war das die nahezu perfekte Ausgangssituation.
Die stichelnde Bemerkung über ihre Manieren quittierte sie mit einem gespielt dramatisch-empörten Gesichtsausdruck.
“Niemals lasse ich mir unterstellen, dass ich eine Lady nicht angemessen zu behandeln wüsste”, entgegnete sie verschmitzt lächelnd, während sie im gleichen Atemzug einem vorbeigehenden Kellner zwei Champagnergläser von einem Tablett abnahm, das er trug. Eines stellte sie auf dem Tisch ab, vor Jaze, die sich gerade gesetzt hatte. Dass sie unten kurzzeitig Bedarf nach etwas mehr ihres bereits geleerten Drinks gehabt hatte, war Lilith natürlich nicht entgangen. Ein Glas Champagner würde eine weitere Notsituation im Zweifelsfall nicht sonderlich lange überbrücken. Allerdings war die allein Vorstellung, ihr genau diesen Gesichtsausdruck noch einmal zu entlocken, auch zu reizvoll, um direkt wieder zwei neue Cocktails zu bestellen.
Das andere Glas behielt Lilith zunächst in der Hand, während sie sich umwandte – und ihr Handgelenk unabsichtlich die Innentasche ihres Blazers streifte, in der sie deutlich die Schachtel wahrnahm, die Morrow ihr zuvor übergeben hatte. Der Grund, warum sie überhaupt unten auf der Fläche gewesen war, der Grund, warum sie ihn so dringend aufgesucht hatte. Ihr Vorrat war aufgebraucht gewesen, die Wirkung der letzten Dosis neigte sich dem Ende zu, und sie hatte das Gefühl gehabt, dass sie nicht einmal den Bruchteil dieses Abends überstehen würde, ohne Nox. Wie sehr die Eindrücke um sie herum sie nahezu erschlugen, sobald die Wirkung nachließ. Wie unerträglich alles wurde, die Auren, die sich ihr förmlich aufdrängen, weil sie nicht korrekt filtern konnte. Wie schmerzhaft es sich einfach anfühlte zu existieren, ohne ihre Gnade.
Gemessen an der Zeit, die seitdem vergangen war, müsste sie inzwischen lange den Punkt überschritten haben, der für sie typischerweise als intolerabel galt. Und dennoch… spürte sie nicht den sonst so vehementen Drang nach der nächsten Dosis. Es war erträglich, irgendwie. Zum ersten Mal seit… Lilith konnte sich gar nicht wirklich erinnern seit wann.
Wurde es besser? Gewöhnte sich ihr Körper womöglich an sein neues Dasein, und die Eindrücke wurden weniger penetrant?
Sie schob den Gedanken an dieser Stelle zunächst beiseite, besonders aus dem Grund, dass sie sich in Jezahels Gegenwart nichts anmerken lassen wollte. Je nüchterner sie wurde, desto mehr dachte sie über die Konsequenzen ihrer Handlungen nach. In Bezug darauf, was sie preisgab, verstand sich. Nicht darüber, was sie hier und jetzt vorhatte zu tun – dazu war der Abend längst zu unterhaltsam geworden.
Jezahel machte ihr inzwischen mit einem Lächeln und einem sehr offensichtlichen Blick deutlich, dass sie nun auch die ihr versprochene Unterhaltung erwartete, nachdem sie in entsprechender Position Platz genommen hatte. Aufmerksam, interessiert… offen. Lilith schmunzelte, drehte ihren Oberkörper ein klein wenig, und winkte kurzerhand hinüber zur anderen Seite des Raumes. Dann nahm sie ebenfalls am Tisch Platz, und hob ihr eigenes Champagnerglas, um mit Jaze anzustoßen.
“Auf einen interessanten weiteren Abend.” Sie nahm einen Schluck, und noch ehe sie das Glas wieder abgestellt hatte, konnte Lilith aus dem Augenwinkel bereits den Empfänger ihrer kleinen Geste ausmachen – er kam ihnen entgegen, in ruhigen, aber sehr bewusst gesetzten Schritten, die fast etwas Rhythmisches an sich hatten. Ein Tänzer, sehr offensichtlich, Teil von Mammons Ensemble, aber gerade nicht eingebunden in einen bestimmten Auftritt. Er bewegte sich mühelos durch den Raum, sich seiner Wirkung auf die anwesenden Gäste vollkommen bewusst, ohne sie besonders zur Schau stellen zu müssen. Seine Kleidung war schlicht, weil seine Präsenz allein schon für sich sprach. Lilith deutete mit einem knappen Kopfnicken zu ihm hin.
“Eine Option wäre Joel.” Sie lehnte sich leicht zu Jaze hinüber, während sie die Beine in ihre Richtung überschlug.
“Du kannst selbstverständlich ablehnen. Aber dann schuldest du mir eine ehrliche Antwort… auf eine Frage meiner Wahl.”
Je näher der Tänzer ihnen kam, desto offensichtlicher wurde es, dass er nicht menschlich war. Nicht verwunderlich in einem Etablissement wie diesem – und wenn man Lilith fragte, dann auch genau das, was den reizenden Unterschied machte, der das Valen von üblichen Clubs abhob. Joel, in diesem Fall, war ein Inkubus: Er vermochte es, unter anderem, bereits existentes Verlangen in seiner unmittelbaren Nähe noch zu verstärken. Lilith ging davon aus, dass seine übernatürlichen Kräfte zwar auf Jezahel weitestgehend wirkungslos bleiben würden; Engel standen immerhin weit über dämonischen Kräften und deren Einflussbereich. Aber Jazes Umgang mit einem privaten Tanz wäre in jedem Fall spannend, zu beobachten – und andererseits war Lilith auch nicht uninteressiert daran, herauszufinden, inwiefern ihre eigene, nun gnadenlose Existenz sie wohl empfänglich machte für die Wirkung der Fähigkeiten eines derartigen Dämons… auch wenn sie nicht die primäre Empfängerin des Tanzes sein würde. Inkubi waren spannende Wesen. Und er war, darüber hinaus, ein begnadeter Tänzer, besonders in solch privaten Situationen.
Er trat an den Tisch heran, teilte einen knappen Blick mit Lilith, dann sah er zu Jezahel.
“Ladies, darf ich euch Gesellschaft leisten?” Und Lilith wandte sich ebenfalls an sie – ihre Wahl.

