11.10.2026, 22:05
Wow! Mit dieser plötzlichen Nähe hatte Jezahel nicht gerechnet. Und doch wich sie nicht zurück – im Gegenteil. Als Lilith sich zu ihr herüberlehnte und ihre Stimme unmittelbar an ihrem Ohr senkte, hielt die Blonde für einen Bruchteil die Luft an. Der Abstand war plötzlich so gering, dass sie Wärme und Atem viel deutlicher wahrnahm als alles, was der Club um sie herum an Geräuschen produzierte, und statt Raum zu schaffen, drehte sie den Kopf ein kleines Stück in Liliths Richtung. Nicht genug, um sie wirklich anzusehen, aber genug, um den ohnehin knappen Abstand noch ein wenig kleiner werden zu lassen. Ein feiner Schauer lief ihr über den Nacken, und sie musste sich beherrschen, nicht auf genau die Art zu lächeln, die Lilith vielleicht sogar gefallen hätte. „Vielleicht reizt mich gerade viel mehr herauszufinden, was passiert, wenn ich es nicht bin“, erwiderte sie ebenso leise. Dass die Antwort weniger vorsichtig klang als alles, was sie sich vor wenigen Minuten noch vorgenommen hatte, bemerkte sie durchaus. Der Auftrag, Jaze… der Auftrag…
Erst als Lilith sich wieder zurückzog, wurde der Blonden bewusst, wie sehr die Nähe dieser Frau auf sie Einfluss genommen hatte. Sie holte einmal etwas tiefer Luft und blinzelte, als wäre ihr Körper ihrem Verstand einen Moment voraus gewesen, und fast automatisch fanden ihre Finger den Stiel des French-75-Glases. Leer, natürlich. Ausgerechnet jetzt hätte sie gegen einen weiteren Schluck zur Abkühlung wenig einzuwenden gehabt.
Der Gedanke entlockte ihr ein kaum sichtbares Schmunzeln, das sich noch vertiefte, als sie bemerkte, wohin Liliths Blick kurz darauf glitt. Auf ihre Lippen. Jaze erkannte solche Blicke. Nach ihrer Zeit als Escort wäre es für sie fast schon fahrlässig gewesen, sie nicht zu erkennen; Interesse verriet sich oft lange vor einem ausgesprochenen Wunsch in kleinen Bewegungen, Blickrichtungen und jener winzigen Veränderung in der Aufmerksamkeit, die Menschen für unauffällig hielten. Bei Lilith war dies doch sicher nicht anders. Jezahel fing ihren Blick wieder ein, hielt ihn so lange es möglich war, und in ihren Mundwinkeln lag kurz etwas Wissendes. Dass Liliths Interesse offenbar nicht nur spielerischer Natur war und dahinter durchaus noch andere Absichten stecken konnten, war ihr bewusst … sie wusste nur noch nicht, ob es wirklich klug war, auch diese kennenlernen zu wollen.
Liliths selbstverständliche Antwort auf das Kompliment bestätigte nur noch, wie bereitwillig sie dieses Spiel fortsetzte. Natürlich verstand sie sich lieber als Argument für etwas. Jezahel musterte sie erneut, diesmal ohne den Versuch, ihre eigene Reaktion besonders sorgfältig zu verbergen. „Du machst es mir gerade ziemlich schwer, dagegen zu argumentieren.“ Weniger angenehm war der kurze Moment danach, in dem sie damit rechnete, Lilith könnte auf ihre Andeutung über all die Dinge zurückkommen, die sie inzwischen anders tat als früher. Jezahel wusste selbst, wie viele Fragen sich daran anschließen ließen, und wie schnell manche davon zu Antworten geführt hätten, die sie nicht geben wollte. Doch Lilith fragte nicht. Die Blonde machte allerdings auch nicht den Fehler, daraus Rücksicht abzuleiten. Trotzdem löste sich in dem Moment etwas in ihr, das sich beinahe unmerklich angespannt hatte. Dieses eine Mal war sie froh, nicht erklären zu müssen, wie grundlegend sich ihr Leben verändert hatte.
Als Lilith ihre Bemerkung über die Unhöflichkeit aufgriff und sich vom Tresen löste, begriff Jezahel schnell, worauf das hier hinauslief. Natürlich fragte sie nicht, ob Jaze mitkommen wollte. Sie ging einfach davon aus. Ein leises Lachen entwich ihr, begleitet von einem kleinen Kopfschütteln, während sie Lilith die ersten Schritte tatsächlich vorausgehen ließ. Die Selbstverständlichkeit hätte sie bei beinahe jedem anderen Menschen vermutlich geärgert; bei Lilith war sie so erwartbar, dass sie fast schon Charme entwickelte. Bevor Jezahel ihr folgte, wanderte ihr Blick dennoch kurz zurück in den Bereich des Clubs, der sie ursprünglich hierhergeführt hatte. Sie vergewisserte sich, dass Morrow noch dort war, wo sie ihn zuletzt gesehen hatte und soweit sie erkennen konnte, hatte sich an der Lage nichts verändert. Gut. Ihre Aufmerksamkeit mochte sich heute Abend unerwartet aufgeteilt haben, ihr Auftrag hatte sich deshalb aber noch lange nicht in Luft aufgelöst. Erst nachdem sie sich dessen versichert hatte, glitt sie vom Barhocker und folgte Lilith.
Auf dem Weg zur Galerie wurde schnell deutlich, dass Lilith sich hier nicht wie irgendein beliebiger Gast bewegte. Der kurze Austausch mit dem Sicherheitsmann, dessen sofortige Reaktion und schließlich die für sie freigemachte Sitzgruppe fügten sich zu einem Bild, das Jezahel aufmerksam registrierte. Lilith war hier offenbar nicht bloß Stammgast. Sie bewegte sich, als gehörte der Ort zumindest ein kleines bisschen ihr.
Jaze ließ ihre Augen über die Galerie schweifen und stellte nebenbei fest, dass sich von hier aus noch immer genug vom Club überblicken ließ, um ihre eigentliche Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren. Ein erfreulicher Nebeneffekt.
Als Lilith schließlich an der Sitzgruppe innehielt und ihr den Vortritt überließ, hob sich Jezahels Braue amüsiert. Sie ging an ihr vorbei, bewusst etwas näher, als nötig gewesen wäre, sodass sich ihre Oberarme für einen flüchtigen Moment streiften. „Und ich dachte schon, deine verdorbenen Absichten hätten deine Manieren vollständig verdrängt“, murmelte sie im Vorübergehen, leise genug, dass die Worte nur für Lilith bestimmt waren.
Jezahel nahm Platz, schlug die Beine übereinander und faltete – ganz in ihrer Engelmanier – ihre Hände auf dem Schoß, lehnte sich zurück und ließ ihren Blick noch einmal kurz über den Raum gleiten, bevor dieser zu Lilith zurückkehrte.
Die Distanz zwischen ihnen hatte sich im Verlauf dieses Abends auf mehr als eine Weise verändert, und inzwischen verspürte sie deutlich weniger Bedürfnis, so zu tun, als wäre ihr das nicht bewusst. Inzwischen hatte das Ganze für sie eine deutlich persönlichere – und körperlichere – Note bekommen, und das kleine Lächeln, das sich erneut auf ihre Lippen legte, verriet genug davon, ohne dass sie es erklären musste. „Na schön.“ Ihr Blick blieb auf Lilith gerichtet, unverhohlen interessiert und mit deutlich weniger Vorsicht als noch unten an der Bar. „Jetzt bin ich hier. Also, was hast du Interessantes mit mir vor?“
Erst als Lilith sich wieder zurückzog, wurde der Blonden bewusst, wie sehr die Nähe dieser Frau auf sie Einfluss genommen hatte. Sie holte einmal etwas tiefer Luft und blinzelte, als wäre ihr Körper ihrem Verstand einen Moment voraus gewesen, und fast automatisch fanden ihre Finger den Stiel des French-75-Glases. Leer, natürlich. Ausgerechnet jetzt hätte sie gegen einen weiteren Schluck zur Abkühlung wenig einzuwenden gehabt.
Der Gedanke entlockte ihr ein kaum sichtbares Schmunzeln, das sich noch vertiefte, als sie bemerkte, wohin Liliths Blick kurz darauf glitt. Auf ihre Lippen. Jaze erkannte solche Blicke. Nach ihrer Zeit als Escort wäre es für sie fast schon fahrlässig gewesen, sie nicht zu erkennen; Interesse verriet sich oft lange vor einem ausgesprochenen Wunsch in kleinen Bewegungen, Blickrichtungen und jener winzigen Veränderung in der Aufmerksamkeit, die Menschen für unauffällig hielten. Bei Lilith war dies doch sicher nicht anders. Jezahel fing ihren Blick wieder ein, hielt ihn so lange es möglich war, und in ihren Mundwinkeln lag kurz etwas Wissendes. Dass Liliths Interesse offenbar nicht nur spielerischer Natur war und dahinter durchaus noch andere Absichten stecken konnten, war ihr bewusst … sie wusste nur noch nicht, ob es wirklich klug war, auch diese kennenlernen zu wollen.
Liliths selbstverständliche Antwort auf das Kompliment bestätigte nur noch, wie bereitwillig sie dieses Spiel fortsetzte. Natürlich verstand sie sich lieber als Argument für etwas. Jezahel musterte sie erneut, diesmal ohne den Versuch, ihre eigene Reaktion besonders sorgfältig zu verbergen. „Du machst es mir gerade ziemlich schwer, dagegen zu argumentieren.“ Weniger angenehm war der kurze Moment danach, in dem sie damit rechnete, Lilith könnte auf ihre Andeutung über all die Dinge zurückkommen, die sie inzwischen anders tat als früher. Jezahel wusste selbst, wie viele Fragen sich daran anschließen ließen, und wie schnell manche davon zu Antworten geführt hätten, die sie nicht geben wollte. Doch Lilith fragte nicht. Die Blonde machte allerdings auch nicht den Fehler, daraus Rücksicht abzuleiten. Trotzdem löste sich in dem Moment etwas in ihr, das sich beinahe unmerklich angespannt hatte. Dieses eine Mal war sie froh, nicht erklären zu müssen, wie grundlegend sich ihr Leben verändert hatte.
Als Lilith ihre Bemerkung über die Unhöflichkeit aufgriff und sich vom Tresen löste, begriff Jezahel schnell, worauf das hier hinauslief. Natürlich fragte sie nicht, ob Jaze mitkommen wollte. Sie ging einfach davon aus. Ein leises Lachen entwich ihr, begleitet von einem kleinen Kopfschütteln, während sie Lilith die ersten Schritte tatsächlich vorausgehen ließ. Die Selbstverständlichkeit hätte sie bei beinahe jedem anderen Menschen vermutlich geärgert; bei Lilith war sie so erwartbar, dass sie fast schon Charme entwickelte. Bevor Jezahel ihr folgte, wanderte ihr Blick dennoch kurz zurück in den Bereich des Clubs, der sie ursprünglich hierhergeführt hatte. Sie vergewisserte sich, dass Morrow noch dort war, wo sie ihn zuletzt gesehen hatte und soweit sie erkennen konnte, hatte sich an der Lage nichts verändert. Gut. Ihre Aufmerksamkeit mochte sich heute Abend unerwartet aufgeteilt haben, ihr Auftrag hatte sich deshalb aber noch lange nicht in Luft aufgelöst. Erst nachdem sie sich dessen versichert hatte, glitt sie vom Barhocker und folgte Lilith.
Auf dem Weg zur Galerie wurde schnell deutlich, dass Lilith sich hier nicht wie irgendein beliebiger Gast bewegte. Der kurze Austausch mit dem Sicherheitsmann, dessen sofortige Reaktion und schließlich die für sie freigemachte Sitzgruppe fügten sich zu einem Bild, das Jezahel aufmerksam registrierte. Lilith war hier offenbar nicht bloß Stammgast. Sie bewegte sich, als gehörte der Ort zumindest ein kleines bisschen ihr.
Jaze ließ ihre Augen über die Galerie schweifen und stellte nebenbei fest, dass sich von hier aus noch immer genug vom Club überblicken ließ, um ihre eigentliche Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren. Ein erfreulicher Nebeneffekt.
Als Lilith schließlich an der Sitzgruppe innehielt und ihr den Vortritt überließ, hob sich Jezahels Braue amüsiert. Sie ging an ihr vorbei, bewusst etwas näher, als nötig gewesen wäre, sodass sich ihre Oberarme für einen flüchtigen Moment streiften. „Und ich dachte schon, deine verdorbenen Absichten hätten deine Manieren vollständig verdrängt“, murmelte sie im Vorübergehen, leise genug, dass die Worte nur für Lilith bestimmt waren.
Jezahel nahm Platz, schlug die Beine übereinander und faltete – ganz in ihrer Engelmanier – ihre Hände auf dem Schoß, lehnte sich zurück und ließ ihren Blick noch einmal kurz über den Raum gleiten, bevor dieser zu Lilith zurückkehrte.
Die Distanz zwischen ihnen hatte sich im Verlauf dieses Abends auf mehr als eine Weise verändert, und inzwischen verspürte sie deutlich weniger Bedürfnis, so zu tun, als wäre ihr das nicht bewusst. Inzwischen hatte das Ganze für sie eine deutlich persönlichere – und körperlichere – Note bekommen, und das kleine Lächeln, das sich erneut auf ihre Lippen legte, verriet genug davon, ohne dass sie es erklären musste. „Na schön.“ Ihr Blick blieb auf Lilith gerichtet, unverhohlen interessiert und mit deutlich weniger Vorsicht als noch unten an der Bar. „Jetzt bin ich hier. Also, was hast du Interessantes mit mir vor?“

