21.09.2026, 21:56
Diese Seite an Jezahel – die unnachgiebige, unberechenbare, mit einem gewissen Feuer hinter ihren Augen – war Lilith selbstverständlich nicht unbekannt. Sie hatte sie oft genug gesehen; allerdings auf dem Schlachtfeld, und ausschließlich dort. Nicht, dass sie jenseits ihrer kleinen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit regen Umgang gepflegt hatten. Aber sie hatte durchaus Referenzen, um einordnen zu können, wie sehr sich ihr aktuelles Verhalten von der Norm abhob, die für Jezahel typisch war. Allerdings genoss Lilith diese Abweichung immens, und sie gab sich keinerlei Mühe, das zu verstecken.
Und Jaze war auch so, so unterhaltsam. Zuerst erklärte sie ihr, dass es nicht mangelnder Mut war, sondern Vorsicht, die sie zurückhielt… nur um im nächsten Atemzug Liliths eigene Aussage in eine weitere Provokation umzukehren. Lilith legte den Kopf leicht in den Nacken, zog kurz die Wangen ein, um das selbstgefällige Grinsen, das sich vehement den Weg nach draußen bahnen wollte, zumindest ein wenig zu unterdrücken. Da sie ohnehin gerade mit dem Rücken an der Bar lehnte, nutzte sie den Moment, sich ein Stück weit herüber zu lehnen, um Jaze die folgenden Worte etwas leiser und… persönlicher ins Ohr sagen zu können. So als wären sie ein Geheimnis, das sonst niemand hier mitbekommen sollte.
„Bist du dir sicher, dass es vorsichtig ist, mich derart herauszufordern?“ Ihre Stimme war leiser, ja, hatte aber nichts des spielerischen Tonfalls verloren, den sie aktuell miteinander pflegten. Und gleichzeitig brachte die Verringerung der Distanz eine ganz andere Art der Aufregung und Unterhaltung in diesen Austausch… Lilith verharrte noch eine Sekunde, um eben jenen Moment auszukosten – und den Geruch von Jezahels Parfum bewusst wahrzunehmen, wenn sie schon einmal in der günstigen Position war.
Zurück an ihrem eigentlichen Platz konnte sie ihr kleines Lachen geschickt in ihrem Cocktailglas ersticken, nachdem Jaze noch darüber mutmaßte, wie Klingen an der Kehle wohl Teil einer Freundschaft sein könnten und dass sie ihre Definition von Feindschaft lieber nicht kennenlernen wollte. Oh, sie hatte so viele Erwiderungen dazu, direkt auf der Zungenspitze – allen voran wie viel Vergnügen man mit einer Messerklinge teilen konnte, wenn man nur verstand, sie geschickt zum Einsatz zu bringen.
Und dennoch hielt sie sich zurück. Das war ungewöhnlich – Lilith zensierte sich normalerweise nicht; nicht in privaten Situationen wie dieser. Aber nun nahm sie einen Schluck ihres Drinks, anstatt ihre Gedanken ungefiltert zu verbalisieren, und unterschwellig war ihr auch klar, dass sie das sehr viel bewusster tat, als sie bereit war, sich an dieser Stelle einzugestehen. Sie testete Jazes Grenzen und hatte sehr viel Vergnügen mit diesem Vorgehen – trotzdem war und blieb es ein bewusstes Verschieben, und nicht der Versuch des mutwilligen Einreißens, der eventuell entsprechenden Kollateralschaden nach sich ziehen könnte.
Kurz darauf gab es ohnehin Spannenderes, das ihre Aufmerksamkeit forderte, jenseits der belustigten Wortwechsel, die sie sich weiterhin zuspielten. Der Blick, mit dem Jezahel sie bedachte, nachdem sie unverblümt ihre Kehle gemustert hatte, verriet weit mehr, als Lilith in ihrem noch leicht benebelten Zustand zuverlässig hätte einordnen können… aber Zurückhaltung war nicht dabei, das bemerkte sie deutlich. Allein das brachte die knisternde Spannung direkt zurück, auch ohne dass sie ein weiteres Wort verlieren musste. Sie hielt lediglich ihren Blick, ließ das Gefühl auf sich wirken… und es war tatsächlich so viel mehr, jetzt wo sie fühlen konnte. Fast beiläufig ließ sie, mit einem kleinen Schmunzeln, ihre Augen kurz zu Jazes Lippen wandern, ehe deren Outfit zum Fokus wurde.
Die Einordnung, dass sie vorerst ihrem Urteil vertrauen würde, nahm Lilith mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis. Das anschließende Kompliment zu ihrem eigenen Outfit hingegen entlockte ihr ein wissendes, halbseitiges Grinsen. Sie musste keinen Blick nach unten werfen um die Anspielung zu verstehen.
„Nun, ich bemühe mich generell bevorzugt, das Argument für etwas zu sein als dagegen“, antwortete sie mit einer selbstverständlichen Sicherheit, die es schwer machte, genau zu sagen ob sie gerade scherzte… oder einfach etwas verbalisierte, das für sie ohnehin offensichtlich war.
Und scheinbar hatte sie dann vollkommen versehentlich einen Punkt getroffen, den sie leider weder komplett einordnen noch das zugehörige Verhalten deuten konnte. Aber als es darum ging, dass es Jaze ganz gut stand, Dinge zu tun, die man nicht von ihr erwartete, schien sie fast schon… nachzugeben? Für einen Moment schien die Stimmung kurz zu wechseln, so als wäre hier noch mehr, irgendetwas jenseits ihres netten kleinen Spiels, das mehr Tragweite und Gewicht hatte, als ihre unterhaltsamen Worte ausdrücken konnten. Irgendetwas jenseits des Offensichtlichen, das sich trotz Liliths benebelten Zustands hartnäckig in ihrem Hinterkopf festsetzte. Wie ein Post-it, mit dem sie sich dringend nochmal beschäftigen musste.
Normalerweise wäre sie hervorragend darin, anschließend exakt die Anschlussfragen zu stellen, um den Finger bewusst in die Wunde zu legen, auch wenn sie noch nicht genau wusste, woher der Schmerz kam. Aber… sie entschied sich dagegen. Warum konnte sie nicht genau sagen – womöglich weil sie noch immer nicht ganz klar war, und ihrem eigenen Kopf nicht ganz so weit über den Weg traute.
Sie wählte also bewusst einen anderen Weg, und fokussierte sich stattdessen auf die Aussage, dass Jaze der Option, heute tatsächlich etwas anderes ausprobieren zu wollen, eine Möglichkeit einräumte. Und da war ja immerhin auch noch diese Herausforderung, die im Raum stand – dass ihre Vorschläge potenziell nicht gut genug waren, um überzeugend zu sein. Höchste Zeit, darauf zurückzukommen.
„Und falls du dich tatsächlich schon seit Tagen nach intellektuell stimulierender Gesellschaft sehnst, wäre es wohl ausgesprochen unhöflich von mir, dich jetzt schon wieder deiner Langeweile zu überlassen.“
„Wirklich ausgesprochen unhöflich“, pflichtete Lilith bei, inzwischen gar keine Energie mehr darauf verschwendend, ihre Erheiterung unterdrücken zu wollen.
„Ähnlich unhöflich wie es von mir wäre, dich den gesamten Abend hier an der Bar sitzen zu lassen.“ Sie ließ vom Tresen ab und ging ein paar Schritte rückwärts in Richtung Tanzfläche, langsam allerdings – Provokation, Aufforderung, Herausforderung in jedem einzelnen ihrer sorgfältig gewählten Schritte, ihr Schmunzeln nun ebenfalls deutlich verheißungsvoller.
„Lass uns gehen.“
Dann drehte sie um und ging voraus, in der unbeirrten Überzeugung, dass Jezahel ihr folgen würde – da sie ihr kurz zuvor ja noch ihre Neugier eingestanden hatte, würde sie die sicherlich befriedigen wollen. Und womöglich ließ Lilith sich im Laufe des Abends ja doch noch dazu bewegen, sich für eine Antwort auf die Frage zu entscheiden, die Jaze so neugierig machte.
Nach links, am Rest der Bar vorbei, bahnte sie sich ihren Weg hin zur Treppe, die sie hinauf in die VIP-Galerie führte. Oben angekommen wechselte Lilith ein paar leise Worte mit einem der Sicherheitsleute, der kurz darauf knapp nickte. Als sie schließlich zur Sitzgruppe in der hinteren linken Ecke gelangte – ihr bevorzugter Platz im VIP-Bereich, wenn sie sich nicht oben auf dem Balkon befand, weil er ein wenig diskreter war und nicht direkt an der Balustrade, aber dennoch nah genug, um einen Überblick über das Geschehen zu behalten – hatten die Kellner ihre Sitzgruppe bereits für sie freigeräumt. Hier hielt sie inne, um ihrer Begleitung den Vortritt zu lassen… wie es sich gehörte.
Und Jaze war auch so, so unterhaltsam. Zuerst erklärte sie ihr, dass es nicht mangelnder Mut war, sondern Vorsicht, die sie zurückhielt… nur um im nächsten Atemzug Liliths eigene Aussage in eine weitere Provokation umzukehren. Lilith legte den Kopf leicht in den Nacken, zog kurz die Wangen ein, um das selbstgefällige Grinsen, das sich vehement den Weg nach draußen bahnen wollte, zumindest ein wenig zu unterdrücken. Da sie ohnehin gerade mit dem Rücken an der Bar lehnte, nutzte sie den Moment, sich ein Stück weit herüber zu lehnen, um Jaze die folgenden Worte etwas leiser und… persönlicher ins Ohr sagen zu können. So als wären sie ein Geheimnis, das sonst niemand hier mitbekommen sollte.
„Bist du dir sicher, dass es vorsichtig ist, mich derart herauszufordern?“ Ihre Stimme war leiser, ja, hatte aber nichts des spielerischen Tonfalls verloren, den sie aktuell miteinander pflegten. Und gleichzeitig brachte die Verringerung der Distanz eine ganz andere Art der Aufregung und Unterhaltung in diesen Austausch… Lilith verharrte noch eine Sekunde, um eben jenen Moment auszukosten – und den Geruch von Jezahels Parfum bewusst wahrzunehmen, wenn sie schon einmal in der günstigen Position war.
Zurück an ihrem eigentlichen Platz konnte sie ihr kleines Lachen geschickt in ihrem Cocktailglas ersticken, nachdem Jaze noch darüber mutmaßte, wie Klingen an der Kehle wohl Teil einer Freundschaft sein könnten und dass sie ihre Definition von Feindschaft lieber nicht kennenlernen wollte. Oh, sie hatte so viele Erwiderungen dazu, direkt auf der Zungenspitze – allen voran wie viel Vergnügen man mit einer Messerklinge teilen konnte, wenn man nur verstand, sie geschickt zum Einsatz zu bringen.
Und dennoch hielt sie sich zurück. Das war ungewöhnlich – Lilith zensierte sich normalerweise nicht; nicht in privaten Situationen wie dieser. Aber nun nahm sie einen Schluck ihres Drinks, anstatt ihre Gedanken ungefiltert zu verbalisieren, und unterschwellig war ihr auch klar, dass sie das sehr viel bewusster tat, als sie bereit war, sich an dieser Stelle einzugestehen. Sie testete Jazes Grenzen und hatte sehr viel Vergnügen mit diesem Vorgehen – trotzdem war und blieb es ein bewusstes Verschieben, und nicht der Versuch des mutwilligen Einreißens, der eventuell entsprechenden Kollateralschaden nach sich ziehen könnte.
Kurz darauf gab es ohnehin Spannenderes, das ihre Aufmerksamkeit forderte, jenseits der belustigten Wortwechsel, die sie sich weiterhin zuspielten. Der Blick, mit dem Jezahel sie bedachte, nachdem sie unverblümt ihre Kehle gemustert hatte, verriet weit mehr, als Lilith in ihrem noch leicht benebelten Zustand zuverlässig hätte einordnen können… aber Zurückhaltung war nicht dabei, das bemerkte sie deutlich. Allein das brachte die knisternde Spannung direkt zurück, auch ohne dass sie ein weiteres Wort verlieren musste. Sie hielt lediglich ihren Blick, ließ das Gefühl auf sich wirken… und es war tatsächlich so viel mehr, jetzt wo sie fühlen konnte. Fast beiläufig ließ sie, mit einem kleinen Schmunzeln, ihre Augen kurz zu Jazes Lippen wandern, ehe deren Outfit zum Fokus wurde.
Die Einordnung, dass sie vorerst ihrem Urteil vertrauen würde, nahm Lilith mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis. Das anschließende Kompliment zu ihrem eigenen Outfit hingegen entlockte ihr ein wissendes, halbseitiges Grinsen. Sie musste keinen Blick nach unten werfen um die Anspielung zu verstehen.
„Nun, ich bemühe mich generell bevorzugt, das Argument für etwas zu sein als dagegen“, antwortete sie mit einer selbstverständlichen Sicherheit, die es schwer machte, genau zu sagen ob sie gerade scherzte… oder einfach etwas verbalisierte, das für sie ohnehin offensichtlich war.
Und scheinbar hatte sie dann vollkommen versehentlich einen Punkt getroffen, den sie leider weder komplett einordnen noch das zugehörige Verhalten deuten konnte. Aber als es darum ging, dass es Jaze ganz gut stand, Dinge zu tun, die man nicht von ihr erwartete, schien sie fast schon… nachzugeben? Für einen Moment schien die Stimmung kurz zu wechseln, so als wäre hier noch mehr, irgendetwas jenseits ihres netten kleinen Spiels, das mehr Tragweite und Gewicht hatte, als ihre unterhaltsamen Worte ausdrücken konnten. Irgendetwas jenseits des Offensichtlichen, das sich trotz Liliths benebelten Zustands hartnäckig in ihrem Hinterkopf festsetzte. Wie ein Post-it, mit dem sie sich dringend nochmal beschäftigen musste.
Normalerweise wäre sie hervorragend darin, anschließend exakt die Anschlussfragen zu stellen, um den Finger bewusst in die Wunde zu legen, auch wenn sie noch nicht genau wusste, woher der Schmerz kam. Aber… sie entschied sich dagegen. Warum konnte sie nicht genau sagen – womöglich weil sie noch immer nicht ganz klar war, und ihrem eigenen Kopf nicht ganz so weit über den Weg traute.
Sie wählte also bewusst einen anderen Weg, und fokussierte sich stattdessen auf die Aussage, dass Jaze der Option, heute tatsächlich etwas anderes ausprobieren zu wollen, eine Möglichkeit einräumte. Und da war ja immerhin auch noch diese Herausforderung, die im Raum stand – dass ihre Vorschläge potenziell nicht gut genug waren, um überzeugend zu sein. Höchste Zeit, darauf zurückzukommen.
„Und falls du dich tatsächlich schon seit Tagen nach intellektuell stimulierender Gesellschaft sehnst, wäre es wohl ausgesprochen unhöflich von mir, dich jetzt schon wieder deiner Langeweile zu überlassen.“
„Wirklich ausgesprochen unhöflich“, pflichtete Lilith bei, inzwischen gar keine Energie mehr darauf verschwendend, ihre Erheiterung unterdrücken zu wollen.
„Ähnlich unhöflich wie es von mir wäre, dich den gesamten Abend hier an der Bar sitzen zu lassen.“ Sie ließ vom Tresen ab und ging ein paar Schritte rückwärts in Richtung Tanzfläche, langsam allerdings – Provokation, Aufforderung, Herausforderung in jedem einzelnen ihrer sorgfältig gewählten Schritte, ihr Schmunzeln nun ebenfalls deutlich verheißungsvoller.
„Lass uns gehen.“
Dann drehte sie um und ging voraus, in der unbeirrten Überzeugung, dass Jezahel ihr folgen würde – da sie ihr kurz zuvor ja noch ihre Neugier eingestanden hatte, würde sie die sicherlich befriedigen wollen. Und womöglich ließ Lilith sich im Laufe des Abends ja doch noch dazu bewegen, sich für eine Antwort auf die Frage zu entscheiden, die Jaze so neugierig machte.
Nach links, am Rest der Bar vorbei, bahnte sie sich ihren Weg hin zur Treppe, die sie hinauf in die VIP-Galerie führte. Oben angekommen wechselte Lilith ein paar leise Worte mit einem der Sicherheitsleute, der kurz darauf knapp nickte. Als sie schließlich zur Sitzgruppe in der hinteren linken Ecke gelangte – ihr bevorzugter Platz im VIP-Bereich, wenn sie sich nicht oben auf dem Balkon befand, weil er ein wenig diskreter war und nicht direkt an der Balustrade, aber dennoch nah genug, um einen Überblick über das Geschehen zu behalten – hatten die Kellner ihre Sitzgruppe bereits für sie freigeräumt. Hier hielt sie inne, um ihrer Begleitung den Vortritt zu lassen… wie es sich gehörte.

