08.09.2026, 15:08
Antares trat näher, und allein diese Bewegung reichte, um Syrenas Aufmerksamkeit von dem noch immer an der Wand fixierten Magier auf ihn zu ziehen. Die Resonanzmünze lag in ihrer Hand, ihr schwaches Glimmen beinahe lächerlich unscheinbar zwischen Blut, Staub und der roten Energie an ihren Fingern. Ihr Körper hingegen schrie längst lauter: Zwei Schüsse, Vincire, zu viel Magie, zu wenig Kraft.
Und natürlich hielt ausgerechnet Antares Lexington jetzt den richtigen Moment für Forderungen gekommen. „Gib mir die Münze.“ Syrenas Finger schlossen sich augenblicklich darum, ihre von ihrem Nasenblut verschmierten Knöchel wurden weiß und der matte Schimmer der Münze verschwand gänzlich in ihrer Faust. Nein! Nach diesem Abend würde sie ihm ganz sicher nicht auch noch das verdammte Ding aushändigen, für das sie inzwischen Löcher in Arm, Bein und einer sündhaft teuren Lederjacke vorweisen konnte.
„Du wirst sie niemandem übergeben und du brauchst sie für dich ebenfalls nicht.“ Für einen Moment sah Syrena ihn nur regungslos an. Nicht überrascht, oder beleidigt, sondern auf jene kalte Art, die bei ihr zuverlässig in Wut umschlug.
Antares entschied jetzt also nicht nur, wem die Münze gehörte, sondern gleich mit, was Syrena damit vorhatte und wie viel Verantwortung man ihr offenbar zutrauen durfte? „Hast du beim Zuschauen irgendwann auch zugehört? Ich habe gerade gefragt, wie ich das Mädchen finde.“ Ihr Blick wurde schmaler, ihr Mund ebenfalls. „Ich habe mir für diese Münze zwei Kugeln eingefangen und eine Versace-Jacke ruinieren lassen. Du bekommst sie garantiert nicht.“ Die roten Magiefäden legten sich enger um ihre geschlossene Hand. Versuch es. Oh, versuch es nur…
Dann hob Antares die linke Hand. Zunächst begriff Syrena nicht, was die langsame Drehung seines Handgelenks sollte. Im nächsten Moment explodierte der Schmerz in ihrem rechten Oberschenkel. Ihr Atem brach scharf ab, das verletzte Bein wurde reflexartig entlastet und die Magie an ihrer Faust flackerte, bis sie kurz vor dem Erlöschen war. Kein natürlicher Schmerzstoß. Zu plötzlich. Zu präzise.
Ihr Blick schoss zu seiner Hand und sie erkannte seine Magie. Natürlich. Der Heiler wusste nicht nur, wie man Leiden nahm. Er wusste auch ganz genau, wie man es verstärkte. Nach Vincire und zwei Schüssen war das beinahe die widerwärtigste mögliche Art, sie anzugreifen: Wieder jemand, der glaubte, über ihren Körper bestimmen zu dürfen. „Nimm. Deine. Magie. Von mir.“ Keine Bitte. Eher seine letzte Gelegenheit, freiwillig damit aufzuhören.
Nur stand da noch immer der andere Hexer. Ein zweites Problem, das sie nicht gebrauchen konnte. Syrena hatte alles von ihm bekommen, was sie wollte; er hatte erklärt, wie die Münze funktionierte. Als er sich bewegte, jagte sie ihm einen kurzen telekinetischen Schlag gegen Kopf und Oberkörper. Sie wollte ihn lediglich bewusstlos machen, ihn außer Gefecht setzen. Doch ihre Feinsteuerung war längst nicht mehr das, was sie sein sollte. Der Impuls geriet zu hart, sein Kopf wurde brutal zur Seite gegen das Mauerwerk geschleudert. Ein trockenes Knacken ertönte, bevor er zusammensackte. Syrena starrte einen Herzschlag auf ihn. Ups. Verdammt. Nicht sein Tod störte sie, sondern dass sie sich verschätzt hatte, tat es. Ihre eigene Magie war ihr einen Schritt davongelaufen, und das traf ihren Stolz fast ebenso empfindlich wie Antares’ Zugriff auf ihren Schmerz.
Jetzt blieb nur noch er und der Blick der Hexe fixierte ihren Widersacher unmittelbar wieder. Du wolltest meine Aufmerksamkeit. Herzlichen Glückwunsch. Sie riss die freie Hand hoch und schleuderte ihm einen massiven Magiestoß entgegen, rote Adern schossen mit der Bewegung nach vorn, bevor die Energie impulsartig hinterher peitschte. Nicht, um ihn zu töten, aber sehr wohl, um ihn weit von sich wegzubefördern, seine Konzentration zu brechen und ihm klarzumachen, dass er sie nicht kontrollierte. Ob er den Angriff abfing, war sein Problem.
Die Rechnung folgte unmittelbar. Ihr Oberschenkel zitterte, der linke Arm pochte bis in die Schulter und das erst vor kurzem aufgehörte Nasenbluten setzte erneut ein. Nach dem Angriff wurden die roten Fäden dünner, unruhiger. Syrena wischte das Blut gereizt mit dem Handrücken fort und hasste, dass Antares all das sehen konnte. Nicht nur ihre Verletzungen, sondern den Punkt, an dem ihr Körper ihr widersprach. Ausgerechnet vor ihm. Nichts daran brachte sie dazu, nachzugeben. Es machte nur unmöglich, sich selbst vorzulügen, dass sie diesen Zustand noch beliebig lange so halten konnte.
Vielleicht war genau deshalb sein Misstrauen so beleidigend. Er hatte gesehen, dass sie Ashcrofts Männern die Münze verweigert hatte, welchen Preis sie dafür zahlte und wie sie nach dem Mädchen fragte. Trotzdem behandelte er sie, als sei er automatisch die moralisch bessere Verwahrstelle.
Syrenas Blick wurde wieder kühl. „Du hast erstaunlich schnell vergessen, wer von uns beiden gerade zwei Kugeln dafür kassiert hat, dass Ashcroft dieses Ding nicht zurückbekommt.“ Ihre Mundwinkel verzogen sich kaum, doch ihre Augen, in denen die roten Magiepunkte flackerten, waren hasserfüllt. „Während du übrigens auf einer Mauer gesessen und zugesehen hast. Und ausgerechnet du willst mir erzählen, wer vertrauenswürdiger mit dieser Münze umgeht?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme langsam zitterte… vor Wut und durch ihr Kraftlimit. Dennoch trug jedes Wort eine Spitze. „Du arbeitest jeden Abend in einem Club, in dem Leute wie Ashcroft ihre Geschäfte machen. Du bedienst sie, du hörst zu. Und du siehst weg.“ Ein verächtliches Schnauben entfloh ihr. „Was genau qualifiziert dich gerade zum moralischen Vormund dieses Kindes?“ Für Syrena war das schlicht das Bild, das Antares ihr selbst geliefert hatte. Von seinen heimlichen Eingriffen wusste sie nichts, und ein einzelner Gewissensausbruch machte ihn für sie noch lange nicht zum Heiligen.
Was Syrena mit der Münze gegenüber Wolfram & Hart tat, ging Antares allerdings erst recht nichts an, und ihr Mund verzog sich zu einem verächtlichen Lächeln. „Wolfram & Hart bekommt meinen Bericht. Was die Kanzlei danach von mir verlangt, kläre ich mit meinem Arbeitgeber – nicht mit dir!“ Ihre Loyalität zur Kanzlei stand nicht zur Debatte. Antares’ Mitspracherecht darüber allerdings ebenfalls nicht. Dann senkte sie den Blick auf ihre Faust. „Ich werde das Mädchen finden.“
Der Satz klang endgültiger, als Syrena lieb war. Noch weniger gefiel ihr, dass Antares offenbar dasselbe wollte. Ausgerechnet mit ihm. Ein gemeinsames Ziel wurde bei ihnen selbstverständlich zum Machtkampf. Syrena hob die Hand mit der Münze ein wenig an. „Warum sollte ich sie ausgerechnet dir geben?“ Ihr Blick blieb fest auf ihm. „Du verlangst Vertrauen von mir, während du gleichzeitig beschlossen hast, dass man mir keines entgegenbringen kann. Faszinierendes Konzept.“
Sie öffnete die Faust gerade weit genug, um das Metall selbst sehen zu können. Der Schimmer war noch da, wenn auch flackernd. Syrena drehte die Hand langsam; in eine Richtung wurde das Leuchten schwächer, in die andere gewann es einen kaum merklichen Hauch an Intensität. Der Magier hatte nicht gelogen. Eine Spur, schwach, aber eindeutig. Sie brauchte Antares nicht, um die Münze benutzen zu können. Dass er trotzdem nützlich sein könnte, war eine andere, ausgesprochen lästige Wahrheit.
Ihr Körper erinnerte sie sofort daran. Syrena zog aus einer kleinen Innentasche ein schmales Fläschchen hervor. Ein Notfallelixier. Nicht annähernd so wirksam wie echte Heilmagie, aber dafür verlangte es keine Demütigung in Form einer Bitte an den Kater-Magier. Eher biss sie sich die Zunge ab. Sie zog den Verschluss mit den Zähnen heraus und trank den bitteren Inhalt. Die Blutungen verlangsamten sich, ihr Kreislauf stabilisierte sich etwas und der Schmerz verlor peu à peu von seiner Schärfe. Die Verletzungen blieben, ebenso die Erschöpfung. Aber sie konnte weitermachen. Sie hielt durch.
Die Münze blieb in ihrer Hand. Syrena prüfte noch einmal den schwachen Schimmer und fixierte anschließend wieder Antares. Die roten Lichtpunkte in ihren Augen, die eben noch verraten hatten, wie viel Magie trotz aller Erschöpfung in ihr tobte, waren inzwischen fast vollständig erloschen. Ihre Wut dagegen nicht, der gekränkte Stolz erst recht nicht, und dass er ihr geholfen hatte, würde sie ihm ganz sicher nicht dadurch danken, dass sie nun seinen Befehlen folgte.
Trotzdem stand irgendwo in dieser Stadt ein zwölfjähriges Mädchen am Ende dieser Spur, und selbst Syrena konnte inzwischen nicht mehr so tun, als ließe sie das kalt. Ein schmales, herausforderndes Lächeln glitt über ihre Lippen. „Du darfst mich begleiten, Katerchen. Wenn deine Moral so hoch ist, nimmst du das für das Mädchen in Kauf.“
Und natürlich hielt ausgerechnet Antares Lexington jetzt den richtigen Moment für Forderungen gekommen. „Gib mir die Münze.“ Syrenas Finger schlossen sich augenblicklich darum, ihre von ihrem Nasenblut verschmierten Knöchel wurden weiß und der matte Schimmer der Münze verschwand gänzlich in ihrer Faust. Nein! Nach diesem Abend würde sie ihm ganz sicher nicht auch noch das verdammte Ding aushändigen, für das sie inzwischen Löcher in Arm, Bein und einer sündhaft teuren Lederjacke vorweisen konnte.
„Du wirst sie niemandem übergeben und du brauchst sie für dich ebenfalls nicht.“ Für einen Moment sah Syrena ihn nur regungslos an. Nicht überrascht, oder beleidigt, sondern auf jene kalte Art, die bei ihr zuverlässig in Wut umschlug.
Antares entschied jetzt also nicht nur, wem die Münze gehörte, sondern gleich mit, was Syrena damit vorhatte und wie viel Verantwortung man ihr offenbar zutrauen durfte? „Hast du beim Zuschauen irgendwann auch zugehört? Ich habe gerade gefragt, wie ich das Mädchen finde.“ Ihr Blick wurde schmaler, ihr Mund ebenfalls. „Ich habe mir für diese Münze zwei Kugeln eingefangen und eine Versace-Jacke ruinieren lassen. Du bekommst sie garantiert nicht.“ Die roten Magiefäden legten sich enger um ihre geschlossene Hand. Versuch es. Oh, versuch es nur…
Dann hob Antares die linke Hand. Zunächst begriff Syrena nicht, was die langsame Drehung seines Handgelenks sollte. Im nächsten Moment explodierte der Schmerz in ihrem rechten Oberschenkel. Ihr Atem brach scharf ab, das verletzte Bein wurde reflexartig entlastet und die Magie an ihrer Faust flackerte, bis sie kurz vor dem Erlöschen war. Kein natürlicher Schmerzstoß. Zu plötzlich. Zu präzise.
Ihr Blick schoss zu seiner Hand und sie erkannte seine Magie. Natürlich. Der Heiler wusste nicht nur, wie man Leiden nahm. Er wusste auch ganz genau, wie man es verstärkte. Nach Vincire und zwei Schüssen war das beinahe die widerwärtigste mögliche Art, sie anzugreifen: Wieder jemand, der glaubte, über ihren Körper bestimmen zu dürfen. „Nimm. Deine. Magie. Von mir.“ Keine Bitte. Eher seine letzte Gelegenheit, freiwillig damit aufzuhören.
Nur stand da noch immer der andere Hexer. Ein zweites Problem, das sie nicht gebrauchen konnte. Syrena hatte alles von ihm bekommen, was sie wollte; er hatte erklärt, wie die Münze funktionierte. Als er sich bewegte, jagte sie ihm einen kurzen telekinetischen Schlag gegen Kopf und Oberkörper. Sie wollte ihn lediglich bewusstlos machen, ihn außer Gefecht setzen. Doch ihre Feinsteuerung war längst nicht mehr das, was sie sein sollte. Der Impuls geriet zu hart, sein Kopf wurde brutal zur Seite gegen das Mauerwerk geschleudert. Ein trockenes Knacken ertönte, bevor er zusammensackte. Syrena starrte einen Herzschlag auf ihn. Ups. Verdammt. Nicht sein Tod störte sie, sondern dass sie sich verschätzt hatte, tat es. Ihre eigene Magie war ihr einen Schritt davongelaufen, und das traf ihren Stolz fast ebenso empfindlich wie Antares’ Zugriff auf ihren Schmerz.
Jetzt blieb nur noch er und der Blick der Hexe fixierte ihren Widersacher unmittelbar wieder. Du wolltest meine Aufmerksamkeit. Herzlichen Glückwunsch. Sie riss die freie Hand hoch und schleuderte ihm einen massiven Magiestoß entgegen, rote Adern schossen mit der Bewegung nach vorn, bevor die Energie impulsartig hinterher peitschte. Nicht, um ihn zu töten, aber sehr wohl, um ihn weit von sich wegzubefördern, seine Konzentration zu brechen und ihm klarzumachen, dass er sie nicht kontrollierte. Ob er den Angriff abfing, war sein Problem.
Die Rechnung folgte unmittelbar. Ihr Oberschenkel zitterte, der linke Arm pochte bis in die Schulter und das erst vor kurzem aufgehörte Nasenbluten setzte erneut ein. Nach dem Angriff wurden die roten Fäden dünner, unruhiger. Syrena wischte das Blut gereizt mit dem Handrücken fort und hasste, dass Antares all das sehen konnte. Nicht nur ihre Verletzungen, sondern den Punkt, an dem ihr Körper ihr widersprach. Ausgerechnet vor ihm. Nichts daran brachte sie dazu, nachzugeben. Es machte nur unmöglich, sich selbst vorzulügen, dass sie diesen Zustand noch beliebig lange so halten konnte.
Vielleicht war genau deshalb sein Misstrauen so beleidigend. Er hatte gesehen, dass sie Ashcrofts Männern die Münze verweigert hatte, welchen Preis sie dafür zahlte und wie sie nach dem Mädchen fragte. Trotzdem behandelte er sie, als sei er automatisch die moralisch bessere Verwahrstelle.
Syrenas Blick wurde wieder kühl. „Du hast erstaunlich schnell vergessen, wer von uns beiden gerade zwei Kugeln dafür kassiert hat, dass Ashcroft dieses Ding nicht zurückbekommt.“ Ihre Mundwinkel verzogen sich kaum, doch ihre Augen, in denen die roten Magiepunkte flackerten, waren hasserfüllt. „Während du übrigens auf einer Mauer gesessen und zugesehen hast. Und ausgerechnet du willst mir erzählen, wer vertrauenswürdiger mit dieser Münze umgeht?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme langsam zitterte… vor Wut und durch ihr Kraftlimit. Dennoch trug jedes Wort eine Spitze. „Du arbeitest jeden Abend in einem Club, in dem Leute wie Ashcroft ihre Geschäfte machen. Du bedienst sie, du hörst zu. Und du siehst weg.“ Ein verächtliches Schnauben entfloh ihr. „Was genau qualifiziert dich gerade zum moralischen Vormund dieses Kindes?“ Für Syrena war das schlicht das Bild, das Antares ihr selbst geliefert hatte. Von seinen heimlichen Eingriffen wusste sie nichts, und ein einzelner Gewissensausbruch machte ihn für sie noch lange nicht zum Heiligen.
Was Syrena mit der Münze gegenüber Wolfram & Hart tat, ging Antares allerdings erst recht nichts an, und ihr Mund verzog sich zu einem verächtlichen Lächeln. „Wolfram & Hart bekommt meinen Bericht. Was die Kanzlei danach von mir verlangt, kläre ich mit meinem Arbeitgeber – nicht mit dir!“ Ihre Loyalität zur Kanzlei stand nicht zur Debatte. Antares’ Mitspracherecht darüber allerdings ebenfalls nicht. Dann senkte sie den Blick auf ihre Faust. „Ich werde das Mädchen finden.“
Der Satz klang endgültiger, als Syrena lieb war. Noch weniger gefiel ihr, dass Antares offenbar dasselbe wollte. Ausgerechnet mit ihm. Ein gemeinsames Ziel wurde bei ihnen selbstverständlich zum Machtkampf. Syrena hob die Hand mit der Münze ein wenig an. „Warum sollte ich sie ausgerechnet dir geben?“ Ihr Blick blieb fest auf ihm. „Du verlangst Vertrauen von mir, während du gleichzeitig beschlossen hast, dass man mir keines entgegenbringen kann. Faszinierendes Konzept.“
Sie öffnete die Faust gerade weit genug, um das Metall selbst sehen zu können. Der Schimmer war noch da, wenn auch flackernd. Syrena drehte die Hand langsam; in eine Richtung wurde das Leuchten schwächer, in die andere gewann es einen kaum merklichen Hauch an Intensität. Der Magier hatte nicht gelogen. Eine Spur, schwach, aber eindeutig. Sie brauchte Antares nicht, um die Münze benutzen zu können. Dass er trotzdem nützlich sein könnte, war eine andere, ausgesprochen lästige Wahrheit.
Ihr Körper erinnerte sie sofort daran. Syrena zog aus einer kleinen Innentasche ein schmales Fläschchen hervor. Ein Notfallelixier. Nicht annähernd so wirksam wie echte Heilmagie, aber dafür verlangte es keine Demütigung in Form einer Bitte an den Kater-Magier. Eher biss sie sich die Zunge ab. Sie zog den Verschluss mit den Zähnen heraus und trank den bitteren Inhalt. Die Blutungen verlangsamten sich, ihr Kreislauf stabilisierte sich etwas und der Schmerz verlor peu à peu von seiner Schärfe. Die Verletzungen blieben, ebenso die Erschöpfung. Aber sie konnte weitermachen. Sie hielt durch.
Die Münze blieb in ihrer Hand. Syrena prüfte noch einmal den schwachen Schimmer und fixierte anschließend wieder Antares. Die roten Lichtpunkte in ihren Augen, die eben noch verraten hatten, wie viel Magie trotz aller Erschöpfung in ihr tobte, waren inzwischen fast vollständig erloschen. Ihre Wut dagegen nicht, der gekränkte Stolz erst recht nicht, und dass er ihr geholfen hatte, würde sie ihm ganz sicher nicht dadurch danken, dass sie nun seinen Befehlen folgte.
Trotzdem stand irgendwo in dieser Stadt ein zwölfjähriges Mädchen am Ende dieser Spur, und selbst Syrena konnte inzwischen nicht mehr so tun, als ließe sie das kalt. Ein schmales, herausforderndes Lächeln glitt über ihre Lippen. „Du darfst mich begleiten, Katerchen. Wenn deine Moral so hoch ist, nimmst du das für das Mädchen in Kauf.“

