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old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 31.08.2026 Das Valen & Vice gehörte zu jenen Orten, an denen man sich besser nicht dadurch verdächtig machte, dass man aussah, als würde man dort absolut nicht hingehören. Wer aussah, als hätte er nicht genügend Geld, um seinen nächsten Drink zu bezahlen, wer sich ständig umschaute und ausstrahlte, dass er sich unwohl fühlte, wurde schneller zur Zielscheibe, als ihm lieb war. Syrena hatte sich deshalb an diesem Abend bewusst gegen alles entschieden, was auch nur entfernt nach Wolfram & Hart aussah. Statt ihres seriös wirkenden Blazers und des Bügelfaltenrocks, trug sie dunkelrotes Leder über einem schwarzen, tief ausgeschnittenen Oberteil, dazu einen asymmetrisch fallenden Rock in einem so dunklen Bordeaux, dass er im gedämpften Licht beinahe schwarz wirkte. Schwarze Stiefel, ihre geliebten Stulpen und der übliche Schmuck vervollständigten etwas, das sehr viel eher nach einem freiwilligen Abend in einem exklusiven Club aussah als nach Arbeit. Dass es außerdem eines ihrer Lieblingsoutfits war, war ein angenehmer Nebeneffekt. Syrena hatte nie verstanden, warum Zweckmäßigkeit zwingend langweilig und bieder sein musste. So sehr sie ihren Job in der wohl größten Anwaltskanzlei der Welt liebte, so fad empfand sie die Kleidung, wenngleich sie auch dort um deren Wirkung wusste. Ihr Auftrag war heute Abend unspektakulär genug, um den Aufwand gering zu halten. Gideon Ashcroft, achtundsechzig und ehemaliger Mandant der Kanzlei, hatte vor einiger Zeit die ausgesprochen hilfreichen Dienste von Wolfram & Hart in Anspruch genommen und anschließend offenbar beschlossen, dass Vereinbarungen hauptsächlich für andere Menschen galten. Eine noch ausstehende Gegenleistung könne er nicht mehr erbringen, entsprechende Kontakte besitze er längst nicht mehr und überhaupt sei sein früheres Geschäftsfeld praktisch versiegt. Bedauerlich nur, dass die Kanzlei Hinweise darauf erhalten hatte, Ashcroft handle weiterhin mit seltenen, magischen Gegenständen und Informationen. Für diesen Abend war ein Treffen mit einem bislang unbekannten Kontakt angekündigt. Syrena sollte weder verhandeln noch etwas sicherstellen; sie sollte lediglich beobachten, feststellen, mit wem er sich traf, und herausfinden, womit Ashcroft konkret handelte. Keine Einmischung und erst recht keine Aufmerksamkeit. Ein Auftrag, der vermutlich keine ihrer magischen Fähigkeiten groß herausfordern würde, vielleicht würde er sogar verdammt langweilig werden. Aber nun, dafür wurde sie bezahlt, auch, wenn es insgeheim das immens große Ego der dunklen Hexe bereits beleidigt hatte. Ashcroft machte es ihr leicht, ihn zu finden. Sein silbergraues Haar war sauber zurückgekämmt, der dunkle Anzug saß trotz seines Alters makellos und selbst aus einigen Metern Entfernung wirkten Manschettenknöpfe, Einstecktuch und der Ring an seiner rechten Hand so teuer, dass nichts an ihm zu einem Mann passen wollte, der angeblich kaum noch über nennenswerte Mittel verfügte. Innerlich lachte Sy verächtlich auf. Schon oft hatte sie Klienten und Klientinnen der Kanzlei mit offenbar leeren Hosentaschen erlebt, die dann auf einer versteckten Goldgrube gesessen hatten. Recht geschah es ihnen! Er hatte es sich in einer der etwas abgeschiedeneren Sitzgruppen bequem gemacht, ein schweres Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit in der Hand, den Blick scheinbar gelangweilt in den Raum gerichtet. Nur seine Augen passten nicht zu dieser demonstrativen Ruhe. Sie wanderten immer wieder zum Eingang, dann über die Gäste, ehe sie erneut auf seinem Glas landeten. Er wartet. Die Hexe konnte mittlerweile, dank ihrer Erfahrung im Observieren, relativ schnell die Bewegungen und Körperhaltungen ihrer zu beobachtenden Ziele deuten. Auch hier war es nicht besonders schwer gewesen. Sie ließ ihren eigenen Blick weiterziehen, als hätte Ashcroft sie überhaupt nicht interessiert, und entschied sich für einen freien Platz an der Bar. Von dort hatte sie eine gute Sicht auf seine Sitzgruppe, ohne sich ständig nach ihm umdrehen zu müssen und er sah sie von schräg recht hinten nicht. Perfekt! Syrena ging mit beschwingtem Schritt in Richtung Bar, legte ihre Tasche neben sich und strich lediglich einmal den Rock glatt, ehe sie noch einmal beiläufig über den Raum sah. Jemand hinter dem Tresen näherte sich; sie schenkte ihm kaum mehr Aufmerksamkeit als den Flaschen in den Regalen dahinter. Ihre Augen waren bereits wieder bei Ashcroft und so hörte sie nur beiläufig die Standardfrage, was es sein durfte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb es einen zweiten Blick brauchte. Syrena wandte den Kopf erst wieder zur Bar, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, diesmal ohne mit ihren Gedanken bereits drei Tische weiter zu sein. Ihr Blick glitt über das Gesicht vor ihr – und blieb für einen Moment an dem Gesicht des Barkeepers hängen. Für einen Sekundenbruchteil wollte ihr Verstand das Gesehene offenbar doch noch einer belanglosen Ähnlichkeit zuschreiben, bevor sich die vertrauten Züge zu einer Erinnerung zusammensetzten, die sie seit Jahren nicht gebraucht hatte. Ihre Finger, eben noch locker auf dem Tresen liegend, glitten nach unten. Knisternde rote Magie legte sich um ihre Finger, dezent genug, um nicht gleich die Blicke der anderen Gäste auf sich zu ziehen – schließlich war sie hier gewiss nicht die einzige Hexe –, aber gerade deutlich genug, um dem emotionalen Tornado in ihrem Inneren ein wenig Raum zu geben. Die Versteinerung ihres Blickes griff auf ihre restlichen Gesichtszüge über. Kein erschrockenes Zurückweichen, kein ungläubiges Starren. Doch ihr Blick begann nun, deutlich kälter zu werden. „Du“, formte ihr Mund die beiden kleinen, unbedeutenden Buchstaben. Vier Jahre. So lange hatte sie Antares Lexington weder gesehen noch vermisst, und Syrena hätte nicht behaupten können, dass ihr in der Zwischenzeit auch nur besonders häufig der Gedanke gekommen wäre, herauszufinden, was aus ihm geworden war. Er war irgendwann schlicht zu etwas geworden, das erledigt war – Amy dagegen war das nie gewesen. Dafür genügte jetzt sein Gesicht, um viel zu mühelos wieder das Bild ihrer Cousine hervorzuholen: Amy, verletzt und gedemütigt, nachdem sie ausgerechnet den Mann, dem sie vertraut hatte, mit einer anderen erwischt hatte. Syrena musste sich weder jedes Detail jenes Tages noch ihre damalige Wut erneut ins Gedächtnis rufen, erst recht nicht ihre spätere Auflösung, in der sie durch ihre Magie in sich selbst zusammengefallen war. Das Gefühl fand auch ohne Einladung zurück. Kühl, scharf und erstaunlich unverbraucht. Nein, sie bereute den Fluch noch immer nicht. Wenn überhaupt, erinnerte dieser Anblick sie daran, warum sie ihn ausgesprochen hatte. Ihr Blick wanderte langsam an ihm hinab und anschließend wieder nach oben. Menschlich. Ausgesprochen menschlich sogar! Das brachte sie dazu, ihre Augen leicht zu verengen und taxierend den Kopf etwas zur Seite zu neigen. „Sieh an. Du kannst mittlerweile wieder auf zwei Beinen stehen.“ Dass Antares einen Weg gefunden hatte, ihre Magie zumindest so weit zurückzudrängen, weckte weniger Anerkennung als eine gewisse widerwillige Neugier. Syrena wusste sehr genau, wie sie den Fluch gebunden hatte. Sie hatte ihn nur für ihn kreiert, es war ihre Erfindung gewesen. Dass er hier offenbar problemlos hinter einer Bar arbeiten konnte, bedeutete also nicht, dass er ihn gebrochen hatte. Das hätte sie gewusst. Erst bei diesem genaueren Blick fiel ihr der Anhänger auf, den er um den Hals trug. Schmuck an Antares war kaum bemerkenswert genug, um länger darüber nachzudenken; schon früher hatte er eine ausgesprochene Schwäche für Silber und auffälligen Schmuck gehabt. Natürlich trug Antares Lexington inzwischen irgendeinen neuen Klunker spazieren. Nur lag etwas daran, das ihren Blick einen Herzschlag länger festhielt. Magie. Schwach wahrnehmbar und fremd genug, dass sie nicht auf Anhieb bestimmen konnte, was genau dort wirkte. Aber war das etwas Besonderes an einem Hexer? Nein, wirklich nicht. Syrena ließ ihre Augen daher wieder davon abgleiten. Ihn danach zu fragen hätte Interesse vorausgesetzt, und davon hatte er für die nächsten vier Jahre bereits genug bekommen. „Einen Cosmopolitan.“ Ihr Ton war scharf, man konnte den Hauch eines Befehls darin vernehmen, immerhin war sie hier Gast und Antares bewirtete Gäste. Kurz glitt ihr Blick abschätzend zu dem Dunkelhaarigen und sie verzog verächtlich den Mund. „Ich hoffe, den kriegst du hin. Er ist nichts für Anfänger.“ Dann wandte sie sich fast währenddessen wieder Ashcroft zu. Der ältere Mann hatte seine Position inzwischen kaum verändert, doch sein Blick wanderte gerade gefährlich nah an die Bar heran. Syrenas Zeigefinger strich einmal über die Kante des Tresens. Nicht mehr als ein Hauch dunklen Rots flackerte zwischen ihren Fingern auf und verging im selben Augenblick wieder, nachdem er eine kurze, dünne, leuchtend rote Spur auf dem Tresen hinterlassen hatte. Kein Zauber, der Ashcrofts Gedanken lenkte oder ihm etwas aufzwang, das vermochte die Hexe nicht ohne einen sorgfältig vorbereiteten Zauber; lediglich ein kleiner Schubs für seine Aufmerksamkeit, ein leeres Glas, das unweit von ihm umkippte, ohne auf den Boden zu fallen und zu zerbersten. Einfach ein winzig kleiner Schubs von Syrenas telekinetischer Magie. Sein Blick glitt dorthin weiter, als wäre es von Anfang an sein eigener Impuls gewesen. Schon besser! Syrena ließ die Hand wieder sinken und behielt Ashcrofts Sitzgruppe im Auge. Dass ausgerechnet Antares hinter dem Tresen stand, änderte schließlich nichts an ihrem Auftrag. Noch weniger würde sie ihm die Genugtuung gönnen, etwas anderes zu glauben. Bis ihr Cosmopolitan vor ihr stand, gab es für sie daher keinen vernünftigen Grund, ihm mehr Aufmerksamkeit zu schenken als unbedingt notwendig. Und danach vermutlich noch weniger. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 31.08.2026 She who dabbles in shadows shall have darkness linger in her soul.
Every spell comes at a cost and the price of magic will be paid by all. - Lanne Garrett Outfit (KI) [Einstiegspost] Wie bereits einige Male zuvor, war Antares auch am heutigen Abend auf leisen Pfoten in die Bar gekommen. Nachdem er sein Apartment verließ, auf die Straße ging und einen Straßenecke erreichte, die nicht gänzlich einsehbar war, gab er seinen Widerstand gegen den Fluch auf, sodass lautlos und unspektakulär im nächsten Moment ein schwarzer Kater aus den Schatten heraus trat. In den letzten Jahren hatte er diese Prozedur nun schon so oft vollzogen, dass er mittlerweile nicht mehr an Gleichgewichtsstörungen litt, sobald er in die wesentlich kleinere Gestalt wechselte oder zurück. Auch erschlugen ihn all die Gerüche und Geräusche nicht mehr gänzlich so, wie bei der allerersten Wandlung, als der Fluch vollzogen wurde. Es hieß ja, man gewöhnte sich an vieles. Dank des Talismans, den nun auch der samtpfotige Vertreter seiner Rasse um den Hals trug, war es ihm seit einigen Monaten nun um ein vielfaches einfacher, zwischen den Gestalten zu wechseln. Der Fluch zwang ihn immer noch in die Knie und mehr als seine Schicht im Nachtclub hielt er es am Stück auch kaum aus. Damit der Zwang jedoch so gering wie möglich gehalten werden konnte, nutzte der Kater viele Abende um seinen Arbeitsweg bereits dafür zu nutzen. Selbstredend brauchte er auf seinen kleinen Pfoten um einiges länger als in seinem schicken Sportwagen. Wobei das auch nicht immer so selbstverständlich war. Oft genug zwang einen ein Stau in der Innenstadt zu einem unerwünschten Stopp. Da trugen die Katzenpfoten ihn doch zuverlässiger durch die Hinterhöfe und Gassen der Stadt. Und mittlerweile kannte er diese Strecke in und auswendig, sodass er jede, sich bietende Abkürzung nehmen konnte. So kam Antares auch heute in der Gasse an, über die man den Hintereingang der Bar erreichte. Eine kurze Weile blieb er noch auf einer Mauer sitzen, weil direkt vor der Türe zwei der Putzfrauen entschieden hatten, ihr Zigarettenpläuschchen abzuhalten. Wie immer drehte das Tier seine Ohren in deren Richtung und lauschte aufmerksam. Am Gesicht des Katers ließ nichts vermuten, dass er jedes Wort verstand und wenn er wollte, sogar antworten könnte. Ein Geschenk seiner Magie, wenn man es so nennen wollte, welche als Gegenangriff auf den Fluch damals sofort die für ihn besten Möglichkeiten erkannte. Nicht, dass er es unbedingt als Verbesserung ansah, aber er hatte, genau, gelernt damit umzugehen. Sein Groll gegen die Hexe, die ihm das angetan hatte, war seit jenem Tag ungebrochen. Er hielt sich die Waage mit der Verzweiflung, weil er wusste, er konnte den Fluch niemals zur Gänze brechen. Und natürlich gab es Tage, an denen Letztere die Oberhand gewinnen wollte. Das waren dann diejenigen, an denen der Hexer seine Wohnung nicht verließ und sich mit der Erforschung und Erprobung verschiedenster Zaubersprüche ablenkte. Vor allem musste er einen finden, der verhinderte, dass ihm seine einstige Liebe Amy im Traum erschien. Sie war nicht mehr hier. Der Tag, als ihm ein Informant dies zuflüsterte, war der Schwärzeste in seinem bisherigen Leben. Niemals hatte er gewollt, das dies geschah. In seiner Vorstellung hätte Amy ihn irgendwann vergessen, einen netten Mann kennengelernt, Kinder bekommen und wäre bis an ihr Lebensende glücklich gewesen. Wie es in diesen dämlichen Märchen doch auch immer hieß. Aber sie war nicht mehr glücklich geworden. Und dieses Wissen höhlte ihn innerlich mehr aus, als der elende Fluch der ihn jeden Tag für mehrere Stunden in die Gestalt eines schwarzen Katers zwang. Doch all das hatte jetzt und hier bei der Arbeit nichts zu suchen. Er war der Barkeeper im angesagtesten Club der Stadt. Der Lohn stimmte, die Location sowieso und nicht nur, dass er während der Arbeit seine Magie anwenden durfte, er erfuhr auch noch so einiges. Klar musste er davon dem Boss das Meiste zustecken, doch hin und wieder griff er auch eine Information für sich selbst ab, mit der Absicht diese irgendwann zu seinen Gunsten nutzen zu können. Wenn man schon mit den Haien schwamm, durfte man sich auch etwas von der Beute sichern. Das Reinigungspersonal war sowohl mit ihrer Plauderei als auch mit ihren Zigaretten zum Ende gekommen und verschwanden wieder im Gebäude. Der Kater streckte sich einmal genüsslich und sprang schließlich von der Mauer. Unten angekommen, trat Antares auf seinen zwei Beinen wieder aus dem Schatten und betrat das Gebäude. Man wechselte ein paar freundliche Worte mit dem restlichen Personal, dann war es aber auch schon soweit, dass seine Schicht begann. Er richtete sich die Utensilien hinter der Bar so her, wie er es für den restlichen Abend brauchte und bald schon, strömten die ersten Gäste herein. Es war eine bunte Mischung, wie jeden Abend. Es gab ein paar Drinks hier und ein kleiner Flirt da. Bisher war noch nichts interessantes vorbei gekommen, weswegen der Dunkelhaarige sich auf die kleine Gruppe konzentrierte, die ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestand und an der kitschigen Tiara und der Scherpe der Hauptperson als Junggesellenabschied zu erkennen war. Noch so ein Lamm, welches zur Schlachtbank geführt wurde, dachte der Hexer bei sich, als er sich den Frauen zuwandte. Sie gaben ihre Bestellungen auf und kicherten bereits jetzt, als hätte jede davon einen zu viel in der Krone. Da er aber genau den Überblick darüber hatte, was er wem servierte, konnte das nicht von seinen Getränken kommen. Als er diese anmischte, blies er ungesehen über jedes einzelne der Gläser. Die Damen würden ein weiteres Hochgefühl erleben, ohne aber die Hemmungslosigkeit des Alkohols als Nebenwirkung zu haben. Ja, man würde es dem Hexer nicht zutrauen, doch auch er kannte so etwas wie Verantwortungsgefühl. War zwar etwas schlechter fürs Geschäft aber die kleine Gruppe war ein verschmerzbarer Verlust. Mit großer Begeisterung nahmen sie seine Drinks in Empfang und er wollte sich gerade noch etwas mit ihnen unterhalten, als es Antares mit einem Mal eiskalt den Rücken hinunterlief. Verwundert, aber natürlich professionell genug, sich das nicht anmerken zu lassen, wandte er sich von der Mädelsgruppe ab und sah sich unauffällig um. Und als er sie sitzen sah, vergaß er einen Moment sogar zu atmen. Alles in ihm wollte sie mit einem kräftigen, magischen Stoß von diesem dämlichen Hocker fegen. Am besten soweit, dass ihr kantiger, flacher Hintern bis raus auf die Straße getragen wurde. Für einen Moment überwog sein Zorn dermaßen, dass seine braunen Augen, die des Katers wurden. Große emotionale Schübe waren nicht gerade förderlich für den Fluch. Daher zwang der Hexer sich zur Ruhe, blinzelte und fand seine menschliche Mitte wieder. Schädlicher fürs Geschäft, als eine Gruppe Frauen, die nach einer Runde bereits so gut drauf waren, als hätten sie ein halbes Vermögen ausgegeben, war eine Katze hinter dem Tresen. Da blieb dann nur die Frage was war schneller hier. Animal Control oder die Gesundheitsbehörde. Da Antares seinen Job aber gerne noch behalten wollte, intonierte er einen Heilspruch, der seine beruhigende Wirkung schnell entfaltete. Und so blieb sowohl ein felliges Unglück aus, wie auch ein durchaus sehenswerter Abgang der rothaarigen Hexe. Stattdessen war er nun wieder der professionelle Barkeeper, dessen Aufgabe es war, die Gäste zu bedienen. Scheinbar war Madame auch viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, sodass sie ihn zuerst gar nicht richtig wahrnahm. Warum auch? Sie hatte ihn verflucht und sicherlich schon längst wieder vergessen. Allerdings blieb Antares ruhig stehen und wartete. So wie er seit vier Jahren eine verstärkt aufkommende Naschliebe für Milch entwickelte, war seine Geduld durch den felinen Fluch um einiges ausgeprägter geworden. Und dann kam er. Sein Moment des Triumphes. Antares hatte nicht damit gerechnet und schon gar nicht an diesem Abend. Aber nun war er da und der Dunkelhaarige kostete ihn in vollen Zügen aus. Damit hatte dieses Miststück nicht gerechnet. Mit einem selbstgefälligen, wenn auch nicht allzu übertriebenem Lächeln sah er seine Gegenüber an, der scheinbar erst mit Verspätung klar wurde, wen sie vor sich hatte. Ein einziges Nicken folgte, als er erkennen konnte, der Groschen war endlich gefallen. Oh ja, sie sah richtig. Die Selbstgefälligkeit wurde sogar noch etwas verstärkt, als auch er bemerkte, wie sehr sie sich zusammenreißen musste um hier drinnen keine Szene zu machen. Schade, er hätte gerne den Sicherheitsdienst gerufen um sie mit großem TamTam hinausbefördern zu lassen. Aber so blieb es eben bei seinem eigenen, kleinen Triumph. "Ach das war das brechende Geräusch gerade. Es war dein Stolz, der feststellte, du bist wohl doch nicht so mächtig, wie du immer dachtest." War ja nicht so, dass Antares auf den Mund gefallen wäre. Selbst wenn ein offener Schlagabtausch hier drinnen nicht möglich war, durfte man ja immerhin noch mit der Kundschaft 'reden'. "Bring deine Enttäuschung unter Kontrolle, hier drinnen ist deine Magie nicht gern gesehen." Ließ er sie kühl wissen. Und nein, das war kein freundschaftlicher Hinweis. Ihren neugierigen Blick ließ er gewähren. Kam schließlich nicht jeden Tag vor, dass sie ihrer eigenen Niederlage ins Gesicht blickte. Und natürlich klang ihre Bestellung daraufhin wie ein Befehl. Antares ließ sie gewähren. Noch zu berauscht von seinem eigenen Sieg, sollte sie sich ruhig damit zufriedenstellen, um sich zu keifen wie so ein kleiner Taschenhund, den die verwöhnten Ehefrauen hin und wieder mit hier reinschleppten. "Sehr wohl die Dame." Antares machte ihr übertrieben den Diener. Was Drinks angeht, konnte sie ihn nicht beleidigen. Also wandte er sich dem hinteren Bereich der Bar zu und begann die Zutaten in einen Cocktailshaker zu füllen. Während er die Eiswürfel abzählte, blickte er nochmal zur Hexe hinüber. Sie schien jemand ganz anderen interessant zu finden, weswegen er über seine Schulter in die entsprechende Richtung blickte. Er glaubte ihr Ziel zu erkennen und nahm sich vor, seinen Chef zu informieren, sollte Syrena hier irgend ein krummes Ding drehen wollen. Mr. Ashcroft war ein guter Kunde, soweit ihm bekannt war. Außerdem gab er hohes Trinkgeld, was seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellte. Doch so sehr er Vorurteile gerne schon als Grund anfügen würde, reichte das nicht aus und so blieb es dabei, dass er beobachten musste. Zehn Sekunden lang wurde der Shaker geschüttelt. Gekonnt aus dem Handgelenk, wobei Antares nochmal zu den Mitgliedern des Junggesellinnenabschieds sah und diese ihm kichernd zuwinkten. Mit einer kleinen Showeinlage, seihte er den Inhalt des Shakers in ein vorgekühltes Martiniglas und steckte zuletzt noch eine Limettenscheibe zur Garnitur an den Glasrand. Er könnte nun mit Magie dafür sorgen, dass Syrena beim Trinken des Glases ein gewissen Hochgefühl erlebte. Doch Antares unterließ es und reichte ihr den Drink rein mit seinem Können weiter. "Bitteschön, die Dame." Oh ja, er konnte sehr wohl auch eine gewissen Distanziertheit aufbauen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 01.09.2026 Der selbstgefällige Ausdruck in Antares’ Gesicht war bereits Grund genug, Syrenas mühsam wieder zusammengesammelte Beherrschung einer weiteren Belastungsprobe zu unterziehen. Dass er jedoch ausgerechnet ihren Stolz und ihre magische Stärke zum Gegenstand seiner ersten Spitze machte, ließ etwas Heißes unter ihrer Haut aufflammen. Zum Glück hatte sie heute genug Make-Up draufgelegt. Ihre Finger spannten sich einen Moment gegen die Kante des Tresens. Und dieses misslungene Häufchen magischer DNA-Ansammlung wagte es hinter seiner Hausfrauen-Theke tatsächlich, ihre Macht infrage zu stellen! Nicht irgendein Hexer, dessen Fähigkeiten sie vielleicht noch respektiert hätte. Antares. Der Mann, der überhaupt nur deshalb so selbstgefällig vor ihr stehen konnte, weil er seit vier Jahren offenbar beträchtliche Energie darauf verwendete, mit den Folgen ihrer Magie fertigzuwerden. Das war kein Sieg, sondern Schadensbegrenzung mit erstaunlich großer Klappe. Syrena hob mit unbewegter Miene lediglich eine Augenbraue. „Wenn das für dich bereits ein Sieg ist, habe ich deine Ansprüche offenbar überschätzt.“ Dass er anschließend auch noch meinte, ihre Selbstbeherrschung kommentieren und sie über die Gepflogenheiten des Clubs belehren zu müssen, setzte dem Ganzen die Krone auf. Sie war hier nicht zum ersten Mal! Für einen Augenblick kribbelte es wieder in ihren Fingern, und der ausgesprochen kindische Impuls, ihm allein aus Prinzip zu demonstrieren, wie wenig sie sich von ihm vorschreiben ließ, was sie mit ihrer Magie tat, war erschreckend verlockend. Ein plötzlich verrutschender Shaker, ein begossener Antares, dem die Kleidung am Leib klebte und die Flecken wohl nie wieder aus seinem gewöhnungsbedürftigen Hemd herausbekommen würde - herrlich! Ein versagender Barhocker, nichts Gefährliches, sondern lediglich lehrreich. Doch sie war nicht hier, um sich von Antares Lexington zu einer Szene provozieren zu lassen. „Wie rührend. Vier Jahre später sorgst du dich noch immer um meine Selbstbeherrschung.“ Ihr Mundwinkel hob sich um einen kaum sichtbaren Hauch. „Keine Sorge. Für dich würde ich meine Magie ohnehin nicht verschwenden.“ Sie hatte es damals für Amy getan. Nur für sie. Sein übertriebener Diener bekam daraufhin nicht einmal mehr eine Antwort. Syrena sah ihm mit immer noch leicht gehobener Braue zu und wandte sich schon wieder dem Raum zu. Wenigstens hatte das Katerchen in vier Jahren offenbar gelernt, Anweisungen entgegenzunehmen. Vielleicht war ihr Fluch pädagogisch betrachtet also doch noch wertvoller gewesen, als sie ursprünglich angenommen hatte. Ihre Aufmerksamkeit hätte damit wieder Gideon Ashcroft gehören können, wenn Antares nicht im nächsten Moment genau das getan hätte, wozu niemand ihn aufgefordert hatte: Er folgte ihrer Blickrichtung. Syrenas Augen verengten sich kaum merklich. Es war keine große Bewegung gewesen, nur ein Blick über die Schulter, aber ihr entging er nicht. Ob Antares lediglich neugierig geworden war oder Ashcroft tatsächlich kannte, ließ sich daraus nicht ablesen, und genau das störte sie. Sie ließ den eigenen Blick deshalb bewusst weiterwandern, streifte ein Paar an einem Tisch, den Eingang, zwei Männer in dunklen Anzügen und schließlich die ausgelassene Gruppe an der Bar, als hätte es nie einen bestimmten Punkt gegeben, auf dem ihre Aufmerksamkeit gelegen hatte. Natürlich. Der Auftrag hatte wie ein entspannter Nebenverdienst gewirkt. Ein bisschen beobachten, einen Namen mitnehmen, vielleicht ein Artefakt identifizieren und dafür absurd gut bezahlt werden. Nun fragte Syrena sich ernsthaft, ob ihre Abrechnung nicht um einen Zuschlag ergänzt werden sollte. Für besondere Belastungen. Oder schlicht für den Umstand, dass Antares Lexington ihr bereits nach wenigen Minuten gewaltig auf den Sack ging. Als hätte er sich vorgenommen, diesen Gedanken noch zu unterstreichen, schüttelte er ihren Cocktail mit jener Selbstverständlichkeit aus dem Handgelenk, die offensichtlich nicht nur der Zubereitung diente. Das Kichern von der Seite ließ Syrenas Blick zu den Weibern vom Junggesellinnenabschied gleiten, gerade rechtzeitig, um deren begeistertes Zuwinken mitzubekommen. Für einen Moment lag blanke Geringschätzung in ihrem Gesicht. Manche Männer wurden älter, andere perfektionierten lediglich dieselbe Vorstellung vor immer neuem Publikum. Offenbar hatte sich zumindest in dieser Hinsicht erschreckend wenig verändert. Die Weiber konnten einem beinahe leidtun. Beinahe. Als Antares ihr schließlich das Glas hinschob, blieb Syrenas Blick zunächst darauf liegen. Das vorgekühlte Martiniglas, die Farbe, die Limette am Rand – rein optisch gab es wenig auszusetzen. Das Problem stand hinter dem Tresen und hieß Antares Lexington. Ihre Finger schlossen sich deshalb nicht sofort um den Stiel. Vier Jahre waren eine lange Zeit. Er war ein Hexer und sie hatte ihn verflucht. Er hasste sie vermutlich mindestens annähernd so sehr, wie sie ihn hasste. Dass sie ihm zutraute, einem Drink irgendeine magische Gemeinheit beizumischen, war weniger Paranoia als gesunder Menschenverstand. Ihr Blick hob sich langsam zu ihm. Dann meldete sich ihr Stolz. Sie und Angst vor Antares Lexington? Ganz sicher nicht! Syrena griff nach dem Glas und nahm bewusst nur einen kleinen Schluck. Verdammt. Der Cosmopolitan war gut. Nicht gerade noch akzeptabel oder mit viel Wohlwollen trinkbar. Gut. Ausgewogen, sauber gemischt und genau so, wie sie ihn mochte. Ausgerechnet er! Syrena senkte das Glas wieder und betrachtete es, als hätte es sie persönlich enttäuscht, bevor ihre Augen zu Antares zurückkehrten. „Trinkbar. Offenbar gibt es doch etwas, das du kannst.“ Abgesehen davon, die Gefühle von Frauen mit deinen stillosen Schuhen zu zertrampeln. Darin bist du schließlich unübertroffen. Beim Absetzen des Glases fiel ihr Blick erneut auf den Anhänger an seinem Hals. Diesmal blieb er dort einen Moment länger. „Antares hatte gerade ausgesprochen selbstgefällig damit geprahlt, ihrem Fluch offenbar längst nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein, und plötzlich erschien die fremde Signatur des Schmuckstücks weniger nebensächlich. Vielleicht war seine derzeitige Erscheinungsform eben doch nicht ausschließlich das Resultat seines eigenen Könnens. Oder jemand hatte nachgeholfen. Etwas daran gefiel Syrena überhaupt nicht. Nicht, weil sie sich darum scherte, wie viel Zeit Antares auf zwei oder vier Beinen verbrachte, von ihr aus konnte er den Rest seines Lebens Fell aus seinen Polstern bürsten. Aber der Fluch war ihrer. Sie hatte ihn geschaffen und an ihn gebunden. Der Gedanke, dass irgendeine fremde Magie daran herumarbeitete, ging ihr entschieden gegen den Strich. Trotzdem fragte sie nicht. Noch wusste sie zu wenig, und Antares würde ganz sicher nicht erfahren, dass dieser Klunker inzwischen auch nur einen Funken ihrer Aufmerksamkeit verdient hatte. Eine Bewegung bei Ashcroft beendete den Gedanken. Der ältere Mann stellte sein Glas ab und richtete sich etwas auf. Seine bisher lässige Haltung war verschwunden, sein Blick wanderte zum Eingang. Syrena folgte ihm erst mit kurzer Verzögerung und entdeckte eine Frau Ende vierzig, die gerade den Club betreten hatte. Elegant, offensichtlich teuer gekleidet, aber nicht auf eine Weise, die hier besonders herausstach. Dunkles Haar rahmte ein attraktives, reifes Gesicht, entlang ihrer Schläfen zeichneten sich bei genauerem Hinsehen kleine hornartige Erhebungen ab, ihre Ohren liefen einen Hauch zu spitz aus und auf den Handrücken saßen feine stachelartige Auswüchse. Dämonisch, ohne es ausstellen zu müssen. Viel interessanter war das schmale schwarze Etui unter ihrem Arm. Die Fremde sah sich nicht suchend um, sondern steuerte ohne Zögern auf Ashcroft zu. Da bist du also. Syrenas Aufmerksamkeit schärfte sich augenblicklich. Name unbekannt. Verbindung zu Ashcroft unbekannt. Inhalt des Etuis ebenfalls unbekannt. Endlich wurde der Abend wenigstens beruflich interessant. Leider stand Antares noch immer viel zu nah. Syrena drehte den Kopf gerade weit genug in seine Richtung, um ihm einen kurzen Seitenblick zu schenken, ehe ihre Augen demonstrativ zu den kichernden Weibern hinüberwanderten. „Dein Publikum wartet.“ Geh weg. Kümmere dich um deinen Job. Hör auf, deine Nase in Dinge zu stecken, die dich nichts angehen. Sie nahm noch einen Schluck ihres ärgerlicherweise gelungenen Cosmopolitans und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ashcroft und die unbekannte Dämonin. Antares hatte für diesen Abend bereits mehr Raum bekommen, als Syrena jemals vorgesehen hatte. Und wenn er auch nur einen Funken Selbsterhaltungstrieb besaß, würde er sich damit zufriedengeben und abziehen. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 01.09.2026 Obwohl kein Tag verging, an dem sein Hass gegen Syrena nicht dadurch neu geschürt wurde, sobald er das Konterfei des Katers in einer Fensterscheibe oder einer Pfütze am Boden sah, hatte Antares doch tatsächlich beinahe vergessen wie sehr er diese Hexe tatsächlich verabscheute. Das aber wurde ihm nun wieder überdeutlich, als sie auf dem Hocker am Tresen vor ihm saß. Er wusste es war verboten aber so sehr sie ihre Magie unter Kontrolle halten musste und meinte, ihn mit irgend einem dämlichen Spruch von der Seite anmachen zu müssen, genauso kämpfte er dagegen an. Wie gerne hätte er dafür gesorgt, dass das durchaus teure Holz aus dem der Barhocker bestand den sie mit ihrer Anwesenheit entstellt, einen Herstellungsfehler besaß und es genau jetzt dazu kam, dass dieser seinen Tribut forderte. Was gäbe er dafür, in das verdutzte Gesicht der Brünetten zu blicken, wenn sie bemerkte, dass der Untersatz auf dem sie saß, nachgab und ihre dämliche Visage mit einer rasant schnellen Geschwindigkeit aus einem Blickfeld verschwand. Am besten machte ihr Kinn dabei noch Bekanntschaft mit der Platte des Tresens. Ach ja, die Versuchung war wirklich groß, doch Antares wollte diesen Job nicht verlieren. Obwohl es ihm vorher schon Freude bereitete, als Außenstehender die Leute zu beobachten und von ihnen Dinge zu erfahren, um die er gar nicht gefragt hatte, war das in diesem Club eine vollkommen andere Dimension. Die Informationen, die ihm hier zugetragen wurden, gingen weit darüber hinaus, ob der Ehemann nun seine Frau betrogen hatte oder diese das gemeinsame Konto überzog, weil sie kaufsüchtig war. Nein, er wollte definitiv hierbleiben und dann musste er leider auch seinen Wunsch zurückstellen, Syrena dorthin zu schicken, wo sie hingehörte. Ganz unten auf den Fußboden. Ihr Blick aber mit dem sie seinen Drink begutachtete, glich bereits wieder einen neuen Kampfansage. Als würde im Glas eine Schabe auf einem Surfbrett ihre Runden drehen. Vielleicht hätte er doch reinspucken sollen. Dies war zwar weit unter seiner Würde, aber diese opferte man doch gerne für eine kleine Genugtuung. So aber war er eben derjenige von ihnen beiden der professionell genug bleiben konnte und sie bekam nichts weiter als seine pure und reine Kunst, einen Drink zu mixen. Nämlich genau so wie dieser gehörte. Und ja, sie mochte ihm optisch vormachen wollen, dass der Cosmo ihr nur mittelmäßig schmeckte. Aber eines der vielen Dinge, die Madame nicht von ihm wusste, war sein Können die Gefühle anderer besser erkennen zu können als diese bereit waren, sie zeigen zu wollen. Und der Brünetten ging da soeben wahrlich einer ab, als sie den ersten Schluck kostete. Antares schmunzelte wissend, ohne sich jedoch allzu deutlich zu erkennen zu geben. Hatte er da etwa gerade eine Schwäche bei Miss Rührmichnichtan gefunden? Das sie den Drink mochte, war auf jeden Fall nun bei ihm abgespeichert. Vielleicht konnte er diese Information ein andermal erfolgreich gegen sie verwenden. Wie sie also behauptete, ihre Bestellung wäre trinkbar, schnaubte der Dunkelhaarige nur als Antwort. Sollte sie weiterhin in dem Glauben leben, ihn damit getroffen zu haben. Glauben hieß ja bekanntlich nichts wissen. Wie sie aber für einen Moment, der zu lange dauerte um Zufall zu sein, ihren Blick nicht von seiner Brust, oder betrachtete sie etwa seine Kette etwas genauer? nehmen konnte, zog der Hexer eine Augenbraue nach oben. "Gefällt dir was du siehst?" Er machte sich nichts vor. Selbst wenn sie einige Jahre jünger war als er, bewies sie mit dem Fluch doch, über welches Können sie verfügte. Nicht, dass er sie dafür bewundern würde oder auch nur einen Hauch von Respekt aufbringen konnte. Aber es war eine Tatsache, die man leider nicht außer Acht lassen durfte. Und zu glauben, sie würde die Magie nicht spüren, welche in dem dunklen Stein eingeschlossen war, wäre nicht nur fahrlässig sondern schlichtweg dumm. Natürlich gefiel es ihm nicht, auf die Hilfe eines anderen Hexers oder einer Hexe zurück greifen zu müssen. So genau ins Detail war Mammon damals nicht gegangen, als er ihm die Kette überreichte. Jedes Mal, wenn er die zusätzliche Magie in Anspruch nahm, nagte das an ihm. Aber er schluckte diesen Frust hinunter. Die Tatsache, dass er sich damit wenigstens zeitweise in seine ursprüngliche Erscheinung zurück verwandeln konnte, war was zählte. Sicherlich hätte er auch seine Großmutter oder besser noch seine einflussreiche Verwandtschaft um Hilfe bitten können. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er das tat, war genauso groß wie sein Wunsch, Syrena einen Zungenkuss zu geben. Nicht vorhanden. Und so blieb es dabei, dass er tagein tagaus auf die Hilfe eines Unbekannten angewiesen war und sich damit um ein weiteres Mal durch einen Gefallen an seinen Boss band, doch alleine der verdatterte Blick der Rothaarigen als sie ihn soeben wiederkannte und war er noch so kurz, war all das wert. Da er aber tatsächlich nicht nur hier war um die schreckliche Gesellschaft von Syrena ertragen zu müssen, griff er nach einem Tuch um ein Stück neben der Hexe den Tresen abzuputzen. Beinahe zeitgleich mit ihr, erkannte auch er die neue Besucherin des Clubs. Nicht nur, weil einige andere Gäste ihr respektvoll den Weg freimachten und ihr auswichen, als sie näher kam. Antares wusste ganz genau, wer nun erschienen war. Er wusste es so genau, dass er einen Moment in seiner Tätigkeit innehielt. Nicht lange genug, dass es auffiel, aber jemandem, der möglicherweise über eine minimale Auffassungsgabe besaß und sich dafür interessierte, konnte daraus seine Schlüsse ziehen. Nach der kurzzeitigen Unterbrechung, nahm der Dunkelhaarige zwei Gläser herunter und stellte sie in die Spüle. Die Tatsache, dass Syrena ihn loswerden wollte und ihr Blick sich auf die gerade erschienenen Dämonin haftete könnte ihm eigentlich am Allerwertesten vorbei gehen. Aber wie hieß es so schön? Katzen spielten so gerne mit ihrer Beute. "Nicht, dass ich dir eine Träne nachweinen würde, wenn man dich in deine Einzelteile zerlegt irgendwo am Straßenrand findet. Aber ich würde dem Reinigungspersonal gerne ersparen die Sauerei wegmachen zu müssen, wenn du ihr negativ auffällst." Ein kurzes Zucken mit den Schultern, ein angedeuteter Wink in die Richtung der Dämonin und der Köder war ausgelegt. Denn ja, Antares wusste, um wen es sich handelte und die Tatsache, dass er keinen flotten Spruch drauf hatte, sondern sich stattdessen daran machte, einen weiteren Shaker vorzubereiten in den ein paar andersartige Zutaten wanderten, als eben noch in Syrenas Bestellung, war wohl Beweis genug. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 01.09.2026 „Dich? Überschätze dich nicht.“ Syrenas Antwort kam so trocken, dass sie selbst beinahe zufrieden mit ihr gewesen wäre, hätte Antares’ hochgezogene Augenbraue nicht schon wieder diesen unerträglich selbstgefälligen Eindruck vermittelt. Natürlich musste dieses aufgeblasene Katerchen aus einem Blick auf seinen Anhänger gleich schließen, dass sie sich für ihn interessierte. Dabei war es ausschließlich die Magie gewesen, die ihre Aufmerksamkeit überhaupt länger als nötig an seiner Brust gehalten hatte. Diese spürte sie jetzt deutlicher, da sie darauf achtete: Fremd, in dem dunklen Stein gebunden und keineswegs so belanglos, wie sie den Klunker zunächst hatte abtun wollen. Was genau darin steckte, konnte Syrena jedoch nicht sagen, wohl aber, dass er mehr war als hübsche Dekoration. Ihr Blick glitt trotzdem demonstrativ zurück zu seinem Gesicht. Dass der Mistkerl ausgesprochen gut geraten war, änderte daran nichts. Antares Lexington konnte heiß aussehen und trotzdem der letzte Mann auf Erden sein, den sie freiwillig auch nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Beides ließ sich erstaunlich problemlos miteinander vereinbaren. „Wenn mir gefallen soll, was ich sehe, schaue ich lieber in mein Glas.“ Dass sein Schnauben auf ihr Urteil über den Cosmopolitan von diesem wissenden Schmunzeln begleitet wurde, gefiel ihr dagegen überhaupt nicht. Syrena nahm noch einen kleinen Schluck und musterte ihn dabei über den Rand hinweg. Was grinste der Idiot jetzt schon wieder?! Er konnte sich ja schlecht ernsthaft einbilden, sie hätte ihm gerade einen Orden für besondere Leistungen hinter der Hausfrauen-Theke verliehen. Das Urteil "Trinkbar" war schließlich kaum überschwängliche Begeisterung. Dass sie trotzdem erneut trank, ging ihn schließlich überhaupt nichts an. Und wenn doch, würde sie notfalls behaupten, dass der Drink für seine Verhältnisse schlicht zu teuer gewesen sei, um seinen Inhalt ungenutzt stehenzulassen. Denn Geiz war durchaus ein Laster der dunklen Hexe, obwohl sie dies eigentlich überhaupt nicht nötig hatte. Ihre Aufmerksamkeit verschob sich erst wieder, als Antares beim Anblick der unbekannten Dämonin für einen kaum messbaren Moment innehielt. Syrena hätte es vielleicht übersehen, wenn sie nicht ohnehin gerade jeden noch so kleinen Hinweis rund um Ashcrofts Kontaktperson aufsog. So aber blieb ihr das kurze Stocken nicht verborgen. Erst hatte Antares Ashcroft angesehen, jetzt reagierte er auf die Frau. Er kannte sie vermutlich. Vielleicht nicht persönlich, aber offensichtlich gut genug, dass ihr Erscheinen selbst ihn für einen Augenblick aus seinem routinierten Ablauf brachte. Großartig. Jetzt war das Katerchen nicht nur lästig, sondern möglicherweise auch noch hilfreich. Der Abend entwickelte wirklich einen ausgesprochen schlechten Sinn für Humor. Seine anschließende Warnung machte es nicht besser. Syrenas Braue hob sich erneut, diesmal allerdings weniger spöttisch als prüfend. Antares’ Ton hatte sich verändert. Kein lockerer Spruch, kein kindischer Versuch, sie möglichst kreativ zu beleidigen. Was er über die Dämonin sagte, meinte er offenbar ernst. Ach komm! Als müsste ausgerechnet Antares Lexington ihr erklären, wann jemand gefährlich war. Ein Teil von Syrena hätte seine Worte am liebsten schon aus Prinzip ignoriert. Der andere, beruflich deutlich vernünftigere Teil speicherte sie trotzdem ab. Man wurde nicht lange genug für Wolfram & Hart tätig, indem man Warnungen nur deshalb verwarf, weil einem der Überbringer gewaltig auf die Nerven ging. Sie lehnte sich ein wenig zurück und ließ das Glas locker zwischen ihren Fingern ruhen, bevor sie beinahe divenhaft ihre Beine übereinanderschlug. „Ich bitte dich. Du bist das beste Beispiel dafür, dass man mich lieber nicht unterschätzen sollte.“ Ja, das wusste er doch noch zu gut! Und wenn nicht, konnte sie sein Gedächtnis mit Sicherheit auffrischen. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie brauchte weder seinen Schutz noch seine Warnungen. Schon gar nicht seine. Und trotzdem blieb dieses kleine, höchst lästige Wissen bestehen, dass Antares gerade möglicherweise über Informationen verfügte, die ihr selbst fehlten. Also tat Syrena das, was sie am besten konnte: Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie etwas von ihm wollte. „So ernst? Ich dachte schon, du hättest sämtliche Überlebensinstinkte zusammen mit deinem guten Geschmack verloren.“ Nach einer Weile legte sie den Kopf ein wenig schief und betrachtete ihn mit jenem Blick, der gleichermaßen gelangweilt wie herausfordernd wirken konnte. „Aber zum ersten Mal heute klingst du, als wüsstest du tatsächlich, wovon du sprichst.“ Der Köder lag damit aus. Wenn Antares’ Ego noch immer auch nur annähernd so ausgeprägt war wie früher, musste sie lediglich abwarten, ob er freiwillig anbiss. Syrena widerstand der Versuchung, direkt nach dem Namen der Dämonin zu fragen. Zu offensichtlich, zu viel Interesse. Und ganz sicher würde sie ihm nicht das Vergnügen bereiten, ihn um etwas zu bitten. Stattdessen beobachtete sie beiläufig seine Hände, als er den nächsten Shaker vorbereitete. Die Zutaten unterschieden sich deutlich von jenen, die eben noch in ihrem Cosmopolitan gelandet waren. Syrena ließ sich nichts anmerken, während sich die nächste Schlussfolgerung beinahe von selbst ergab. Er kannte nicht nur ihr Gesicht. Er kannte offenbar sogar ihre Bestellung. Oder zumindest wusste er, was man ihr servierte. Vielleicht war sie Stammgast. Vielleicht verlangte ihre dämonische Natur etwas Spezielleres. Vielleicht war es auch nur eine persönliche Vorliebe. Noch wusste Syrena zu wenig, um sich festzulegen, aber eines stand inzwischen fest: Antares war für ihren Auftrag plötzlich wesentlich relevanter geworden, als ihr lieb war. Am Tisch hatte die Dämonin Ashcroft inzwischen erreicht. Syrena beobachtete sie nur aus dem Augenwinkel, während sie scheinbar viel zu sehr mit ihrem Drink und dem Barkeeper beschäftigt war. Die Begrüßung verriet zunächst wenig. Kein überschwängliches Wiedersehen, aber auch keine Unsicherheit zwischen Fremden. Das schwarze Etui blieb vorerst bei der Frau, eng an ihrem Körper, während Ashcroft spürbar aufmerksamer geworden war. Noch keine Übergabe. Weder ein geöffnetes Etui noch ein Blick auf dessen Inhalt. Gut. Sie hatte also noch etwas Zeit. Und ausgerechnet das Gespräch mit Antares bot ihr plötzlich eine hervorragende Tarnung dafür. Eine Frau, die an der Bar saß, ihren Cosmopolitan trank und sich mit dem Barkeeper unterhielt, fiel deutlich weniger auf als jemand, dessen Aufmerksamkeit permanent an einem Tisch hing. Bleib noch fünf Minuten hier und sei ausnahmsweise nützlich, dachte sie. Allein der Gedanke fühlte sich falsch an. Wolfram & Hart schuldete ihr aber sowas von einen Zuschlag! „Und trotzdem lässt man sie hier offenbar unbehelligt ein und aus gehen.“ Syrenas Ton klang nun beinahe belustigt, während sie einen kurzen Blick in Richtung der Dämonin warf. „Hat Mammon keine Sorge, dass sie dabei sein Inventar oder gleich einen seiner Gäste zerlegt, wenn sie so gefährlich ist? Dreck zu beseitigen kann teuer sein.“ Sie bedachte Antares mit einem sarkastischen Seitenblick. Dass sie dabei auch Mammon ein wenig auf die Schippe nehmen konnte, machte die Sache wenigstens erträglicher. Ihr Verhältnis zum Hausherrn war schließlich ebenfalls weit davon entfernt, von gegenseitiger Zuneigung geprägt zu sein. Dann glitten ihre Augen erneut zu dem Shaker und den fremdartigeren Zutaten, die Antares darin verschwinden ließ. Diesmal ließ Syrena ein kleines, vielsagendes Lächeln zu. „Ah, ich sehe, sie bekommt also etwas anderes als der gewöhnliche Pöbel.“ Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Cosmopolitans und sah anschließend wieder scheinbar beiläufig durch den Club. Nach außen blieb es nichts weiter als bissiger Smalltalk mit einem Barkeeper, den sie offensichtlich nicht ausstehen konnte. Innerlich wartete Syrena längst darauf, ob das Katerchen endlich etwas wirklich Brauchbares ausplauderte. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 01.09.2026 Ach es war so ein schönes Gefühl, wenn seine Gegenüber sich wand, wie eine Ameise im Lichtschein eines Vergrößerungsglases. Ihr Blick sagte ihm, sie wusste, was er wusste. Oder glaubte zumindest, es zu wissen. Aber bevor man jemanden ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne dessen Argumente zu hören, verfluchte, sollte man sich vielleicht doch ein klein wenig über denjenigen informieren. Nicht, dass er Syrena damals auch nur mit einem Wort erklärt hätte, warum er das tat, für was er sich bis in alle Tage hassen würde. Mehr noch, nachdem er nun wusste, was aus Amy geworden war. Kurzzeitig legte sich ein dunkler Schatten über seinen Blick, der nicht einmal vom gedämpften Licht des Clubs verdeckt oder damit erklärt werden konnte. Jeder einzelne Gedanke an seine einstige Liebe tat weh. Das Gefühl, jemand erdolchte ihn von hinten mitten ins Herz war in den vier Jahren nicht weniger geworden. Allerdings war jetzt weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit, geschweige denn auch nur annährend die richtige Gesellschaft um über so etwas zu sprechen. Das war und blieb sein ganz eigenes Leid und den Fluch den er dafür auferlegt bekam, hatte er bis zu einem gewissen Punkt sogar verdient. Was nicht bedeutete, dass er ihn akzeptierte. Er musste, doch dagegen rebellieren, war sein neuer Lebensinhalt geworden. Und alleine der winzige Moment des Triumphes, als sie ihre Niederlage erkannte, weil er hier vor ihr stand und ihr nicht als vierbeiniges Wesen um die Füße schnurrte, (wobei er ihr eher auf die Designerschuhe brechen würde) war all den bisherigen Aufwand wert. Natürlich stritt sie es ab, auch nur das geringste Interesse an ihm zu haben, bei ihrer Bemerkung musste er jedoch wieder lachen. Er stellte sich gerade vor, wie sie ihre Spiegelung in ihrem Getränk anhimmelte. "Das sagt mir, du kannst Leid sehr gut ertragen." Um sich aber tatsächlich nicht noch mehr zu verraten und vor allem, sich nicht den Magen zu verderben, wenn er noch etwas genauer auf die Gefühlswelt der Zicke einging, die da auf dem Barhocker saß, wandte er sich wieder seiner eigentlichen Arbeit zu. Immerhin war er ja auch deswegen hier. Das Erscheinen der Dämonin jedoch verschob die Realität ein klein wenig und es galten mit einem Mal andere Prioritäten. Das Syrena seine Warnung, die ein einziges Mal nicht gänzlich dafür gedacht war, sie auf Abstand zu halten und in ihre Schranken zu weißen, selbstredend nicht ernst nahm, entlockte ihm nur ein Hochziehen der Schulter. "Ich werde mir in den Finger stechen um auf deiner Beerdigung ein halbwegs trauriges Gesicht machen zu können." Doch damit nicht genug. Sie konnte ihre Niederlage nicht anerkennen und trat sogar nochmal nach. Erneut schnaubte er belustigt. "Dein kleines Geschenk vor vier Jahren hat nichts daran geändert, das ich all das, was mir gegeben wird, in vollen Zügen genieße. Momentan ist es die Tatsache, dass ich wirklich weiß, wer da gerade herein gekommen ist. Und du scheinbar nicht. Aber du bist aber ja angeblich diejenige von uns Beiden die sich für so viel besser hält als alle in ihrer Umgebung." Er machte einen Wink in Richtung der Dämonin. "Have fun!" Dieser Schuss war daneben gegangen. So sehr er Syrena auch auf den Mond wünschte oder besser gesagt in dessen Planetenkern, so wichtig und bedeutsam war ihm sein Job. Also ignorierte er alle weiteren Sticheleien der Jüngeren, sah nur nochmal kurz zu der Dämonin, die sich weiterhin ihren Weg durch den Club bahnte, als würde er ihr gehören und machte sich daran, ihren Drink zu mischen. Nachdem ein paar harmlosere Zutaten in den Shaker wanderten, konnte Syrena und jede in der Nähe anwesende Hexe mitbekommen, wie Antares einen Sichtschutz hochzog. Die kichernden Mitglieder des Junggesellenabschiedes mussten das nicht sehen. Deren Eltern gehörten sicherlich zu der Spitze der Nahrungskette, aber sie mussten nicht alles wissen. Und auch so manch anderer Besucher sollte nicht unbedingt jedes Detail mitbekommen. Für die Brünette jedoch war es ein Leichtes durch den magischen Schleier zu blicken, sollte ihre Neugier zu groß sein. Nach außen hin arbeitete Antares vollkommen normal weiter, allerdings wurde der Eidechsenkopf, den er soeben aus einem Fach neben den normalen Eiswürfeln nahm durch den Zauber verschleiert. Genauso wie das Horn eines Einhorns, von dem er mit einer Raspel etwas in den Shaker gab. Zudem konnte man mit magischem Blick erkennen, dass der Barkeeper die ganze Zeit einen Zauberspruch wiederholte. Zu guter Letzt, bückte sich der Dunkelhaarige, öffnete mit einem Zauber ein Schubfach im unteren Bereich und holte eine Phiole mit einem roten, zähflüssigen Inhalt heraus. Davon gab er nur einige Tropfen in den Shaker und verschloss alles im Anschluss wieder sorgfältig. Hier war kein Anfänger am Werk. Antares wusste genau, was er tat. Eine Handbewegung folgte, die den zusammengemischten Inhalt im Behältnis in einem grellen Orange aufleuchten ließ, von dem außerhalb der Schutzbarriere nicht zu sehen war. Erst, als der Hexer den Deckel aufsetzte und den Shaker, dieses Mal auf eine ganz andere Weise aber für ein unwissendes Auge einfach nur auf und ab schwenkte, erlosch die Barriere und alles war wie immer. Naja fast, gäbe es da nicht so ein quakendes Geräusch von der Seite. Cool und gelassen lehnte Antares sich mit der Hüfte gegen den hinteren Teil der Bar und schüttelte weiter. Langsam, bedacht. "Wirklich rührend von dir, dass du dir über den Geschäftssinn meines Chefs Gedanken machst. Ich werde es ihm auf eine Klopapierrolle schreiben und ihm beim nächsten Teammeeting zukommen lassen." Sein Blick ging verächtlich zu der Sprecherin. "Es gibt nicht viele Gäste, ehrlich gesagt habe ich hier drinnen seit ich hier arbeite noch nie jemanden gesehen, der so dämlich ist, die Dämonin offen anzugehen. Aber hey, es muss immer mal ein loses Ende in der Evolution geben, welches keine Überlebenschancen hat." Er sah kurz zu Syrena hinüber, bevor er den Inhalt seines Shakers in ein blickdichtes Gefäß umfüllte und einer Bedienung aufs Tablett stellte, die gerade vorbei kam, als wäre dies ein perfekt einstudierter Tanz. Im Anschluss daran, räumte er den Shaker beiseite und sah nur nochmal einige lange Sekunden zu Syrena hinüber, die sich gerade die größte Mühe gab, ihn aus der Reserve zu locken. Aber wenn sie den Antares von damals erwartete, würde sie vielleicht sogar zum zweiten Mal an diesem Abend überrascht werden. "Deine Beobachtungsgabe ist phänomenal." Und damit wandte er ihr die kalte Schulter zu. Schließlich hatte sie ihn vor einigen Minuten ja schon drauf aufmerksam gemacht, dass sein Publikum wartete. Und daher wandte er seine Aufmerksamkeit wieder der kleinen Frauengruppe zu. Auf die Frage, ob er ihnen auch so etwas mixte, lachte Antares geschäftsmäßig und versprach, ihnen stattdessen etwas viel besseres zu machen. Zu wissen, dass da auf der anderen Seite gerade jemand unbedingt mehr von ihm wissen wollte, dies aber nicht erreichte, war ein sehr befriedigendes Gefühl. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 02.09.2026 Für einen kaum greifbaren Augenblick veränderte sich etwas in Antares’ Gesicht. Syrena hätte es vermutlich übersehen, hätte sie ihn nicht ohnehin mit jener besonderen Aufmerksamkeit betrachtet, die Menschen zuteilwurde, denen sie am liebsten gleichzeitig widersprechen und etwas an den Kopf werfen wollte. Etwas Großes, Schweres und vor allem Hartes. Der selbstgefällige Ausdruck war fort, ersetzt durch etwas Dunkleres. Da war etwas gewesen. Vielleicht hatte eine ihrer Spitzen tatsächlich getroffen. Die Vorstellung war befriedigend, doch ehe sie sich daran erfreuen konnte, war der Moment verschwunden. Und sie hatte weder Zeit noch Interesse daran, Antares Lexingtons Seelenleben zu sezieren. Sein anschließendes Lachen und die Bemerkung darüber, dass sie Leid offenbar besonders gut ertragen konnte, entlockten ihr dagegen ein kaum merkliches Zucken des Mundwinkels. Nicht, weil der Spruch sie getroffen hätte. Dafür mochte Syrena sich selbst entschieden zu gern. Aber vollkommen erbärmlich war er zumindest nicht gewesen. Na bitte. Vier Jahre auf vier Pfoten hatten seinen Wortschatz offenbar doch nicht vollständig ruiniert. Weniger amüsant wurde es, als Antares ihren Fluch als sein kleines Geschenk bezeichnete. Syrenas Augen verengten sich minimal. Seine Worte änderten nichts an dem, was sie bereits gespürt hatte: Die fremde Magie in seinem Anhänger war real. Vielleicht hatte er sich Unterstützung verschafft, ihrem Zauber zeitweise zu widerstehen. Das machte ihren Fluch noch lange nicht schwach. Viel lästiger war ohnehin der Rest seiner Aussage. Er wusste, wer die Dämonin war. Und inzwischen wusste er genauso gut, dass Syrena es nicht wusste. Wie reizend. Jetzt wusste der Kater auch noch, dass er etwas wusste, das sie wissen wollte. Ihr Lächeln wurde schmaler. Wenn er jetzt noch selbstgefälliger wurde, musste sie überprüfen, ob menschliche Schädel wirklich so stabil waren, wie medizinische Lehrbücher behaupteten. Rein theoretisch selbstverständlich. Noch. Als er behauptete, sie hielte sich angeblich für besser als alle in ihrer Umgebung, hob Syrena lediglich eine Braue. „Angeblich?“ Wenn er schon versuchte, sie zu beleidigen, konnte er wenigstens bei den Tatsachen bleiben. Sein „Have fun“ beantwortete sie nicht mehr. Dafür veränderte sich beinahe zeitgleich die Magie hinter dem Tresen. Der Schleier war subtil, für Syrena jedoch sofort spürbar. Natürlich sah sie hindurch, ohne den Zauber zu brechen oder auch nur anzutasten. Hinter der harmlosen Cocktailzubereitung kamen deutlich speziellere Zutaten zum Vorschein. Ein Eidechsenkopf verschwand im Shaker, danach raspelte Antares etwas von einem Einhornhorn ab, während sich seine Lippen in einem kaum hörbaren Zauberspruch bewegten. Als er eine Schublade magisch öffnete und eine Phiole mit zähflüssigem roten Inhalt hervorholte, blieb Syrenas Aufmerksamkeit daran hängen. Was zur Hölle war das? Nur wenige Tropfen landeten in der Mischung, bevor diese grellorange aufleuchtete. Das eigentlich Ärgerliche daran war nicht einmal, was er dort zusammenmischte. Das Ärgerlichste war, dass der Mistkerl offensichtlich genau wusste, was er tat. Kein Zögern, keine Unsicherheit. Der Zauber saß, die Dosierung ebenfalls. Syrena kannte genug schlechte Hexer, um Kompetenz zu erkennen, wenn sie sie sah, und ausgerechnet Antares diese zugestehen zu müssen, fühlte sich beinahe wie eine persönliche Beleidigung an. Natürlich musste er ausgerechnet darin gut sein. Was genau dieser eigenartige Cocktail allerdings bewirken sollte, blieb selbst der dunklen Hexe verborgen. Seine nächste Bemerkung lieferte ihr dafür etwas Brauchbareres. Seit er hier arbeitete, hatte er offenbar noch niemanden erlebt, der dumm genug gewesen war, diese Dämonin offen anzugehen. Die Frau war bekannt. Ihre Gefährlichkeit ebenfalls. Selbst in einem Club wie diesem schien niemand darauf erpicht zu sein, sie herauszufordern. Wie reizend. Eine wandelnde gesellschaftliche Sperrzone. Angst löste das in Syrena nicht aus. Aufmerksamkeit schon. Ihr Auftrag lautete beobachten, nicht konfrontieren. Als Antares ihr anschließend mit „Deine Beobachtungsgabe ist phänomenal“ die kalte Schulter zeigte, sah Syrena ihm einen Moment hinterher, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, ihn zurückzurufen. Das fehlte noch! Sollte er ruhig glauben, er hätte gewonnen, weil er ihr den Namen vorenthielt. Tatsächlich hatte er längst mehr verraten, als ihm vermutlich bewusst war: Er kannte nicht nur die Frau, sondern offenbar auch ihre Gewohnheiten gut genug, um ihre Bestellung ohne Nachfrage vorzubereiten. Sollte er ruhig glauben, er hätte ihr nichts gegeben. Dass er sich demonstrativ wieder den Frauen widmete, änderte daran nichts. Syrena hatte längst genug von seinem Bedürfnis gesehen, sich vor Publikum aufzuspielen. Wenn er glaubte, dieses Theater würde sie unruhig machen, kannte er sie schlechter, als sie gedacht hatte. Die Bedienung mit dem blickdichten Gefäß kam kaum weit. Die Dämonin löste sich bereits von Ashcrofts Tisch und bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit durch den Raum, als gehörten ihr der Weg und alle, die ihn freimachten. Niemand musste ihr etwas bringen, sie kam selbst. An der Theke griff sie nach dem für sie bestimmten Gefäß, ohne den Eindruck zu erwecken, eine Erlaubnis jemals nötig zu haben. Plötzlich stand die Frau, vor der Antares sie nun zweimal gewarnt hatte, unmittelbar neben ihr. Syrena wich keinen Zentimeter zurück. Lediglich ihre Haltung wurde kontrollierter, ihre Aufmerksamkeit messerscharf. Ihre Magie blieb dicht unter der Oberfläche, unangetastet, aber bereit. Während die Dämonin ihren Drink an sich nahm, glitt etwas Kleines über die Theke und blieb vor Syrena liegen. Eine Münze, kaum zwei Zentimeter im Durchmesser, unscheinbar genug, dass jeder gewöhnliche Beobachter sie für wertlos gehalten hätte. Syrena nicht. Noch bevor ihre Finger sie berührten, spürte sie die Magie darin. Keine bloß gebundene Kraft wie bei einem Amulett, sondern eine feine Resonanz, als wäre das Metall auf etwas Bestimmtes ausgerichtet. Syrena ließ die Münze unter ihrer Hand verschwinden und steckte sie ein, ohne eine Frage zu stellen. Warum zur Hölle gab diese Frau ausgerechnet ihr das Ding, das Ashcroft offenbar nicht bekommen sollte? „Ashcroft hat entdeckt, dass sich Potential besser verkauft, bevor es ausgewachsen ist.“ Syrena sah die Dämonin aufmerksam an. Potential, junges Potential also. Dämonen vielleicht, noch nicht ausgereifte Kräfte, seltene Begabungen. Alles davon passte problemlos in die Art von Geschäft, die Männer wie Gideon Ashcroft betrieben. Die Dämonin prostete ihr zu, was offensichtlich Teil ihrer Tarnung war. „Das letzte Ziel hätte eigentlich morgen wieder zur Schule gemusst.“ Syrena prostete ebenfalls und nippte an ihrem Cosmo. Nicht irgendein junger Dämon. Ein Kind. „Das Mädchen ist zwölf.“ Zwölf. Hörbar schluckte Syrena ihren Cosmo herunter, doch äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, obwohl die Zahl sich in ihrem Kopf festfraß. Moment! Zwölf war zunächst eine Information, ein Fakt innerhalb eines Auftrags, der gerade deutlich komplexer geworden war. Sie arbeitete nicht für eine Wohltätigkeitsorganisation und hatte nie behauptet, moralisch besonders sauber zu sein. Menschen benutzten andere Menschen. Dämonen taten es ebenfalls. Macht wurde verkauft, gestohlen oder aus Dingen gewonnen, über die vernünftige Leute lieber nicht nachdachten. Auch Syrena selbst hatte Grenzen überschritten, bei denen andere vermutlich längst moralische Reden gehalten hätten. Das allein beeindruckte sie also nicht. Und trotzdem ließ sich dieses verdammte zwölf nicht so glatt zwischen den übrigen Informationen verstauen, wie sie es gern gehabt hätte. Was sie störte, war die unangenehme Konkretheit der Zahl. Zwölf ließ sich nicht hinter Begriffen wie Potential, Ware oder Ziel verstecken. Zwölf hatte Schulunterricht, Geburtstage und wahrscheinlich Eltern, die nicht wussten, mit wem Ashcroft Geschäfte machte. Oder sogar Eltern, die genau wussten, wie lukrativ ihr eigenes Fleisch und Blut sein konnte. Syrena kannte sämtliche Schlechtigkeiten dieser Welt, denn sie war ein Teil davon. Genau das machte die Information jedoch lästiger, als sie sein sollte. Die Dämonin wandte ihren Kopf in Antares’ Richtung. „An deiner Stelle würde ich deine Freundin nicht allein mit Ashcroft gehen lassen.“ Syrena hatte gerade erneut an ihrem Cosmopolitan angesetzt und verschluckte sich beinahe. Gerade so bekam sie den Schluck noch hinunter und stieß lediglich ein winzig kleines, leises Husten aus. Seine was?! Sie setzte das Glas mit etwas mehr Nachdruck ab als nötig und drehte den Kopf zu Antares. „Ich bin vieles, aber garantiert nicht SEINE Freundin!“ Die Betonung auf dem letzten Wort ließ keinerlei Zweifel daran, wie absurd allein der Gedanke in ihren Augen war. Ausgerechnet Antares. Irgendwo mussten selbst Beleidigungen Grenzen haben. So funkelte sie die Dämonin giftig an, die sich davon jedoch so gar nicht beeindrucken ließ. Denn damit schien für die ältere Dame alles gesagt zu sein. Sie nahm ihren Drink und entfernte sich wieder von der Theke, während Syrena mit einer kleinen Münze, einer deutlich größeren Informationslücke und ausgerechnet Antares Lexington zurückblieb. Das war also ihr Auftrag gewesen? Ashcroft beobachten, seinen Kontakt identifizieren, möglicherweise ein Artefakt erkennen. Oder hatte sich dieser Auftrag gerade verselbständigt? Was wusste Wolfram & Hart bereits? Was hatte man ihr vielleicht bewusst nicht gesagt? Und galt weiterhin dieselbe Anweisung? Ja. Sie war hier, um Ashcroft zu beobachten. Also würde sie Ashcroft beobachten. Vorerst. Sie würde nicht mitten in einem Club irgendeine impulsive Rettungsmission starten, nur weil eine gefährliche Dämonin ihr drei Sätze und eine Münze zugeschoben hatte. Dafür war sie weder naiv noch dumm. Nur dass zwischen all den professionellen Überlegungen weiterhin eine Zahl saß, die sich hartnäckig weigerte, wieder zu verschwinden. Zwölf. Syrenas Finger schlossen sich für einen Moment um die kleine Münze in ihrer Tasche. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ashcroft. Was auch immer hier gerade passiert war, er blieb der Mittelpunkt ihres Auftrags. Erst danach sah sie noch einmal zu Antares hinüber. Eine hochgefährliche Dämonin hatte sie gerade praktisch zu einem unfreiwilligen Team erklärt, und vermutlich würde der Kater allein deswegen schon unerträglich werden. Der Abend entwickelte wirklich einen immer schlechteren Sinn für Humor. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 02.09.2026 Für den Moment war es wohl wirklich das Beste, wenn die beiden Kontrahenten ihre Wege gingen. Immerhin hatte Antares einen Job zu erledigen und Syrena, nun außer aussehen wie eine griechische Statue die sich aus irgend einem Grund in den Club verirrte, machte sie wohl nicht allzu viel mehr her. Mit den Mitgliedern des Junggesellenabschieds zu witzeln war nun nicht unbedingt erfüllender, aber einfacher. Die Kundschaft bei Laune halten war auch eine seiner Aufgaben. Ein Mann kam an die Theke, den Antares optisch auch irgendwohin zuordnen konnte aber auf Anhieb keinen Namen wusste. Er bestellte aber noch nichts und sah sich suchend um. Er schien auf jemanden zu warten und der Dunkelhaarige würde ihm ein paar Minuten geben, bevor er ihn ansprach und ihn darauf hinwies, dass dies keine Wartehalle im Bahnhof war. Obwohl er der Hexe in seinem Rücken keinerlei Beachtung mehr schenkte, beschäftigte Antares dieses Aufeinandertreffen immer noch. Das würde es auch noch für den restlichen Abend und auch noch darüber hinaus. Das hier war eine große Stadt, warum in Dreiteufelsnamen musste sie ausgerechnet hierher kommen? Naja, die Antwort war klar, es war die angesagteste Location der Stadt und irgendwann musste sie ihre gepuderte Nase ja mal hier reinstecken. Aber hätte das nicht an seinem freien Tag sein können? Antares aber nahm sich vor, dieser Begegnung nicht mehr Beachtung zu schenken, als es ohnehin schon geschehen war. Den Fluch auflösen würde diese herzlose Person nicht und irgend etwas anderes wollte er von ihr nicht. Manche Begegnungen waren einfach überflüssig und diese mit Syrena gehörte dazu. Und doch war da immer noch der Wunsch sie zu packen und mit voller Wucht gegen eine der Hauswände draußen zu drücken. Sie so lange zu schütteln, bis ihr die angezauberten Wimpern abfielen und sie damit wenigstens ein klein wenig spüren zu lassen, was sie ihm mit dem Fluch angetan hatte. Aber andererseits... Es hätte keine Erfolgsaussichten. Alles was er ihr damit gab war die Genugtuung ihn nach all den Jahren immer noch zu demütigen. Und wenn er auch sonst nicht viel ausrichten konnte, das zu verhindern war er sehr wohl in der Lage. Sollte sie doch denken was sie wollte. Fakt war, sie wusste nun, er hatte ein Schlupfloch in ihrem Fluch gefunden. Sie und ihr Zauber war nicht perfekt und das alleine sollte ihm für diesen Abend als Sieg vollkommen ausreichen. Ein Mitglied der Frauengruppe vor ihm, schob ihm gerade ihre Serviette über den Tresen, mit einem sinnlichen Blick und den Worten "Call me." auf den Lippen, als sich die Schar vor der Bar mit einem Mal teilte. Die Dämonin kam heran, die eben noch Teil der kurzen Unterhaltung mit Syrena war. Antares Interesse an den Frauen vor sich war schlagartig vorbei. Diese merkten die Anwesenheit der älteren Dame auch ohne, dass man mit übernatürlichen Fähigkeiten deren Aura wahrnehmen konnte. Sie nahmen ihre Gläser und zogen sich mit den Worten, dass es hier keinen Spaß mehr mache, an einen der Tische rund um die Tanzfläche zurück. Der Hexer nahm es kaum wahr. Er stellte sich aufrecht hin, nicht gerade stramm aber doch aufmerksam. Als wäre sein Auftrag, für die Wünsche der Dämonin parat zu stehen. Sein Blick jedoch ging von der Gehörnten hinüber zum Sitzplatz von Ashcroft. Antares hatte nicht ganz die Wahrheit gesagt, dass die Dämonin diejenige war, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Sicherlich war sie mit Vorsicht zu genießen aber das wahre Raubtier saß dort drüben. Ein schlechtes Gewissen hatte der Hexer deswegen nicht. War ihm doch egal, wie Syrena seine Aussage verstand und ob er sie deswegen aufs Glatteis führte. Was er allerdings nicht ignorieren konnte, waren die Worte, welche die Dämonin an Syrena richtete. Obwohl weiterhin die Musik im Club spielte und das Stimmengewirr der unzähligen Leute eine zusätzliche Geräuschkulisse bildete, stand Antares nahe genug um alles mit anzuhören. Der Gegenstand, der getauscht wurde, war ihm nicht gänzlich ersichtlich, doch er spürte die magische Signatur, die davon ausging. Und da er wusste, mit welcher 'Ware' die Dämonin handelte, brauchte es nicht viel um sich die Antwort zusammen zu reimen. Sie hatte also wieder ein Kind gefunden. Zwölf Jahre, wie er vernahm. Sein Blick war weiterhin geradeaus gerichtet. Als wäre er nur Statist in einem Film. Seine Hände aber hatten sich wieder das Poliertuch gegriffen. Er brauchte etwas, mit dem er sich ablenken konnte. Warum wechselte die Dämonin die Seiten? Aber tat sie das überhaupt? Er wusste ja nicht, warum Syrena hier im Club war. War sie Teil dieses abscheulichen Handels? Überraschen würde es ihn nicht. Moral suchte man bei dieser Hexe wahrlich vergeblich. Der Vergleich mit einer Statue passte seiner Meinung nach vortrefflich. Schön anzusehen, doch im inneren hohl und nutzlos. Was war der Inhalt ihrer Übereinkunft? Wieder wanderte sein Blick möglichst unauffällig zu der Sitzgrupp von Mr. Ashcroft. Irgendwann... so sein erklärtes Ziel, würde Antares diesem Mistkerl das Handwerk legen und dann konnte dieser froh sein, wenn er ihn an seinen Chef übergab, damit er ihn in die Katakomben dieses Clubs entführte. Seinen Zorn könnte dieser wahrlich nicht ertragen. Kinder! Ihm war es egal ob hier drinnen Drogen vertickt wurden, andere magische Gegenstände, die alles andere als ungefährlich waren oder ob sich Dämonen in den Käfig-Kämpfen aufrieben. Das dabei Wetten abgeschlossen wurden und blutrünstige Zuschauer sich daran ergötzten war ihm zwar zuwider, aber er polierte derweil die Gläser und ließ es geschehen. Bei all dem sah er schlichtweg auf die andere Seite weg und steckte seinen Lohn ein. Aber der Handel mit diesen Unschuldigen ging zu weit. Antares hatte bisher immer vermieden herausfinden zu wollen, ob Mammon davon wusste. Sein Boss hatte eine sehr breit ausgelegte Ansicht auf verschiedene Dinge, die das Gewissen mit einbezog. Und da war es ihm lieber, er wusste nicht, wie er zu dieser Sache stand. Er selber aber konnte davor nicht die Augen verschließen. Und das hatte er bereits bewiesen. Mindestens zwei der bereits abgeschlossenen Übergaben mit den Kindern fand nicht statt. Seinetwegen. Und Antares nahm sich vor, dass dies in Zukunft noch mehr werden würden. Dafür war er bereit, einiges zu riskieren. Nun zu wissen, dass Syrena mit in diese Sache involviert war, ließ ihre Beliebtheit bei ihm bis zum Erdkern durchrauschen. Aber warum hatte er auch etwas anderes erwartet? Bis heute gab es keine einzige Erklärung für ihn, wie die warmherzige und liebenswürdige Amy es auch nur eine Stunde in der Nähe dieser Person aushielt. Verwandtschaft hin oder her. Aber er durfte nicht anfangen, an sie zu denken, nicht jetzt, da die Dämonin das Wort an ihn richtete. Die eigentlich ruhigen und sanft wirkenden, braunen Augen des Hexers legten sich auf die Erscheinung der Sprechenden. Doch im Gegensatz zu der minderbemittelten Hexe, schwieg er. Was war das? Eine Drohung? Eine Warnung? Nicht, dass er sich um Syrena auch nur im Ansatz Sorgen machen würde, sollte diese sich in ihre molekularen Einzelteile zerlegen lassen, das spielte keine Rolle. Aber warum sprach die Dämonin, die bisher kaum mehr als wenige lobende Worte für ihr Getränk für ihn übrig hatte, dies an? Und warum ihn? Er war nur der Barkeeper. Ein knappes Nicken gab zu verstehen, dass er die Worte zur Kenntnis nahm, wenngleich er immer noch nicht wusste, wie er es einzusortieren hatte. Und da wandte sich die Dämonin auch schon wieder ab und ging. Antares sah ihr noch eine ganze Weile nach, währenddessen 'erwürgten' seine Hände das Poliertuch. Er hatte es so fest zwischen seine Finger gedreht, dass man den Stoff knirschen hörte. Er konnte nichts weiter tun, doch sein Zorn auf diese Personen, allen voran diesen elenden Geschäftsmann dort drüben, musste für den Moment anderweitig kanalisiert werden. Nicht allzu lange später, spürte er den Blick seiner Nemesis wieder auf ihm, ohne, dass er in ihre Richtung blickte. "Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten." Leise, beinahe zu leise und mit einer Drohung darin, als war es nun an ihm, die Jüngere zu verfluchen, wurden diese Worte an sie gerichtet. Und mit etwas Zeitverzögerung, begegneten sich ihrer beiden Blicke. In den Augen des Hexers war blanke, ungezügelte Wut zu sehen. Mehr noch, als er je für Syrena aufbringen konnte. Und dieser Zorn galt auch nicht ihr. Wenngleich sie ein Teil davon war. Doch es war das Wissen, was er ihr voraus hatte, das es ihm beinahe unmöglich machte, seiner magischen Kraft noch Einhalt zu gebieten. "Verpiss dich, Syrena." Und wohl noch nie zuvor hatte er dies mit solch einer Inbrunst zu ihr gesagt. Nicht seinetwegen. Nicht wegen dem Fluch. Es war ihre Mitarbeit in diesem geschmacklosen Zusammenspiel von Gier und Machtbesessenheit. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 02.09.2026 Kaum war die Dämonin von der Theke verschwunden, fiel Syrena auf, dass Antares sich noch immer nicht wieder vollständig in jenen selbstgefälligen Barkeeper zurückverwandelt hatte, der ihr seit ihrer Ankunft mit sichtlichem Vergnügen auf die Nerven ging. Schon als die Frau auf ihn zugekommen war, hatte sich seine Haltung verändert. Die Frauen vor ihm waren plötzlich nebensächlich geworden, seine Aufmerksamkeit schärfer. Interessanter war jedoch, wohin seine Augen zwischendurch gewandert waren. Nicht zur Dämonin, sondern zu Ashcroft. Syrena registrierte es, ohne sofort einen Schluss daraus zu ziehen. Noch war es ein weiterer Widerspruch in einem Abend, der sich weigerte, so unkompliziert zu bleiben, wie Wolfram & Hart ihn ihr verkauft hatte. Spätestens nachdem das Wort zwölf gefallen war, ließ sich Antares’ Reaktion allerdings kaum noch als Zufall abtun. Er sagte nichts, stand hinter der Theke und beschäftigte seine Hände mit einem Poliertuch, als könne ein Stück Stoff verhindern, dass sich etwas anderes Bahn brach. Nur, dass er es nicht einfach hielt. Er drehte es zwischen seinen Fingern so fest zusammen, dass selbst Syrena das Knirschen des Materials hören konnte. Als wäre er kurz davor, magisch zu explodieren. Ihre Augen blieben einen Moment an seinen Händen hängen, dann an seinem Gesicht. Nun. Offenbar besaß selbst Antares Lexington irgendwo eine Grenze. Die Erkenntnis war lästig. Es wäre einfacher gewesen, ihn weiterhin als selbstgefälliges, magisches Ärgernis mit hübschem Gesicht und schlechtem Charakter abzulegen. Stattdessen stand dort plötzlich ein Mann, der über etwas sichtbar wütender war als über vier Jahre Katzenleben. Und diese Wut … war anders. Als sein Blick schließlich den ihren traf, lag darin nichts von jener gehässigen Genugtuung, mit der sie sich den ganzen Abend gegenseitig bedacht hatten. Das hier war blanker und ungezügelter Zorn, sodass Syrena für einen seltenen Augenblick nicht einmal das Bedürfnis verspürte, ihn dafür zu verspotten. Sie wusste nicht, was genau in Antares vorging oder welche Geschichte sich hinter dieser Reaktion verbarg. Doch dass dieser Zorn einen anderen Ursprung hatte als ihre üblichen Auseinandersetzungen, war kaum zu übersehen. Er war zu heftig, zu unmittelbar und vor allem viel zu ernst, um lediglich eine weitere Fortsetzung ihres vier Jahre alten Kleinkrieges zu sein. Das war äußerst interessant! Sein leises „Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten“ riss Syrena allerdings zuverlässig aus dieser nüchternen Beobachterrolle. Ihre Brauen hoben sich, dann entwich ihr ein ungläubiges Schnauben. Antares konnte wütend sein, so viel er wollte. Er konnte von ihr aus auch das nächste Poliertuch erwürgen. Aber ihr Befehle zu erteilen, war eine bemerkenswert schlechte Idee. „Oh, hat sich neben dem Kater plötzlich auch noch so etwas wie ein Gewissen in deinem Körper eingenistet?“ Ihre Stimme blieb kühl, beinahe gelangweilt, obwohl das verdammte zwölf noch immer irgendwo in ihrem Kopf festsaß und sich dort wesentlich hartnäckiger hielt, als es sollte. Gerade deshalb richtete Syrena sich innerlich umso entschlossener an dem aus, was sie kannte: Auftrag, Fakten, Distanz. „Weißt du eigentlich noch, wo du hier arbeitest? Das ist das Valen. Hier wird die Moral vermutlich schon vom Türsteher abgewiesen.“ Ihr Blick glitt kurz über den Club, über Gäste, bei denen niemand ernsthaft nach tugendhaften Lebensläufen fragen würde, bevor er zu Antares zurückkehrte. „Und trotzdem werden solche Leute hier bedient. Von dir übrigens auch.“ Dann kam sein „Verpiss dich, Syrena.“ mit einer Inbrunst, die selbst für ihre gemeinsame Geschichte bemerkenswert war. Hitze schoss unter ihre Haut, nicht aus Angst, sondern aus purem Ärger darüber, dass ausgerechnet er glaubte, sie auf diese Weise aus einem Raum schicken zu können. Syrena legte den Kopf einen Hauch zur Seite und zwang ihre Stimme genau deshalb in eine beinahe seidige Ruhe. „Du warst auch schon kreativer. Vielleicht solltest du dich verpissen, wenn du hier einen auf Moralapostel machen willst.“ Ihre Finger lagen ruhig am Stiel ihres Glases. Dass sie ihn am liebsten wesentlich weniger stilvoll daran erinnert hätte, wer von ihnen beiden schon einmal vier Beine und einen richtigen Schwanz besessen hatte, behielt sie für sich. Denn inzwischen störte sie etwas anderes viel mehr. Antares hatte sie vor der Dämonin gewarnt, als wäre sie das Raubtier, vor dem man sich besser fernhielt. Doch kaum war die Rede von dem zwölfjährigen Mädchen gewesen, hatte sich etwas in seinem Verhalten verschoben und seine Aufmerksamkeit war immer wieder bei Ashcroft gelandet. Ach, sieh an. Und ausgerechnet der Mann mit seinem grandiosen Wissensvorsprung hatte offenbar vergessen zu erwähnen, dass das eigentliche Raubtier gar nicht die Dämonenfrau war. Ein süffisantes Lächeln fand zurück auf Syrenas Lippen. „Für jemanden, der gerade noch so stolz darauf war, mehr zu wissen als ich, hast du erstaunlich viel ausgelassen.“ Diesmal sah sie ihn dabei ganz bewusst an. Wenn Antares schon den ganzen Abend Punkte zählen wollte, konnte er sich diesen gern aufschreiben. Falls er sie tatsächlich absichtlich auf die falsche Fährte hatte locken wollen, damit sie Ashcrofts Gefährlichkeit unterschätzte, hatte die Dämonenfrau seinen Plan gerade gründlich zunichtegemacht. Trotzdem entging ihr nicht, dass seine Wut nicht wirklich ihr gehörte. Zumindest nicht in erster Linie. Dafür hing sie zu eindeutig mit dem zusammen, was gerade zwischen Dämonin, Münze und Ashcroft sichtbar geworden war. Selbstüberschätzung hin oder her – so wichtig war sie in diesem Moment offenbar ausnahmsweise nicht. Fast hätte sie darüber gelacht. Stattdessen blieb ihr Blick an Ashcroft hängen, denn der ältere Mann setzte sich gerade in Bewegung. Er erhob sich ohne Hast, ordnete sein Jackett und wirkte dabei keineswegs wie jemand, dessen Abend gerade aus den Fugen geraten war. Syrenas Aufmerksamkeit rastete sofort wieder dort ein, wo sie beruflich hingehörte. Ashcroft war ihr Auftrag! Nicht Antares’ Gewissen, nicht seine Wut und ganz sicher nicht irgendeine Diskussion darüber, wer hier moralisch auf welcher Seite stand. Als der Mann sich von seiner Sitzgruppe entfernte, wusste Syrena, dass sie ebenfalls gehen musste. Was allerdings bedeutete, dass es für jeden Beobachter so aussehen konnte, als würde sie ausgerechnet jetzt Antares’ Aufforderung folgen. Großartig. Jetzt sah es auch noch so aus, als würde sie auf einen räudigen Straßenkater hören. Sie griff nach ihrem Cosmopolitan, nahm den letzten Schluck und stellte das Glas sauber auf der Theke ab, bevor sie sich erhob. „Keine Sorge. Ausnahmsweise hatte ich ohnehin vor, deinem Wunsch nachzukommen.“ Der süffisante Unterton ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich den Zeitpunkt ihres Aufbruchs nicht von ihm diktieren ließ. Ihre Finger glitten anschließend wie beiläufig über die Tasche, in der die kleine Resonanzmünze verschwunden war. Kaum zwei Zentimeter Metall und trotzdem inzwischen schwer genug, um sich ihrer Aufmerksamkeit immer wieder aufzudrängen. Syrena wusste noch immer nicht, was genau sie tat, worauf sie reagierte oder weshalb die Dämonin ausgerechnet ihr das Ding zugeschoben hatte. Die ungewöhnliche Schwingung des Metalls blieb selbst durch den Stoff ihrer Tasche spürbar. Wozu es bestimmt war, darum musste sich die dunkle Hexe später kümmern. Und dennoch blieb da dieses andere Problem. Zwölf. Syrena schob den Gedanken dorthin zurück, wo er ihrer Meinung nach hingehörte: hinter den Auftrag. Sie war nicht hier, um eine Rettungsmission zu beginnen. Sie wusste nicht einmal, wo das Mädchen war, ob es noch lebte oder welche Rolle die Münze dabei spielte. Was sie wusste, war wesentlich einfacher: Die Weisung aus der Kanzlei hatte sich durch all das nicht verändert - an Ashcroft dranbleiben und sehen, wohin er sie führte. Alles andere war vorerst zweitrangig. Dass die Zahl sich trotzdem nicht vollständig verdrängen ließ, ignorierte sie mit derselben Konsequenz, mit der sie seit Jahren alles ignorierte, was ihre sorgfältig sortierten Prioritäten unnötig komplizierte. Syrena glitt in einer eleganten Bewegung von ihrem Hocker, ordnete in einer beinahe absurden Geste ihren Rock und setzte sich in Bewegung. Sie wartete lange genug, um Ashcroft keinen direkten Schatten an die Fersen zu heften, und folgte ihm dann mit angemessenem Abstand Richtung Ausgang. Geschmeidig und leise ließ sie immer wieder andere Gäste zwischen sich und Ashcroft geraten, damit ihr Weg zum Ausgang nicht wie eine Verfolgung wirkte. Antares schenkte sie dabei keinen weiteren Blick. Sollte er sich ruhig einreden, sein „Verpiss dich“ hätte irgendeine Wirkung erzielt. Er konnte sich später gern selbst dafür gratulieren. Syrena wusste es besser. Sie folgte Ashcroft, weil es ihr Auftrag war. Weil die Dämonin ihr eine Münze zugesteckt hatte, deren Bedeutung sie noch herausfinden musste. Und trotzdem folgte ihr diese eine verdammte Zahl bis zur Tür. Zwölf. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 03.09.2026 Endlich erhob sich Syrena von ihrem Hocker und sah zu, dass sie Land gewann. In dem Moment war es Antares sogar gleichgültig, ob sie es wegen seiner Aufforderung tat, was er stark bezweifelte, oder weil ihr mittlerweile der Hintern wehtat. Sie hätte sich auch einfach in Luft auflösen können und er hätte nicht einmal mit den Schultern gezuckt. Er wusste sehr wohl, wo er hier arbeitete und es war ihm größtenteils auch egal. Da musste ihn die Eiskönigin nicht erst in ihrer arroganten Art darauf hinweisen. Jeder, der hierherkam, tat es freiwillig. Keiner wurde gegen seinen Willen durch die Türe geschleift. (Oder zumidnest nicht viele.) Im Gegenteil, es gab genügend, die sich die ganze Nacht da draußen die Füße in den Bauch standen und nicht eingelassen wurden. Was die Gäste hier drinnen taten, konsumierten, sprachen oder handelten, ging ihn nichts an. Sein Boss war schließlich derjenige, der über alles die Hand hielt und je mehr Geld für ihn drin war umso besser. Das war ihm alles bewusst gewesen, nachdem er erfuhr, um wen es sich bei dem Clubbesitzer handelte er hatte dennoch nicht gezögert, weiterhin jeden Abend hierher zu kommen. Nein, die Welt bestand nur aus Arroganz, Neid und möglichst viel Eigenanteil. Die wenigen, freundlichen und netten Leute würden irgendwann zerrieben werden. Er selber stellte sich nicht abschließend auf irgend eine Seite. Weder unterstützte er die illegalen Geschäfte hier drinnen, noch gab er der Polizei einen Tipp. Er mixte die Drinks und hörte zu. Das war seine Stärke. Der unterschätzte Barkeeper, der einfach nur nach den Getränkevorlieben fragte. Aber Kinder waren unschuldig. Sie suchten sich nicht aus, entführt zu werden um sonst was mit ihnen anzustellen. Egal wie viel Geld dabei den Besitzer wechselte. Dieses Wissen war eines, auf das er gerne weiterhin verzichtet hätte. Doch mit all den Dingen, die man teilweise unwissentlich an ihn herantrug, bekam er auch immer mehr Einblick in diesen abscheulichen Sumpf. Und auch, wenn er es niemals ohne Folter zugeben würde, so entpuppte sich Syrenas Fluch als ein Segen. In seiner menschlichen Gestalt wäre es ihm nicht ohne weiteres möglich gewesen sich so nahe heran zu schleichen, wie als eine schwarze, unscheinbar wirkende Katze auf die niemand achtete. Niemand, außer den Kindern, die er ganz ohne das Wirken von Magie weglocken konnte. Nur mit ein bisschen Schnurren und um die Beine streichen. Der Abgang der Brünetten war nun aber das Beste was diese machen konnte. Antares Zorn verebbte deswegen jedoch kaum. Er ging zu dem Typen, der immer noch am Tresen saß und fragte ihn, ob er etwas trinken wollte. Einen Ticken zu grob, denn dieser verneinte, stand auf und suchte sich anderweitig einen Platz um weiterhin nach jemandem Ausschau zu halten, der offensichtlich nicht kam. Sofort tat dem Dunkelhaarigen sein Verhalten leid, denn während seiner Schicht hatten private Angelegenheiten hinten anzustehen. Doch nun war es auch passiert und nicht mehr zu ändern. Wie er sich umwandte, fiel sein Blick auf den Platz an dem bisher Ashcroft saß, doch der Sessel war leer. Shit... dachte er mit voller Inbrunst und machte sich daran, die leeren Gläser des Junggesellenabschiedes zusammen zu sammeln. Es war nicht die Aussage der Dämonin, dass er Syrena nicht alleine mit dem Kerl lassen sollte. Das war ihm weiterhin vollkommen gleichgültig, denn wie besagte Hexe sich so treffend ausdrückte, waren sie nicht befreundet. Sie waren nicht mal ansatzweise irgendwas außer verfeindet. Und da achtete man wahrlich nicht darauf, in welcher miesen Gesellschaft sich seine Feindin aufhielt. Abschaum gesellte sich eben immer zu noch mieserem Abschaum. Es war immer noch das Wissen, über das, was die Dämonin an Syrena herantrug, was ihn nach wie vor beschäftigte. Sie hatten wieder ein Kind aufgespürt. Ein zwölfjähriges Mädchen. Wie Antares die Gläser aufnahm und hinüber zur Spüle trug, kamen sie ihm aus und polterten hörbar ins Becken. Keines davon ging zu Bruch, doch hier und da wandte sich ein Kopf in seine Richtung. Mist, mistiger Mist, Mist, ging es ihm durch den Kopf, er war immer noch viel zu aufgewühlt. Und das durfte er nicht sein. "Hör mal..." Ließ er seinen Kollegen wissen. "Ich mach' kurz Pause. Eine rauchen, du weißt schon." Nachdem er sich abmeldete, verließ der Dunkelhaarige den Bereich der Bar durch den Angestelltenausgang und atmete in der Gasse erst einmal tief durch. Mitnichten hatte er vor, hier draußen zu rauchen, aber das war die beste Erklärung für eine kurze Unterbrechung. Nachdem er ein zweites Mal ausatmete, sah er sich nach beiden Seiten um und gab seinen Widerstand gegen den Fluch auf. Im nächsten Moment saß ein schwarzer Kater im schlecht beleuchteten Bereich neben dem Eingang. Nun war wenigstens diese Belastung weg, die er permanent im Hintergrund seiner magischen Fähigkeit spürte. Ein weiterer Blick auf beide Seiten und der Kater trabte quer durch die Gasse um sich auf einem Mauervorsprung einen besseren Überblick zu schaffen. Mit dem Rücken zum Club und im Schatten saß er da und arbeitete weiter an seiner Atemtechnik. Zudem bewegtes ich das kleine Schnäuzchen, während ganz leise ein sich widerholender Zauber gesprochen wurde. Einer, der ihm half, die Begegnung mir Syrena bestmöglich zu vergessen, das Gehörte niederzuringen weil er heute Abend nichts dagegen unternehmen konnte und vor allem, sich zu beruhigen, damit er den Rest des Abends noch problemlos überstand. |