06.09.2026, 17:11
Lilith brauchte offenbar nicht mal eine Sekunde, um sich an dem kleinen „eigentlich“ festzubeißen, und genau das brachte Jezahel nun doch zu einem deutlicheren Grinsen. Dabei drehte sie den Oberkörper ein wenig mehr zu Lilith und stützte einen Ellbogen locker auf dem Tresen ab, als hätte sie sich nun endgültig darauf eingelassen, diese Unterhaltung zumindest für den Moment weiterzuführen.
Natürlich tat Lilith das. Natürlich nahm sie ausgerechnet jenes Wort, drehte es zwischen ihnen einmal um und erklärte es zur Einladung, noch bevor Jezahel selbst überhaupt auf die Idee gekommen wäre, darin eine zu verstecken.
„Dass du darin gleich eine Hintertür hörst, verrät mir vermutlich mehr über deine Absichten als über meine.“ Ihre Stimme blieb leicht, doch der Blick, mit dem sie Lilith dabei musterte, war von ihr beabsichtigt. Wenn diese schon mit Bedeutungen spielen wollte, durfte sie sich nicht wundern, wenn Jezahel den Ball zurückspielte.
Spätestens bei der nächsten Frage ließ sich der Unterton allerdings kaum noch als bloße Wortklauberei abtun. Jezahels Blick folgte der Kirsche einen Moment länger, als dafür eigentlich nötig gewesen wäre, blieb kurz an Liliths Mund hängen und kehrte anschließend zu ihren Augen zurück. Diesmal wich sie nicht sofort wieder aus, sondern hob das Kinn kaum merklich, während sich ein leicht herausforderndes Lächeln auf ihre Lippen legte. Sie war nicht blind und mittlerweile auch nicht mehr so tugendhaft, dass ihr entgangen wäre, wohin sich diese Unterhaltung gerade bewegte. Dass ausgerechnet Lilith diesen Weg einschlug, machte die Sache allerdings deutlich interessanter.
„Das klingt, als hättest du bereits eigene Vorschläge?“ fragte sie schließlich, ohne ihr dabei jedoch mehr zu versprechen als genau diese eine offene Tür im Gespräch. Auf den erneuten Hinweis, sie müssten nur darauf achten, wohin Jezahel trat, folgte lediglich ein kleines Kopfschütteln, halb amüsiert, halb ergeben, während sie den French 75 zwischen Daumen und Zeigefinger einmal langsam am Stiel drehte. Lilith schien Gefallen an ihrer eigenen Metapher gefunden zu haben; sie würde ihr diesen Triumph fürs Erste lassen.
Fast auffälliger war, was danach nicht geschah. Auf Jezahels knappe Antwort zu ihrem Auftrag kam kein weiteres Nachhaken, kein Versuch, die Grenze mit Charme, Provokation oder irgendeinem anderen Mittel doch noch zu verschieben. Für den Bruchteil eines Augenblicks wartete Jezahel beinahe darauf, dann hob sich lediglich eine ihrer Brauen, als Lilith das Thema tatsächlich ruhen ließ. Das war neu genug, um es zu registrieren, aber nicht wichtig genug, um es zu kommentieren.
Dafür bot Lilith ihr unmittelbar darauf etwas ganz anderes an. Alte Freunde. Jezahel zog die Braue nun noch ein Stück höher und hob den French 75 ein kleines Stück zwischen ihnen an, um ihn demonstrativ zu betrachten, als müsste sie kurz überprüfen, ob ein Cocktail tatsächlich ausreichte, ihre gemeinsame Vergangenheit auf diese Weise umzuschreiben. Erst dann sah sie wieder zu Lilith.
„Alt lasse ich gelten. Bei Freunde bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Falls der Cocktail als Beweis für diese plötzlich entdeckte Freundschaft gedacht war, musste Lilith sich vermutlich noch ein wenig mehr Mühe geben. Aber Jaze musste sich eingestehen, dass der angebotene Drink sie auf alle Fälle irritiert hatte… war das so etwas wie ein überraschend überzeugendes Friedensangebot? War das die eigentliche Strategie dahinter: Erst Gin, dann eine großzügige Neufassung ihrer gemeinsamen Vergangenheit?
Bei der nächsten angebotenen Erklärung wanderten ihre Augen wiederholend zu Lilith. Intellektuell stimulierende Gesellschaft konnte sie als Kompliment problemlos gelten lassen; das Outfit erwischte sie dagegen auf eine andere Weise. Jezahel sah an sich hinab, während ihre Finger wie beiläufig über das Revers des langen schwarzen Blazers strichen und den Stoff ein wenig glattzogen, als könnte sie durch Liliths Bemerkung plötzlich selbst entscheiden, was sie davon hielt. Noch immer war ihr der Anblick an sich selbst ungewohnt und gleichzeitig passte er beinahe irritierend gut zu diesem Ort.
„Ist das so?“ fragte sie mit leicht schief gelegtem Kopf und einem kleinen Lächeln, ehe sie noch einmal an sich hinabsah. „Das Kompliment nehme ich. Ich weiß aber gar nicht, ob mir mein Outfit selbst gerade unbedingt gefällt.“ Dass Lilith ihren sonst deutlich helleren, weicheren Stil kannte, machte die Bemerkung beinahe noch amüsanter. „Vielleicht verrate ich dir das später.“ Dabei fand ihr Blick Liliths erneut und blieb diesmal bewusst bei ihr.
Dem später gab sie keine nähere Bedeutung, Lilith konnte für sich selbst entscheiden, was dies nun heiße. Jezahel nahm einen weiteren Schluck und wog die drei Erklärungen einen Augenblick gegeneinander ab. Gute Getränke, anspruchsvolle Gesellschaft. Ein Outfit, das offenbar gefiel. Alles durchaus möglich, alles charmant genug vorgetragen – und trotzdem beantwortete keine dieser Möglichkeiten so recht, weshalb Lilith ausgerechnet ihre Gesellschaft der Beschäftigung vorgezogen hatte, der sie kurz zuvor noch nachgegangen war.
Normalerweise hätte Jezahel angenommen, dass genau darin die Absicht lag: Viele plausible Antworten anzubieten, damit niemand nach der eigentlichen fragte. Nur wirkte es diesmal weniger wie das sorgfältige Verdecken einer bestimmten Wahrheit als wie ein Sammeln von Möglichkeiten, aus denen Lilith selbst noch keine ausgewählt hatte. Dieser Unterschied war klein, aber groß genug, dass Jezahels Neugier endgültig geweckt war.
Sie stellte das Glas langsam zurück auf den Tresen, ließ ihre Hand diesmal jedoch daneben liegen, statt gleich wieder danach zu greifen, und betrachtete Lilith für einen Moment. Das spielerische Lächeln verlor sich nicht vollständig, wurde aber merklich schwächer, während sie ihr nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Schließlich neigte Jezahel den Kopf ein wenig zur Seite, aufrichtig interessiert. „Oder weißt du selbst noch nicht so recht, welche davon die richtige Antwort ist?“
Natürlich tat Lilith das. Natürlich nahm sie ausgerechnet jenes Wort, drehte es zwischen ihnen einmal um und erklärte es zur Einladung, noch bevor Jezahel selbst überhaupt auf die Idee gekommen wäre, darin eine zu verstecken.
„Dass du darin gleich eine Hintertür hörst, verrät mir vermutlich mehr über deine Absichten als über meine.“ Ihre Stimme blieb leicht, doch der Blick, mit dem sie Lilith dabei musterte, war von ihr beabsichtigt. Wenn diese schon mit Bedeutungen spielen wollte, durfte sie sich nicht wundern, wenn Jezahel den Ball zurückspielte.
Spätestens bei der nächsten Frage ließ sich der Unterton allerdings kaum noch als bloße Wortklauberei abtun. Jezahels Blick folgte der Kirsche einen Moment länger, als dafür eigentlich nötig gewesen wäre, blieb kurz an Liliths Mund hängen und kehrte anschließend zu ihren Augen zurück. Diesmal wich sie nicht sofort wieder aus, sondern hob das Kinn kaum merklich, während sich ein leicht herausforderndes Lächeln auf ihre Lippen legte. Sie war nicht blind und mittlerweile auch nicht mehr so tugendhaft, dass ihr entgangen wäre, wohin sich diese Unterhaltung gerade bewegte. Dass ausgerechnet Lilith diesen Weg einschlug, machte die Sache allerdings deutlich interessanter.
„Das klingt, als hättest du bereits eigene Vorschläge?“ fragte sie schließlich, ohne ihr dabei jedoch mehr zu versprechen als genau diese eine offene Tür im Gespräch. Auf den erneuten Hinweis, sie müssten nur darauf achten, wohin Jezahel trat, folgte lediglich ein kleines Kopfschütteln, halb amüsiert, halb ergeben, während sie den French 75 zwischen Daumen und Zeigefinger einmal langsam am Stiel drehte. Lilith schien Gefallen an ihrer eigenen Metapher gefunden zu haben; sie würde ihr diesen Triumph fürs Erste lassen.
Fast auffälliger war, was danach nicht geschah. Auf Jezahels knappe Antwort zu ihrem Auftrag kam kein weiteres Nachhaken, kein Versuch, die Grenze mit Charme, Provokation oder irgendeinem anderen Mittel doch noch zu verschieben. Für den Bruchteil eines Augenblicks wartete Jezahel beinahe darauf, dann hob sich lediglich eine ihrer Brauen, als Lilith das Thema tatsächlich ruhen ließ. Das war neu genug, um es zu registrieren, aber nicht wichtig genug, um es zu kommentieren.
Dafür bot Lilith ihr unmittelbar darauf etwas ganz anderes an. Alte Freunde. Jezahel zog die Braue nun noch ein Stück höher und hob den French 75 ein kleines Stück zwischen ihnen an, um ihn demonstrativ zu betrachten, als müsste sie kurz überprüfen, ob ein Cocktail tatsächlich ausreichte, ihre gemeinsame Vergangenheit auf diese Weise umzuschreiben. Erst dann sah sie wieder zu Lilith.
„Alt lasse ich gelten. Bei Freunde bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Falls der Cocktail als Beweis für diese plötzlich entdeckte Freundschaft gedacht war, musste Lilith sich vermutlich noch ein wenig mehr Mühe geben. Aber Jaze musste sich eingestehen, dass der angebotene Drink sie auf alle Fälle irritiert hatte… war das so etwas wie ein überraschend überzeugendes Friedensangebot? War das die eigentliche Strategie dahinter: Erst Gin, dann eine großzügige Neufassung ihrer gemeinsamen Vergangenheit?
Bei der nächsten angebotenen Erklärung wanderten ihre Augen wiederholend zu Lilith. Intellektuell stimulierende Gesellschaft konnte sie als Kompliment problemlos gelten lassen; das Outfit erwischte sie dagegen auf eine andere Weise. Jezahel sah an sich hinab, während ihre Finger wie beiläufig über das Revers des langen schwarzen Blazers strichen und den Stoff ein wenig glattzogen, als könnte sie durch Liliths Bemerkung plötzlich selbst entscheiden, was sie davon hielt. Noch immer war ihr der Anblick an sich selbst ungewohnt und gleichzeitig passte er beinahe irritierend gut zu diesem Ort.
„Ist das so?“ fragte sie mit leicht schief gelegtem Kopf und einem kleinen Lächeln, ehe sie noch einmal an sich hinabsah. „Das Kompliment nehme ich. Ich weiß aber gar nicht, ob mir mein Outfit selbst gerade unbedingt gefällt.“ Dass Lilith ihren sonst deutlich helleren, weicheren Stil kannte, machte die Bemerkung beinahe noch amüsanter. „Vielleicht verrate ich dir das später.“ Dabei fand ihr Blick Liliths erneut und blieb diesmal bewusst bei ihr.
Dem später gab sie keine nähere Bedeutung, Lilith konnte für sich selbst entscheiden, was dies nun heiße. Jezahel nahm einen weiteren Schluck und wog die drei Erklärungen einen Augenblick gegeneinander ab. Gute Getränke, anspruchsvolle Gesellschaft. Ein Outfit, das offenbar gefiel. Alles durchaus möglich, alles charmant genug vorgetragen – und trotzdem beantwortete keine dieser Möglichkeiten so recht, weshalb Lilith ausgerechnet ihre Gesellschaft der Beschäftigung vorgezogen hatte, der sie kurz zuvor noch nachgegangen war.
Normalerweise hätte Jezahel angenommen, dass genau darin die Absicht lag: Viele plausible Antworten anzubieten, damit niemand nach der eigentlichen fragte. Nur wirkte es diesmal weniger wie das sorgfältige Verdecken einer bestimmten Wahrheit als wie ein Sammeln von Möglichkeiten, aus denen Lilith selbst noch keine ausgewählt hatte. Dieser Unterschied war klein, aber groß genug, dass Jezahels Neugier endgültig geweckt war.
Sie stellte das Glas langsam zurück auf den Tresen, ließ ihre Hand diesmal jedoch daneben liegen, statt gleich wieder danach zu greifen, und betrachtete Lilith für einen Moment. Das spielerische Lächeln verlor sich nicht vollständig, wurde aber merklich schwächer, während sie ihr nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Schließlich neigte Jezahel den Kopf ein wenig zur Seite, aufrichtig interessiert. „Oder weißt du selbst noch nicht so recht, welche davon die richtige Antwort ist?“

