06.09.2026, 17:09
Als Syrena durch die Tür des Valen trat, war von der Dämonin nur noch ein letzter, dunkler Schatten geblieben. Ein Wagen wartete bereits am Straßenrand, der Fahrer hielt ihr die hintere Tür auf, und die Frau stieg mit derselben Ruhe ein, mit der sie Syrena zuvor die Münze zugeschoben hatte. Kein hastiger Blick zurück, kein Versuch, unauffällig zu verschwinden. Ihre Macht musste wirklich groß sein bei dieser stoischen Ruhe.
Syrena sah dem Wagen nur lange genug nach, um sich das Kennzeichen einzuprägen, dann glitt ihre Aufmerksamkeit zurück zu Ashcroft. Der ältere Mann stand ebenfalls an seiner Limousine, stieg allerdings nicht ein. Stattdessen wechselte er ein paar leise Worte mit seinem Fahrer, sah kurz auf sein Handy und blieb noch einen Moment neben dem Wagen stehen, so gelassen, als hätte gerade niemand angedeutet, dass er mit dem magischen Potential von Kindern handelte. Syrena hielt sich einige Meter entfernt im Strom der Gäste.
Die Münze wurde gefühlt schwerer in ihrer Tasche, als zwei Zentimeter Metall irgendein Recht dazu hatten. Zwölf. Sie schob die Zahl erneut beiseite und konzentrierte sich auf Ashcroft. Als er sich schließlich von der Limousine entfernte, zog sich Syrenas Stirn kaum merklich zusammen. Mit Fahrer und Wagen direkt vor der Tür entschied er sich ausgerechnet jetzt für einen Weg hinter das Gebäude. Natürlich. Sie wartete, ließ Abstand entstehen und folgte ihm erst dann, zunächst entlang der Hauswand, später in eine schmalere Seitengasse, in der der Lärm des Clubs bereits dumpfer klang. Die Beleuchtung wurde schlechter, die Menschen weniger.
Ashcroft jedoch blieb ruhig und zielstrebig. Zu ruhig vielleicht. Weiter hinten zeichnete sich auf einem Mauervorsprung etwas Kleines, Schwarzes im Schatten ab. Eine Katze, vermutete Syrena und schenkte ihr kaum Beachtung. Es gab in L.A. zuhauf streunende Katzen. Wenigstens eines hier hatte vermutlich nichts mit dem ganzen verdammten Kinderhandel zu tun.
Ashcroft bog um die nächste Ecke. Syrena wartete, folgte – und blieb stehen. Von Ashcroft keine Spur. Ihr Blick glitt über die Gasse, eine verschlossene Metalltür, einen Müllcontainer, die dunkle Abzweigung vor ihr. Dieser gottverdammte Abend.
Sie schloss für einen kurzen Moment langsam die Augen. Nicht aus Angst, sondern aus jener scharfkantigen Wut, die sich einstellte, wenn jemand glaubte, sie erfolgreich irgendwohin geführt zu haben. Noch während sie die Möglichkeiten abwog, löste sich vor ihr ein Mann aus dem Schatten. Hinter ihr erklang gleichzeitig ein Schritt. Syrena drehte sich weit genug, um beide im Blick zu behalten. Der Mann vor ihr hielt die Hand bereits nahe an seiner Manteltasche. Der zweite wirkte weniger eindrucksvoll: Keine sichtbare Waffe, ruhige Haltung, zu viel Konzentration im Gesicht. Magier. Na selbstverständlich.
„Kann ich Ihnen helfen, Gentlemen?“ Ihre Stimme klang, als hätte man sie auf dem Weg zu einem Geschäftsessen aufgehalten und nicht in einer dunklen Gasse eingekesselt. Und natürlich waren sie keine Gentlemen! Nein, das erkannte eine Lady schließlich sofort.
Der erste Mann zog einen Revolver mit Schalldämpfer aus seiner Tasche. „Die Münze.“ Syrenas Augen verengten sich kaum sichtbar. Die Übergabe im Valen war also beobachtet worden. Nicht gut genug, um die Dämonin aufzuhalten, aber gut genug, um sich die Münze bei Syrena zurückholen zu wollen. Offenbar hielt man sie für ungefährlicher als die Dämonin. Ihr Stolz schrie in diesem Moment in ihr auf. Ihre Kiefer spannten sich an, obwohl ansonsten nichts an ihr daraufhin deutete, dass sich gerade eine Welle der Wut in ihr aufbäumte.
„Sie überschätzen mein Interesse an Ihren Wünschen.“ Kein Zittern war in der Stimme zu bemerken. Innerlich rechnete sie längst Abstände und Winkel durch. Der Revolver war unangenehm, aber lösbar: Mit ihrer Magie hatte sie schon öfters Leute entwaffnet… und dabei auch hin und wieder Handgelenke gebrochen. Der andere war das größere Unbekannte. „Geben Sie sie her.“
Ihre Hand krallte sich demonstrativ an ihre Tasche. „Nein.“ Warum sollte sie auch? Zwei bewaffnete Männer waren nicht genügend Argumente, als dass sie jemandem einfach etwas offenbar sehr Wertvolles überlassen würde.
Der Magier hinter ihr atmete ein. Syrena spürte die Veränderung in der Luft einen Augenblick, bevor sie das Wort hörte. „Vincire.“ Die Magie traf sie wie ein zugezogenes Netz. Ihre Arme wurden an den Körper gerissen, die Ellbogen fest an ihre Seiten gepresst, die Hände gegen Hüften und Oberschenkel gezwungen. Gleichzeitig legte sich etwas Kaltes um ihre innere Magie.
Syrena reagierte instinktiv, griff telekinetisch nach dem Revolver – und erreichte ihn nicht. Wut schoss heiß durch sie. Natürlich kannte sie den Bann. Und dass Ashcroft jemanden geschickt hatte, der ausgerechnet diesen Zauber gegen sie einsetzte, fühlte sich beinahe persönlicher an als die Waffe.
Syrena spannte die Finger an. Rote, elektrisch zuckende Fäden glommen zwischen ihnen auf, schlangen sich über ihre Knöchel und verloschen am Rand des Bannfeldes. Ihre Magie war noch da, heiß und bissig unter ihrer Haut. Sie kam nur nicht weit hinaus. Ihr habt mich nicht ausgeschaltet.
Der Bewaffnete bemerkte das Flackern und blieb klugerweise auf Abstand. Der Magier war mutiger. Offenbar hielt er den Bann für vollständiger, als er war. Er trat näher und griff nach Syrenas Tasche. Syrena ließ ihn kommen. Ein kaltes Grinsen schlich sich über ihre Lippen, noch bevor seine Finger den Stoff erreichten. Fehler.
Die roten Fäden schossen über. Nicht weit, nicht gezielt – sie mussten es auch nicht. Die Energie sprang auf seinen Arm, knisterte über Ärmel und Haut und traf ihn mit genug Kraft, dass er zurückgestoßen wurde. Sein Gesicht verzog sich vor Schmerz, seine Knie knickten ein und er landete hart auf dem Boden, wo er sich mit einer Hand abstützte. Syrenas Grinsen wurde breiter, obwohl ihre Stimme ihre innere Anstrengung etwas verriet. „Gebunden… ist nicht wehrlos.“
Der Schuss kam unmittelbar danach. Das gedämpfte Geräusch war erschreckend klein im Vergleich zu dem Schmerz, der durch ihren linken Oberarm riss. Der Treffer erwischte sie außen am Oberarm, doch hart genug, dass ihr ganzer Körper gegen den Bann zuckte und ihr Atem scharf abriss. Meine Lederjacke! Ihre gute, sündhaft teure Versace-Lederjacke. Dieser Bastarde würden dafür büßen.
Ihr Grinsen war so schnell aus ihrem Gesicht entwichen, wie es aufgetaucht war. Zwischen ihren Fingern flammten die roten Fäden noch einmal heftig auf – und wurden danach dünner. Das war schlimmer.
Syrena presste die Zähne aufeinander. Blut begann den Stoff an ihrem Arm zu tränken, doch ihr Blick hing an dem schwächeren Flackern ihrer Magie. Der Treffer hatte ihre Konzentration erschüttert und offenbar war genau das beabsichtigt gewesen. Der Schütze wusste, was er tat. Der Magier hielt Vincire trotz seines eigenen Treffers aufrecht. Und plötzlich lag das Muster offen vor ihr. Sie wollten sie nicht töten. Der eine hielt ihre Magie fest, der andere blieb außerhalb ihrer Reichweite und schoss sie so lange schwächer, bis sie nachgab oder nicht mehr verhindern konnte, dass sie ihr die Münze abnahmen.
Etwas Kaltes setzte sich unter ihren Ärger. Keine Angst, sondern Beleidigung. Jemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie man Syrena Blackwell kontrollierte. Ashcroft musste von ihrer Telekinese wissen. Vielleicht nicht alles, aber genug für den Vincire-Bann und die Distanz. Und die Hexe würde ausgesprochen gern herausfinden, woher.
„Die Münze.“ Diesmal klang die Forderung ungeduldig. Syrena hätte sie ihm geben können, der Gedanke wäre vernünftig gewesen. Die Münze war schließlich nie Teil ihres Auftrags gewesen. Wolfram & Hart hatte sie geschickt, um Ashcroft zu beobachten und seinen Handel aufzudecken. Dafür hatte sie inzwischen genug. Sie konnte das verdammte Stück Metall herausgeben, zurück in die Kanzlei gehen und Damon berichten. Auftrag erfüllt. Kein weiteres Blut für einen Gegenstand, dessen Funktion niemand von ihr verlangt hatte.
Zwölf. Für einen Moment wurde ihr Gesicht noch unbeweglicher. Der Bewaffnete machte einen halben Schritt vor. „Ohne die Münze finden wir das Mädchen nicht.“ Da war sie wieder. Nicht mehr nur eine Zahl. Ein Mädchen, zwölf Jahre alt. Und auch, wenn es sich die dunkle Hexe nicht eingestehen wollte, so war die Münze eben kein zufälliges Stück magisches Metall mehr. Sie war eine Spur. Etwas, das Ashcroft brauchte, um dieses Kind wiederzufinden… Du kennst dieses Kind überhaupt nicht. Es ist nicht dein Problem. Wolfram & Hart bezahlte sie nicht dafür, Kinder aus okkulten Handelsketten zu ziehen. Niemand hatte sie gebeten, sich anschießen zu lassen. Niemand würde ihr dafür danken, in einer stinkenden Gasse Blut zu verlieren. Alles richtig, alles vernünftig. Und nichts davon reichte. Denn wenn Syrena die Münze jetzt herausgab, beobachtete sie Ashcrofts Geschäft nicht länger nur. Dann würde sie ihm helfen. Sie verfluchte sich selbst für ihre Gefühle – natürlich nicht wirklich und erst recht nicht gerade in diesem Moment. Sie würde Ashcroft etwas zurückgeben, was er brauchte, um das Mädchen zu finden. Und dann war da noch etwas wesentlich Vertrauteres: Niemand zwang Syrena Blackwell zu irgendetwas! Schon gar nicht mit einem Bann und einem Revolver.
Rote Fäden flackerten schwach zwischen ihren Fingern. Nein. Sie wusste nicht, was sie mit der Münze tun würde. Ob sie Damon davon erzählte, ob sie herausfand, wohin diese Resonanz führte oder ob sie am Ende beschloss, dass das Ganze sie nichts anging. Aber eine Entscheidung stand fest. Nicht an ihn.
Sie hob das Kinn und blickte die beiden Männer hasserfüllt an. „Sie hatten Ihre Antwort bereits.“ Der Bewaffnete sah sie einen Moment lang an, dann zu seinem Kollegen. Der Magier richtete sich inzwischen wieder auf, das Gesicht verzogen, die Hand noch von roten Spuren gezeichnet, doch sein Vincire-Bann hielt nach wie vor. Syrenas eigene Magie blieb vorhanden, dünn und gereizt, zu nah an ihrer Haut gefangen. Der Mann hob den Revolver erneut. Syrena reagierte instinktiv. Ihre Gedanken griffen nach Metall, Finger, Handgelenk, nach irgendetwas, das sie drehen oder brechen konnte. Nichts. Der Bann verschluckte den Zugriff. Die Mündung richtete sich erneut auf sie. Der gedämpfte Schuss ging beinahe im Lärm der Straße unter, der Schmerz dagegen nicht. Diesmal traf die Kugel sie außen am rechten Oberschenkel, und Syrenas Bein gab unter ihr nach. Nun war sie es, die auf ihren Knien landete.
Syrena sah dem Wagen nur lange genug nach, um sich das Kennzeichen einzuprägen, dann glitt ihre Aufmerksamkeit zurück zu Ashcroft. Der ältere Mann stand ebenfalls an seiner Limousine, stieg allerdings nicht ein. Stattdessen wechselte er ein paar leise Worte mit seinem Fahrer, sah kurz auf sein Handy und blieb noch einen Moment neben dem Wagen stehen, so gelassen, als hätte gerade niemand angedeutet, dass er mit dem magischen Potential von Kindern handelte. Syrena hielt sich einige Meter entfernt im Strom der Gäste.
Die Münze wurde gefühlt schwerer in ihrer Tasche, als zwei Zentimeter Metall irgendein Recht dazu hatten. Zwölf. Sie schob die Zahl erneut beiseite und konzentrierte sich auf Ashcroft. Als er sich schließlich von der Limousine entfernte, zog sich Syrenas Stirn kaum merklich zusammen. Mit Fahrer und Wagen direkt vor der Tür entschied er sich ausgerechnet jetzt für einen Weg hinter das Gebäude. Natürlich. Sie wartete, ließ Abstand entstehen und folgte ihm erst dann, zunächst entlang der Hauswand, später in eine schmalere Seitengasse, in der der Lärm des Clubs bereits dumpfer klang. Die Beleuchtung wurde schlechter, die Menschen weniger.
Ashcroft jedoch blieb ruhig und zielstrebig. Zu ruhig vielleicht. Weiter hinten zeichnete sich auf einem Mauervorsprung etwas Kleines, Schwarzes im Schatten ab. Eine Katze, vermutete Syrena und schenkte ihr kaum Beachtung. Es gab in L.A. zuhauf streunende Katzen. Wenigstens eines hier hatte vermutlich nichts mit dem ganzen verdammten Kinderhandel zu tun.
Ashcroft bog um die nächste Ecke. Syrena wartete, folgte – und blieb stehen. Von Ashcroft keine Spur. Ihr Blick glitt über die Gasse, eine verschlossene Metalltür, einen Müllcontainer, die dunkle Abzweigung vor ihr. Dieser gottverdammte Abend.
Sie schloss für einen kurzen Moment langsam die Augen. Nicht aus Angst, sondern aus jener scharfkantigen Wut, die sich einstellte, wenn jemand glaubte, sie erfolgreich irgendwohin geführt zu haben. Noch während sie die Möglichkeiten abwog, löste sich vor ihr ein Mann aus dem Schatten. Hinter ihr erklang gleichzeitig ein Schritt. Syrena drehte sich weit genug, um beide im Blick zu behalten. Der Mann vor ihr hielt die Hand bereits nahe an seiner Manteltasche. Der zweite wirkte weniger eindrucksvoll: Keine sichtbare Waffe, ruhige Haltung, zu viel Konzentration im Gesicht. Magier. Na selbstverständlich.
„Kann ich Ihnen helfen, Gentlemen?“ Ihre Stimme klang, als hätte man sie auf dem Weg zu einem Geschäftsessen aufgehalten und nicht in einer dunklen Gasse eingekesselt. Und natürlich waren sie keine Gentlemen! Nein, das erkannte eine Lady schließlich sofort.
Der erste Mann zog einen Revolver mit Schalldämpfer aus seiner Tasche. „Die Münze.“ Syrenas Augen verengten sich kaum sichtbar. Die Übergabe im Valen war also beobachtet worden. Nicht gut genug, um die Dämonin aufzuhalten, aber gut genug, um sich die Münze bei Syrena zurückholen zu wollen. Offenbar hielt man sie für ungefährlicher als die Dämonin. Ihr Stolz schrie in diesem Moment in ihr auf. Ihre Kiefer spannten sich an, obwohl ansonsten nichts an ihr daraufhin deutete, dass sich gerade eine Welle der Wut in ihr aufbäumte.
„Sie überschätzen mein Interesse an Ihren Wünschen.“ Kein Zittern war in der Stimme zu bemerken. Innerlich rechnete sie längst Abstände und Winkel durch. Der Revolver war unangenehm, aber lösbar: Mit ihrer Magie hatte sie schon öfters Leute entwaffnet… und dabei auch hin und wieder Handgelenke gebrochen. Der andere war das größere Unbekannte. „Geben Sie sie her.“
Ihre Hand krallte sich demonstrativ an ihre Tasche. „Nein.“ Warum sollte sie auch? Zwei bewaffnete Männer waren nicht genügend Argumente, als dass sie jemandem einfach etwas offenbar sehr Wertvolles überlassen würde.
Der Magier hinter ihr atmete ein. Syrena spürte die Veränderung in der Luft einen Augenblick, bevor sie das Wort hörte. „Vincire.“ Die Magie traf sie wie ein zugezogenes Netz. Ihre Arme wurden an den Körper gerissen, die Ellbogen fest an ihre Seiten gepresst, die Hände gegen Hüften und Oberschenkel gezwungen. Gleichzeitig legte sich etwas Kaltes um ihre innere Magie.
Syrena reagierte instinktiv, griff telekinetisch nach dem Revolver – und erreichte ihn nicht. Wut schoss heiß durch sie. Natürlich kannte sie den Bann. Und dass Ashcroft jemanden geschickt hatte, der ausgerechnet diesen Zauber gegen sie einsetzte, fühlte sich beinahe persönlicher an als die Waffe.
Syrena spannte die Finger an. Rote, elektrisch zuckende Fäden glommen zwischen ihnen auf, schlangen sich über ihre Knöchel und verloschen am Rand des Bannfeldes. Ihre Magie war noch da, heiß und bissig unter ihrer Haut. Sie kam nur nicht weit hinaus. Ihr habt mich nicht ausgeschaltet.
Der Bewaffnete bemerkte das Flackern und blieb klugerweise auf Abstand. Der Magier war mutiger. Offenbar hielt er den Bann für vollständiger, als er war. Er trat näher und griff nach Syrenas Tasche. Syrena ließ ihn kommen. Ein kaltes Grinsen schlich sich über ihre Lippen, noch bevor seine Finger den Stoff erreichten. Fehler.
Die roten Fäden schossen über. Nicht weit, nicht gezielt – sie mussten es auch nicht. Die Energie sprang auf seinen Arm, knisterte über Ärmel und Haut und traf ihn mit genug Kraft, dass er zurückgestoßen wurde. Sein Gesicht verzog sich vor Schmerz, seine Knie knickten ein und er landete hart auf dem Boden, wo er sich mit einer Hand abstützte. Syrenas Grinsen wurde breiter, obwohl ihre Stimme ihre innere Anstrengung etwas verriet. „Gebunden… ist nicht wehrlos.“
Der Schuss kam unmittelbar danach. Das gedämpfte Geräusch war erschreckend klein im Vergleich zu dem Schmerz, der durch ihren linken Oberarm riss. Der Treffer erwischte sie außen am Oberarm, doch hart genug, dass ihr ganzer Körper gegen den Bann zuckte und ihr Atem scharf abriss. Meine Lederjacke! Ihre gute, sündhaft teure Versace-Lederjacke. Dieser Bastarde würden dafür büßen.
Ihr Grinsen war so schnell aus ihrem Gesicht entwichen, wie es aufgetaucht war. Zwischen ihren Fingern flammten die roten Fäden noch einmal heftig auf – und wurden danach dünner. Das war schlimmer.
Syrena presste die Zähne aufeinander. Blut begann den Stoff an ihrem Arm zu tränken, doch ihr Blick hing an dem schwächeren Flackern ihrer Magie. Der Treffer hatte ihre Konzentration erschüttert und offenbar war genau das beabsichtigt gewesen. Der Schütze wusste, was er tat. Der Magier hielt Vincire trotz seines eigenen Treffers aufrecht. Und plötzlich lag das Muster offen vor ihr. Sie wollten sie nicht töten. Der eine hielt ihre Magie fest, der andere blieb außerhalb ihrer Reichweite und schoss sie so lange schwächer, bis sie nachgab oder nicht mehr verhindern konnte, dass sie ihr die Münze abnahmen.
Etwas Kaltes setzte sich unter ihren Ärger. Keine Angst, sondern Beleidigung. Jemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie man Syrena Blackwell kontrollierte. Ashcroft musste von ihrer Telekinese wissen. Vielleicht nicht alles, aber genug für den Vincire-Bann und die Distanz. Und die Hexe würde ausgesprochen gern herausfinden, woher.
„Die Münze.“ Diesmal klang die Forderung ungeduldig. Syrena hätte sie ihm geben können, der Gedanke wäre vernünftig gewesen. Die Münze war schließlich nie Teil ihres Auftrags gewesen. Wolfram & Hart hatte sie geschickt, um Ashcroft zu beobachten und seinen Handel aufzudecken. Dafür hatte sie inzwischen genug. Sie konnte das verdammte Stück Metall herausgeben, zurück in die Kanzlei gehen und Damon berichten. Auftrag erfüllt. Kein weiteres Blut für einen Gegenstand, dessen Funktion niemand von ihr verlangt hatte.
Zwölf. Für einen Moment wurde ihr Gesicht noch unbeweglicher. Der Bewaffnete machte einen halben Schritt vor. „Ohne die Münze finden wir das Mädchen nicht.“ Da war sie wieder. Nicht mehr nur eine Zahl. Ein Mädchen, zwölf Jahre alt. Und auch, wenn es sich die dunkle Hexe nicht eingestehen wollte, so war die Münze eben kein zufälliges Stück magisches Metall mehr. Sie war eine Spur. Etwas, das Ashcroft brauchte, um dieses Kind wiederzufinden… Du kennst dieses Kind überhaupt nicht. Es ist nicht dein Problem. Wolfram & Hart bezahlte sie nicht dafür, Kinder aus okkulten Handelsketten zu ziehen. Niemand hatte sie gebeten, sich anschießen zu lassen. Niemand würde ihr dafür danken, in einer stinkenden Gasse Blut zu verlieren. Alles richtig, alles vernünftig. Und nichts davon reichte. Denn wenn Syrena die Münze jetzt herausgab, beobachtete sie Ashcrofts Geschäft nicht länger nur. Dann würde sie ihm helfen. Sie verfluchte sich selbst für ihre Gefühle – natürlich nicht wirklich und erst recht nicht gerade in diesem Moment. Sie würde Ashcroft etwas zurückgeben, was er brauchte, um das Mädchen zu finden. Und dann war da noch etwas wesentlich Vertrauteres: Niemand zwang Syrena Blackwell zu irgendetwas! Schon gar nicht mit einem Bann und einem Revolver.
Rote Fäden flackerten schwach zwischen ihren Fingern. Nein. Sie wusste nicht, was sie mit der Münze tun würde. Ob sie Damon davon erzählte, ob sie herausfand, wohin diese Resonanz führte oder ob sie am Ende beschloss, dass das Ganze sie nichts anging. Aber eine Entscheidung stand fest. Nicht an ihn.
Sie hob das Kinn und blickte die beiden Männer hasserfüllt an. „Sie hatten Ihre Antwort bereits.“ Der Bewaffnete sah sie einen Moment lang an, dann zu seinem Kollegen. Der Magier richtete sich inzwischen wieder auf, das Gesicht verzogen, die Hand noch von roten Spuren gezeichnet, doch sein Vincire-Bann hielt nach wie vor. Syrenas eigene Magie blieb vorhanden, dünn und gereizt, zu nah an ihrer Haut gefangen. Der Mann hob den Revolver erneut. Syrena reagierte instinktiv. Ihre Gedanken griffen nach Metall, Finger, Handgelenk, nach irgendetwas, das sie drehen oder brechen konnte. Nichts. Der Bann verschluckte den Zugriff. Die Mündung richtete sich erneut auf sie. Der gedämpfte Schuss ging beinahe im Lärm der Straße unter, der Schmerz dagegen nicht. Diesmal traf die Kugel sie außen am rechten Oberschenkel, und Syrenas Bein gab unter ihr nach. Nun war sie es, die auf ihren Knien landete.

