02.09.2026, 21:06
Kaum war die Dämonin von der Theke verschwunden, fiel Syrena auf, dass Antares sich noch immer nicht wieder vollständig in jenen selbstgefälligen Barkeeper zurückverwandelt hatte, der ihr seit ihrer Ankunft mit sichtlichem Vergnügen auf die Nerven ging. Schon als die Frau auf ihn zugekommen war, hatte sich seine Haltung verändert. Die Frauen vor ihm waren plötzlich nebensächlich geworden, seine Aufmerksamkeit schärfer. Interessanter war jedoch, wohin seine Augen zwischendurch gewandert waren. Nicht zur Dämonin, sondern zu Ashcroft. Syrena registrierte es, ohne sofort einen Schluss daraus zu ziehen. Noch war es ein weiterer Widerspruch in einem Abend, der sich weigerte, so unkompliziert zu bleiben, wie Wolfram & Hart ihn ihr verkauft hatte.
Spätestens nachdem das Wort zwölf gefallen war, ließ sich Antares’ Reaktion allerdings kaum noch als Zufall abtun. Er sagte nichts, stand hinter der Theke und beschäftigte seine Hände mit einem Poliertuch, als könne ein Stück Stoff verhindern, dass sich etwas anderes Bahn brach. Nur, dass er es nicht einfach hielt. Er drehte es zwischen seinen Fingern so fest zusammen, dass selbst Syrena das Knirschen des Materials hören konnte. Als wäre er kurz davor, magisch zu explodieren.
Ihre Augen blieben einen Moment an seinen Händen hängen, dann an seinem Gesicht. Nun. Offenbar besaß selbst Antares Lexington irgendwo eine Grenze. Die Erkenntnis war lästig. Es wäre einfacher gewesen, ihn weiterhin als selbstgefälliges, magisches Ärgernis mit hübschem Gesicht und schlechtem Charakter abzulegen. Stattdessen stand dort plötzlich ein Mann, der über etwas sichtbar wütender war als über vier Jahre Katzenleben.
Und diese Wut … war anders. Als sein Blick schließlich den ihren traf, lag darin nichts von jener gehässigen Genugtuung, mit der sie sich den ganzen Abend gegenseitig bedacht hatten. Das hier war blanker und ungezügelter Zorn, sodass Syrena für einen seltenen Augenblick nicht einmal das Bedürfnis verspürte, ihn dafür zu verspotten. Sie wusste nicht, was genau in Antares vorging oder welche Geschichte sich hinter dieser Reaktion verbarg. Doch dass dieser Zorn einen anderen Ursprung hatte als ihre üblichen Auseinandersetzungen, war kaum zu übersehen. Er war zu heftig, zu unmittelbar und vor allem viel zu ernst, um lediglich eine weitere Fortsetzung ihres vier Jahre alten Kleinkrieges zu sein. Das war äußerst interessant!
Sein leises „Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten“ riss Syrena allerdings zuverlässig aus dieser nüchternen Beobachterrolle. Ihre Brauen hoben sich, dann entwich ihr ein ungläubiges Schnauben.
Antares konnte wütend sein, so viel er wollte. Er konnte von ihr aus auch das nächste Poliertuch erwürgen. Aber ihr Befehle zu erteilen, war eine bemerkenswert schlechte Idee. „Oh, hat sich neben dem Kater plötzlich auch noch so etwas wie ein Gewissen in deinem Körper eingenistet?“ Ihre Stimme blieb kühl, beinahe gelangweilt, obwohl das verdammte zwölf noch immer irgendwo in ihrem Kopf festsaß und sich dort wesentlich hartnäckiger hielt, als es sollte.
Gerade deshalb richtete Syrena sich innerlich umso entschlossener an dem aus, was sie kannte: Auftrag, Fakten, Distanz. „Weißt du eigentlich noch, wo du hier arbeitest? Das ist das Valen. Hier wird die Moral vermutlich schon vom Türsteher abgewiesen.“ Ihr Blick glitt kurz über den Club, über Gäste, bei denen niemand ernsthaft nach tugendhaften Lebensläufen fragen würde, bevor er zu Antares zurückkehrte. „Und trotzdem werden solche Leute hier bedient. Von dir übrigens auch.“
Dann kam sein „Verpiss dich, Syrena.“ mit einer Inbrunst, die selbst für ihre gemeinsame Geschichte bemerkenswert war. Hitze schoss unter ihre Haut, nicht aus Angst, sondern aus purem Ärger darüber, dass ausgerechnet er glaubte, sie auf diese Weise aus einem Raum schicken zu können. Syrena legte den Kopf einen Hauch zur Seite und zwang ihre Stimme genau deshalb in eine beinahe seidige Ruhe.
„Du warst auch schon kreativer. Vielleicht solltest du dich verpissen, wenn du hier einen auf Moralapostel machen willst.“ Ihre Finger lagen ruhig am Stiel ihres Glases. Dass sie ihn am liebsten wesentlich weniger stilvoll daran erinnert hätte, wer von ihnen beiden schon einmal vier Beine und einen richtigen Schwanz besessen hatte, behielt sie für sich.
Denn inzwischen störte sie etwas anderes viel mehr. Antares hatte sie vor der Dämonin gewarnt, als wäre sie das Raubtier, vor dem man sich besser fernhielt. Doch kaum war die Rede von dem zwölfjährigen Mädchen gewesen, hatte sich etwas in seinem Verhalten verschoben und seine Aufmerksamkeit war immer wieder bei Ashcroft gelandet. Ach, sieh an. Und ausgerechnet der Mann mit seinem grandiosen Wissensvorsprung hatte offenbar vergessen zu erwähnen, dass das eigentliche Raubtier gar nicht die Dämonenfrau war.
Ein süffisantes Lächeln fand zurück auf Syrenas Lippen. „Für jemanden, der gerade noch so stolz darauf war, mehr zu wissen als ich, hast du erstaunlich viel ausgelassen.“ Diesmal sah sie ihn dabei ganz bewusst an. Wenn Antares schon den ganzen Abend Punkte zählen wollte, konnte er sich diesen gern aufschreiben. Falls er sie tatsächlich absichtlich auf die falsche Fährte hatte locken wollen, damit sie Ashcrofts Gefährlichkeit unterschätzte, hatte die Dämonenfrau seinen Plan gerade gründlich zunichtegemacht.
Trotzdem entging ihr nicht, dass seine Wut nicht wirklich ihr gehörte. Zumindest nicht in erster Linie. Dafür hing sie zu eindeutig mit dem zusammen, was gerade zwischen Dämonin, Münze und Ashcroft sichtbar geworden war. Selbstüberschätzung hin oder her – so wichtig war sie in diesem Moment offenbar ausnahmsweise nicht. Fast hätte sie darüber gelacht. Stattdessen blieb ihr Blick an Ashcroft hängen, denn der ältere Mann setzte sich gerade in Bewegung. Er erhob sich ohne Hast, ordnete sein Jackett und wirkte dabei keineswegs wie jemand, dessen Abend gerade aus den Fugen geraten war.
Syrenas Aufmerksamkeit rastete sofort wieder dort ein, wo sie beruflich hingehörte. Ashcroft war ihr Auftrag! Nicht Antares’ Gewissen, nicht seine Wut und ganz sicher nicht irgendeine Diskussion darüber, wer hier moralisch auf welcher Seite stand. Als der Mann sich von seiner Sitzgruppe entfernte, wusste Syrena, dass sie ebenfalls gehen musste. Was allerdings bedeutete, dass es für jeden Beobachter so aussehen konnte, als würde sie ausgerechnet jetzt Antares’ Aufforderung folgen. Großartig. Jetzt sah es auch noch so aus, als würde sie auf einen räudigen Straßenkater hören.
Sie griff nach ihrem Cosmopolitan, nahm den letzten Schluck und stellte das Glas sauber auf der Theke ab, bevor sie sich erhob. „Keine Sorge. Ausnahmsweise hatte ich ohnehin vor, deinem Wunsch nachzukommen.“ Der süffisante Unterton ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich den Zeitpunkt ihres Aufbruchs nicht von ihm diktieren ließ. Ihre Finger glitten anschließend wie beiläufig über die Tasche, in der die kleine Resonanzmünze verschwunden war. Kaum zwei Zentimeter Metall und trotzdem inzwischen schwer genug, um sich ihrer Aufmerksamkeit immer wieder aufzudrängen.
Syrena wusste noch immer nicht, was genau sie tat, worauf sie reagierte oder weshalb die Dämonin ausgerechnet ihr das Ding zugeschoben hatte. Die ungewöhnliche Schwingung des Metalls blieb selbst durch den Stoff ihrer Tasche spürbar. Wozu es bestimmt war, darum musste sich die dunkle Hexe später kümmern.
Und dennoch blieb da dieses andere Problem. Zwölf. Syrena schob den Gedanken dorthin zurück, wo er ihrer Meinung nach hingehörte: hinter den Auftrag. Sie war nicht hier, um eine Rettungsmission zu beginnen. Sie wusste nicht einmal, wo das Mädchen war, ob es noch lebte oder welche Rolle die Münze dabei spielte. Was sie wusste, war wesentlich einfacher: Die Weisung aus der Kanzlei hatte sich durch all das nicht verändert - an Ashcroft dranbleiben und sehen, wohin er sie führte. Alles andere war vorerst zweitrangig. Dass die Zahl sich trotzdem nicht vollständig verdrängen ließ, ignorierte sie mit derselben Konsequenz, mit der sie seit Jahren alles ignorierte, was ihre sorgfältig sortierten Prioritäten unnötig komplizierte.
Syrena glitt in einer eleganten Bewegung von ihrem Hocker, ordnete in einer beinahe absurden Geste ihren Rock und setzte sich in Bewegung. Sie wartete lange genug, um Ashcroft keinen direkten Schatten an die Fersen zu heften, und folgte ihm dann mit angemessenem Abstand Richtung Ausgang. Geschmeidig und leise ließ sie immer wieder andere Gäste zwischen sich und Ashcroft geraten, damit ihr Weg zum Ausgang nicht wie eine Verfolgung wirkte.
Antares schenkte sie dabei keinen weiteren Blick. Sollte er sich ruhig einreden, sein „Verpiss dich“ hätte irgendeine Wirkung erzielt. Er konnte sich später gern selbst dafür gratulieren. Syrena wusste es besser. Sie folgte Ashcroft, weil es ihr Auftrag war. Weil die Dämonin ihr eine Münze zugesteckt hatte, deren Bedeutung sie noch herausfinden musste. Und trotzdem folgte ihr diese eine verdammte Zahl bis zur Tür. Zwölf.
Spätestens nachdem das Wort zwölf gefallen war, ließ sich Antares’ Reaktion allerdings kaum noch als Zufall abtun. Er sagte nichts, stand hinter der Theke und beschäftigte seine Hände mit einem Poliertuch, als könne ein Stück Stoff verhindern, dass sich etwas anderes Bahn brach. Nur, dass er es nicht einfach hielt. Er drehte es zwischen seinen Fingern so fest zusammen, dass selbst Syrena das Knirschen des Materials hören konnte. Als wäre er kurz davor, magisch zu explodieren.
Ihre Augen blieben einen Moment an seinen Händen hängen, dann an seinem Gesicht. Nun. Offenbar besaß selbst Antares Lexington irgendwo eine Grenze. Die Erkenntnis war lästig. Es wäre einfacher gewesen, ihn weiterhin als selbstgefälliges, magisches Ärgernis mit hübschem Gesicht und schlechtem Charakter abzulegen. Stattdessen stand dort plötzlich ein Mann, der über etwas sichtbar wütender war als über vier Jahre Katzenleben.
Und diese Wut … war anders. Als sein Blick schließlich den ihren traf, lag darin nichts von jener gehässigen Genugtuung, mit der sie sich den ganzen Abend gegenseitig bedacht hatten. Das hier war blanker und ungezügelter Zorn, sodass Syrena für einen seltenen Augenblick nicht einmal das Bedürfnis verspürte, ihn dafür zu verspotten. Sie wusste nicht, was genau in Antares vorging oder welche Geschichte sich hinter dieser Reaktion verbarg. Doch dass dieser Zorn einen anderen Ursprung hatte als ihre üblichen Auseinandersetzungen, war kaum zu übersehen. Er war zu heftig, zu unmittelbar und vor allem viel zu ernst, um lediglich eine weitere Fortsetzung ihres vier Jahre alten Kleinkrieges zu sein. Das war äußerst interessant!
Sein leises „Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten“ riss Syrena allerdings zuverlässig aus dieser nüchternen Beobachterrolle. Ihre Brauen hoben sich, dann entwich ihr ein ungläubiges Schnauben.
Antares konnte wütend sein, so viel er wollte. Er konnte von ihr aus auch das nächste Poliertuch erwürgen. Aber ihr Befehle zu erteilen, war eine bemerkenswert schlechte Idee. „Oh, hat sich neben dem Kater plötzlich auch noch so etwas wie ein Gewissen in deinem Körper eingenistet?“ Ihre Stimme blieb kühl, beinahe gelangweilt, obwohl das verdammte zwölf noch immer irgendwo in ihrem Kopf festsaß und sich dort wesentlich hartnäckiger hielt, als es sollte.
Gerade deshalb richtete Syrena sich innerlich umso entschlossener an dem aus, was sie kannte: Auftrag, Fakten, Distanz. „Weißt du eigentlich noch, wo du hier arbeitest? Das ist das Valen. Hier wird die Moral vermutlich schon vom Türsteher abgewiesen.“ Ihr Blick glitt kurz über den Club, über Gäste, bei denen niemand ernsthaft nach tugendhaften Lebensläufen fragen würde, bevor er zu Antares zurückkehrte. „Und trotzdem werden solche Leute hier bedient. Von dir übrigens auch.“
Dann kam sein „Verpiss dich, Syrena.“ mit einer Inbrunst, die selbst für ihre gemeinsame Geschichte bemerkenswert war. Hitze schoss unter ihre Haut, nicht aus Angst, sondern aus purem Ärger darüber, dass ausgerechnet er glaubte, sie auf diese Weise aus einem Raum schicken zu können. Syrena legte den Kopf einen Hauch zur Seite und zwang ihre Stimme genau deshalb in eine beinahe seidige Ruhe.
„Du warst auch schon kreativer. Vielleicht solltest du dich verpissen, wenn du hier einen auf Moralapostel machen willst.“ Ihre Finger lagen ruhig am Stiel ihres Glases. Dass sie ihn am liebsten wesentlich weniger stilvoll daran erinnert hätte, wer von ihnen beiden schon einmal vier Beine und einen richtigen Schwanz besessen hatte, behielt sie für sich.
Denn inzwischen störte sie etwas anderes viel mehr. Antares hatte sie vor der Dämonin gewarnt, als wäre sie das Raubtier, vor dem man sich besser fernhielt. Doch kaum war die Rede von dem zwölfjährigen Mädchen gewesen, hatte sich etwas in seinem Verhalten verschoben und seine Aufmerksamkeit war immer wieder bei Ashcroft gelandet. Ach, sieh an. Und ausgerechnet der Mann mit seinem grandiosen Wissensvorsprung hatte offenbar vergessen zu erwähnen, dass das eigentliche Raubtier gar nicht die Dämonenfrau war.
Ein süffisantes Lächeln fand zurück auf Syrenas Lippen. „Für jemanden, der gerade noch so stolz darauf war, mehr zu wissen als ich, hast du erstaunlich viel ausgelassen.“ Diesmal sah sie ihn dabei ganz bewusst an. Wenn Antares schon den ganzen Abend Punkte zählen wollte, konnte er sich diesen gern aufschreiben. Falls er sie tatsächlich absichtlich auf die falsche Fährte hatte locken wollen, damit sie Ashcrofts Gefährlichkeit unterschätzte, hatte die Dämonenfrau seinen Plan gerade gründlich zunichtegemacht.
Trotzdem entging ihr nicht, dass seine Wut nicht wirklich ihr gehörte. Zumindest nicht in erster Linie. Dafür hing sie zu eindeutig mit dem zusammen, was gerade zwischen Dämonin, Münze und Ashcroft sichtbar geworden war. Selbstüberschätzung hin oder her – so wichtig war sie in diesem Moment offenbar ausnahmsweise nicht. Fast hätte sie darüber gelacht. Stattdessen blieb ihr Blick an Ashcroft hängen, denn der ältere Mann setzte sich gerade in Bewegung. Er erhob sich ohne Hast, ordnete sein Jackett und wirkte dabei keineswegs wie jemand, dessen Abend gerade aus den Fugen geraten war.
Syrenas Aufmerksamkeit rastete sofort wieder dort ein, wo sie beruflich hingehörte. Ashcroft war ihr Auftrag! Nicht Antares’ Gewissen, nicht seine Wut und ganz sicher nicht irgendeine Diskussion darüber, wer hier moralisch auf welcher Seite stand. Als der Mann sich von seiner Sitzgruppe entfernte, wusste Syrena, dass sie ebenfalls gehen musste. Was allerdings bedeutete, dass es für jeden Beobachter so aussehen konnte, als würde sie ausgerechnet jetzt Antares’ Aufforderung folgen. Großartig. Jetzt sah es auch noch so aus, als würde sie auf einen räudigen Straßenkater hören.
Sie griff nach ihrem Cosmopolitan, nahm den letzten Schluck und stellte das Glas sauber auf der Theke ab, bevor sie sich erhob. „Keine Sorge. Ausnahmsweise hatte ich ohnehin vor, deinem Wunsch nachzukommen.“ Der süffisante Unterton ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich den Zeitpunkt ihres Aufbruchs nicht von ihm diktieren ließ. Ihre Finger glitten anschließend wie beiläufig über die Tasche, in der die kleine Resonanzmünze verschwunden war. Kaum zwei Zentimeter Metall und trotzdem inzwischen schwer genug, um sich ihrer Aufmerksamkeit immer wieder aufzudrängen.
Syrena wusste noch immer nicht, was genau sie tat, worauf sie reagierte oder weshalb die Dämonin ausgerechnet ihr das Ding zugeschoben hatte. Die ungewöhnliche Schwingung des Metalls blieb selbst durch den Stoff ihrer Tasche spürbar. Wozu es bestimmt war, darum musste sich die dunkle Hexe später kümmern.
Und dennoch blieb da dieses andere Problem. Zwölf. Syrena schob den Gedanken dorthin zurück, wo er ihrer Meinung nach hingehörte: hinter den Auftrag. Sie war nicht hier, um eine Rettungsmission zu beginnen. Sie wusste nicht einmal, wo das Mädchen war, ob es noch lebte oder welche Rolle die Münze dabei spielte. Was sie wusste, war wesentlich einfacher: Die Weisung aus der Kanzlei hatte sich durch all das nicht verändert - an Ashcroft dranbleiben und sehen, wohin er sie führte. Alles andere war vorerst zweitrangig. Dass die Zahl sich trotzdem nicht vollständig verdrängen ließ, ignorierte sie mit derselben Konsequenz, mit der sie seit Jahren alles ignorierte, was ihre sorgfältig sortierten Prioritäten unnötig komplizierte.
Syrena glitt in einer eleganten Bewegung von ihrem Hocker, ordnete in einer beinahe absurden Geste ihren Rock und setzte sich in Bewegung. Sie wartete lange genug, um Ashcroft keinen direkten Schatten an die Fersen zu heften, und folgte ihm dann mit angemessenem Abstand Richtung Ausgang. Geschmeidig und leise ließ sie immer wieder andere Gäste zwischen sich und Ashcroft geraten, damit ihr Weg zum Ausgang nicht wie eine Verfolgung wirkte.
Antares schenkte sie dabei keinen weiteren Blick. Sollte er sich ruhig einreden, sein „Verpiss dich“ hätte irgendeine Wirkung erzielt. Er konnte sich später gern selbst dafür gratulieren. Syrena wusste es besser. Sie folgte Ashcroft, weil es ihr Auftrag war. Weil die Dämonin ihr eine Münze zugesteckt hatte, deren Bedeutung sie noch herausfinden musste. Und trotzdem folgte ihr diese eine verdammte Zahl bis zur Tür. Zwölf.

