01.09.2026, 20:01
„Dich? Überschätze dich nicht.“ Syrenas Antwort kam so trocken, dass sie selbst beinahe zufrieden mit ihr gewesen wäre, hätte Antares’ hochgezogene Augenbraue nicht schon wieder diesen unerträglich selbstgefälligen Eindruck vermittelt. Natürlich musste dieses aufgeblasene Katerchen aus einem Blick auf seinen Anhänger gleich schließen, dass sie sich für ihn interessierte. Dabei war es ausschließlich die Magie gewesen, die ihre Aufmerksamkeit überhaupt länger als nötig an seiner Brust gehalten hatte.
Diese spürte sie jetzt deutlicher, da sie darauf achtete: Fremd, in dem dunklen Stein gebunden und keineswegs so belanglos, wie sie den Klunker zunächst hatte abtun wollen. Was genau darin steckte, konnte Syrena jedoch nicht sagen, wohl aber, dass er mehr war als hübsche Dekoration.
Ihr Blick glitt trotzdem demonstrativ zurück zu seinem Gesicht. Dass der Mistkerl ausgesprochen gut geraten war, änderte daran nichts. Antares Lexington konnte heiß aussehen und trotzdem der letzte Mann auf Erden sein, den sie freiwillig auch nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Beides ließ sich erstaunlich problemlos miteinander vereinbaren. „Wenn mir gefallen soll, was ich sehe, schaue ich lieber in mein Glas.“
Dass sein Schnauben auf ihr Urteil über den Cosmopolitan von diesem wissenden Schmunzeln begleitet wurde, gefiel ihr dagegen überhaupt nicht. Syrena nahm noch einen kleinen Schluck und musterte ihn dabei über den Rand hinweg. Was grinste der Idiot jetzt schon wieder?! Er konnte sich ja schlecht ernsthaft einbilden, sie hätte ihm gerade einen Orden für besondere Leistungen hinter der Hausfrauen-Theke verliehen.
Das Urteil "Trinkbar" war schließlich kaum überschwängliche Begeisterung. Dass sie trotzdem erneut trank, ging ihn schließlich überhaupt nichts an. Und wenn doch, würde sie notfalls behaupten, dass der Drink für seine Verhältnisse schlicht zu teuer gewesen sei, um seinen Inhalt ungenutzt stehenzulassen. Denn Geiz war durchaus ein Laster der dunklen Hexe, obwohl sie dies eigentlich überhaupt nicht nötig hatte.
Ihre Aufmerksamkeit verschob sich erst wieder, als Antares beim Anblick der unbekannten Dämonin für einen kaum messbaren Moment innehielt. Syrena hätte es vielleicht übersehen, wenn sie nicht ohnehin gerade jeden noch so kleinen Hinweis rund um Ashcrofts Kontaktperson aufsog. So aber blieb ihr das kurze Stocken nicht verborgen. Erst hatte Antares Ashcroft angesehen, jetzt reagierte er auf die Frau.
Er kannte sie vermutlich. Vielleicht nicht persönlich, aber offensichtlich gut genug, dass ihr Erscheinen selbst ihn für einen Augenblick aus seinem routinierten Ablauf brachte. Großartig. Jetzt war das Katerchen nicht nur lästig, sondern möglicherweise auch noch hilfreich. Der Abend entwickelte wirklich einen ausgesprochen schlechten Sinn für Humor.
Seine anschließende Warnung machte es nicht besser. Syrenas Braue hob sich erneut, diesmal allerdings weniger spöttisch als prüfend. Antares’ Ton hatte sich verändert. Kein lockerer Spruch, kein kindischer Versuch, sie möglichst kreativ zu beleidigen. Was er über die Dämonin sagte, meinte er offenbar ernst. Ach komm! Als müsste ausgerechnet Antares Lexington ihr erklären, wann jemand gefährlich war. Ein Teil von Syrena hätte seine Worte am liebsten schon aus Prinzip ignoriert. Der andere, beruflich deutlich vernünftigere Teil speicherte sie trotzdem ab. Man wurde nicht lange genug für Wolfram & Hart tätig, indem man Warnungen nur deshalb verwarf, weil einem der Überbringer gewaltig auf die Nerven ging.
Sie lehnte sich ein wenig zurück und ließ das Glas locker zwischen ihren Fingern ruhen, bevor sie beinahe divenhaft ihre Beine übereinanderschlug. „Ich bitte dich. Du bist das beste Beispiel dafür, dass man mich lieber nicht unterschätzen sollte.“ Ja, das wusste er doch noch zu gut! Und wenn nicht, konnte sie sein Gedächtnis mit Sicherheit auffrischen. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie brauchte weder seinen Schutz noch seine Warnungen. Schon gar nicht seine. Und trotzdem blieb dieses kleine, höchst lästige Wissen bestehen, dass Antares gerade möglicherweise über Informationen verfügte, die ihr selbst fehlten.
Also tat Syrena das, was sie am besten konnte: Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie etwas von ihm wollte. „So ernst? Ich dachte schon, du hättest sämtliche Überlebensinstinkte zusammen mit deinem guten Geschmack verloren.“ Nach einer Weile legte sie den Kopf ein wenig schief und betrachtete ihn mit jenem Blick, der gleichermaßen gelangweilt wie herausfordernd wirken konnte. „Aber zum ersten Mal heute klingst du, als wüsstest du tatsächlich, wovon du sprichst.“
Der Köder lag damit aus. Wenn Antares’ Ego noch immer auch nur annähernd so ausgeprägt war wie früher, musste sie lediglich abwarten, ob er freiwillig anbiss. Syrena widerstand der Versuchung, direkt nach dem Namen der Dämonin zu fragen. Zu offensichtlich, zu viel Interesse. Und ganz sicher würde sie ihm nicht das Vergnügen bereiten, ihn um etwas zu bitten.
Stattdessen beobachtete sie beiläufig seine Hände, als er den nächsten Shaker vorbereitete. Die Zutaten unterschieden sich deutlich von jenen, die eben noch in ihrem Cosmopolitan gelandet waren. Syrena ließ sich nichts anmerken, während sich die nächste Schlussfolgerung beinahe von selbst ergab. Er kannte nicht nur ihr Gesicht. Er kannte offenbar sogar ihre Bestellung. Oder zumindest wusste er, was man ihr servierte. Vielleicht war sie Stammgast. Vielleicht verlangte ihre dämonische Natur etwas Spezielleres. Vielleicht war es auch nur eine persönliche Vorliebe. Noch wusste Syrena zu wenig, um sich festzulegen, aber eines stand inzwischen fest: Antares war für ihren Auftrag plötzlich wesentlich relevanter geworden, als ihr lieb war.
Am Tisch hatte die Dämonin Ashcroft inzwischen erreicht. Syrena beobachtete sie nur aus dem Augenwinkel, während sie scheinbar viel zu sehr mit ihrem Drink und dem Barkeeper beschäftigt war. Die Begrüßung verriet zunächst wenig. Kein überschwängliches Wiedersehen, aber auch keine Unsicherheit zwischen Fremden. Das schwarze Etui blieb vorerst bei der Frau, eng an ihrem Körper, während Ashcroft spürbar aufmerksamer geworden war. Noch keine Übergabe. Weder ein geöffnetes Etui noch ein Blick auf dessen Inhalt. Gut. Sie hatte also noch etwas Zeit.
Und ausgerechnet das Gespräch mit Antares bot ihr plötzlich eine hervorragende Tarnung dafür. Eine Frau, die an der Bar saß, ihren Cosmopolitan trank und sich mit dem Barkeeper unterhielt, fiel deutlich weniger auf als jemand, dessen Aufmerksamkeit permanent an einem Tisch hing. Bleib noch fünf Minuten hier und sei ausnahmsweise nützlich, dachte sie. Allein der Gedanke fühlte sich falsch an. Wolfram & Hart schuldete ihr aber sowas von einen Zuschlag!
„Und trotzdem lässt man sie hier offenbar unbehelligt ein und aus gehen.“ Syrenas Ton klang nun beinahe belustigt, während sie einen kurzen Blick in Richtung der Dämonin warf. „Hat Mammon keine Sorge, dass sie dabei sein Inventar oder gleich einen seiner Gäste zerlegt, wenn sie so gefährlich ist? Dreck zu beseitigen kann teuer sein.“ Sie bedachte Antares mit einem sarkastischen Seitenblick. Dass sie dabei auch Mammon ein wenig auf die Schippe nehmen konnte, machte die Sache wenigstens erträglicher. Ihr Verhältnis zum Hausherrn war schließlich ebenfalls weit davon entfernt, von gegenseitiger Zuneigung geprägt zu sein.
Dann glitten ihre Augen erneut zu dem Shaker und den fremdartigeren Zutaten, die Antares darin verschwinden ließ. Diesmal ließ Syrena ein kleines, vielsagendes Lächeln zu. „Ah, ich sehe, sie bekommt also etwas anderes als der gewöhnliche Pöbel.“ Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Cosmopolitans und sah anschließend wieder scheinbar beiläufig durch den Club. Nach außen blieb es nichts weiter als bissiger Smalltalk mit einem Barkeeper, den sie offensichtlich nicht ausstehen konnte. Innerlich wartete Syrena längst darauf, ob das Katerchen endlich etwas wirklich Brauchbares ausplauderte.
Diese spürte sie jetzt deutlicher, da sie darauf achtete: Fremd, in dem dunklen Stein gebunden und keineswegs so belanglos, wie sie den Klunker zunächst hatte abtun wollen. Was genau darin steckte, konnte Syrena jedoch nicht sagen, wohl aber, dass er mehr war als hübsche Dekoration.
Ihr Blick glitt trotzdem demonstrativ zurück zu seinem Gesicht. Dass der Mistkerl ausgesprochen gut geraten war, änderte daran nichts. Antares Lexington konnte heiß aussehen und trotzdem der letzte Mann auf Erden sein, den sie freiwillig auch nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Beides ließ sich erstaunlich problemlos miteinander vereinbaren. „Wenn mir gefallen soll, was ich sehe, schaue ich lieber in mein Glas.“
Dass sein Schnauben auf ihr Urteil über den Cosmopolitan von diesem wissenden Schmunzeln begleitet wurde, gefiel ihr dagegen überhaupt nicht. Syrena nahm noch einen kleinen Schluck und musterte ihn dabei über den Rand hinweg. Was grinste der Idiot jetzt schon wieder?! Er konnte sich ja schlecht ernsthaft einbilden, sie hätte ihm gerade einen Orden für besondere Leistungen hinter der Hausfrauen-Theke verliehen.
Das Urteil "Trinkbar" war schließlich kaum überschwängliche Begeisterung. Dass sie trotzdem erneut trank, ging ihn schließlich überhaupt nichts an. Und wenn doch, würde sie notfalls behaupten, dass der Drink für seine Verhältnisse schlicht zu teuer gewesen sei, um seinen Inhalt ungenutzt stehenzulassen. Denn Geiz war durchaus ein Laster der dunklen Hexe, obwohl sie dies eigentlich überhaupt nicht nötig hatte.
Ihre Aufmerksamkeit verschob sich erst wieder, als Antares beim Anblick der unbekannten Dämonin für einen kaum messbaren Moment innehielt. Syrena hätte es vielleicht übersehen, wenn sie nicht ohnehin gerade jeden noch so kleinen Hinweis rund um Ashcrofts Kontaktperson aufsog. So aber blieb ihr das kurze Stocken nicht verborgen. Erst hatte Antares Ashcroft angesehen, jetzt reagierte er auf die Frau.
Er kannte sie vermutlich. Vielleicht nicht persönlich, aber offensichtlich gut genug, dass ihr Erscheinen selbst ihn für einen Augenblick aus seinem routinierten Ablauf brachte. Großartig. Jetzt war das Katerchen nicht nur lästig, sondern möglicherweise auch noch hilfreich. Der Abend entwickelte wirklich einen ausgesprochen schlechten Sinn für Humor.
Seine anschließende Warnung machte es nicht besser. Syrenas Braue hob sich erneut, diesmal allerdings weniger spöttisch als prüfend. Antares’ Ton hatte sich verändert. Kein lockerer Spruch, kein kindischer Versuch, sie möglichst kreativ zu beleidigen. Was er über die Dämonin sagte, meinte er offenbar ernst. Ach komm! Als müsste ausgerechnet Antares Lexington ihr erklären, wann jemand gefährlich war. Ein Teil von Syrena hätte seine Worte am liebsten schon aus Prinzip ignoriert. Der andere, beruflich deutlich vernünftigere Teil speicherte sie trotzdem ab. Man wurde nicht lange genug für Wolfram & Hart tätig, indem man Warnungen nur deshalb verwarf, weil einem der Überbringer gewaltig auf die Nerven ging.
Sie lehnte sich ein wenig zurück und ließ das Glas locker zwischen ihren Fingern ruhen, bevor sie beinahe divenhaft ihre Beine übereinanderschlug. „Ich bitte dich. Du bist das beste Beispiel dafür, dass man mich lieber nicht unterschätzen sollte.“ Ja, das wusste er doch noch zu gut! Und wenn nicht, konnte sie sein Gedächtnis mit Sicherheit auffrischen. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie brauchte weder seinen Schutz noch seine Warnungen. Schon gar nicht seine. Und trotzdem blieb dieses kleine, höchst lästige Wissen bestehen, dass Antares gerade möglicherweise über Informationen verfügte, die ihr selbst fehlten.
Also tat Syrena das, was sie am besten konnte: Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie etwas von ihm wollte. „So ernst? Ich dachte schon, du hättest sämtliche Überlebensinstinkte zusammen mit deinem guten Geschmack verloren.“ Nach einer Weile legte sie den Kopf ein wenig schief und betrachtete ihn mit jenem Blick, der gleichermaßen gelangweilt wie herausfordernd wirken konnte. „Aber zum ersten Mal heute klingst du, als wüsstest du tatsächlich, wovon du sprichst.“
Der Köder lag damit aus. Wenn Antares’ Ego noch immer auch nur annähernd so ausgeprägt war wie früher, musste sie lediglich abwarten, ob er freiwillig anbiss. Syrena widerstand der Versuchung, direkt nach dem Namen der Dämonin zu fragen. Zu offensichtlich, zu viel Interesse. Und ganz sicher würde sie ihm nicht das Vergnügen bereiten, ihn um etwas zu bitten.
Stattdessen beobachtete sie beiläufig seine Hände, als er den nächsten Shaker vorbereitete. Die Zutaten unterschieden sich deutlich von jenen, die eben noch in ihrem Cosmopolitan gelandet waren. Syrena ließ sich nichts anmerken, während sich die nächste Schlussfolgerung beinahe von selbst ergab. Er kannte nicht nur ihr Gesicht. Er kannte offenbar sogar ihre Bestellung. Oder zumindest wusste er, was man ihr servierte. Vielleicht war sie Stammgast. Vielleicht verlangte ihre dämonische Natur etwas Spezielleres. Vielleicht war es auch nur eine persönliche Vorliebe. Noch wusste Syrena zu wenig, um sich festzulegen, aber eines stand inzwischen fest: Antares war für ihren Auftrag plötzlich wesentlich relevanter geworden, als ihr lieb war.
Am Tisch hatte die Dämonin Ashcroft inzwischen erreicht. Syrena beobachtete sie nur aus dem Augenwinkel, während sie scheinbar viel zu sehr mit ihrem Drink und dem Barkeeper beschäftigt war. Die Begrüßung verriet zunächst wenig. Kein überschwängliches Wiedersehen, aber auch keine Unsicherheit zwischen Fremden. Das schwarze Etui blieb vorerst bei der Frau, eng an ihrem Körper, während Ashcroft spürbar aufmerksamer geworden war. Noch keine Übergabe. Weder ein geöffnetes Etui noch ein Blick auf dessen Inhalt. Gut. Sie hatte also noch etwas Zeit.
Und ausgerechnet das Gespräch mit Antares bot ihr plötzlich eine hervorragende Tarnung dafür. Eine Frau, die an der Bar saß, ihren Cosmopolitan trank und sich mit dem Barkeeper unterhielt, fiel deutlich weniger auf als jemand, dessen Aufmerksamkeit permanent an einem Tisch hing. Bleib noch fünf Minuten hier und sei ausnahmsweise nützlich, dachte sie. Allein der Gedanke fühlte sich falsch an. Wolfram & Hart schuldete ihr aber sowas von einen Zuschlag!
„Und trotzdem lässt man sie hier offenbar unbehelligt ein und aus gehen.“ Syrenas Ton klang nun beinahe belustigt, während sie einen kurzen Blick in Richtung der Dämonin warf. „Hat Mammon keine Sorge, dass sie dabei sein Inventar oder gleich einen seiner Gäste zerlegt, wenn sie so gefährlich ist? Dreck zu beseitigen kann teuer sein.“ Sie bedachte Antares mit einem sarkastischen Seitenblick. Dass sie dabei auch Mammon ein wenig auf die Schippe nehmen konnte, machte die Sache wenigstens erträglicher. Ihr Verhältnis zum Hausherrn war schließlich ebenfalls weit davon entfernt, von gegenseitiger Zuneigung geprägt zu sein.
Dann glitten ihre Augen erneut zu dem Shaker und den fremdartigeren Zutaten, die Antares darin verschwinden ließ. Diesmal ließ Syrena ein kleines, vielsagendes Lächeln zu. „Ah, ich sehe, sie bekommt also etwas anderes als der gewöhnliche Pöbel.“ Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Cosmopolitans und sah anschließend wieder scheinbar beiläufig durch den Club. Nach außen blieb es nichts weiter als bissiger Smalltalk mit einem Barkeeper, den sie offensichtlich nicht ausstehen konnte. Innerlich wartete Syrena längst darauf, ob das Katerchen endlich etwas wirklich Brauchbares ausplauderte.

