25.10.2026, 20:46
Lilith nickte knapp. Die Einschätzung, dass sie sich zu lange nicht gesehen hatten, teilte sie. Es wurde umso offensichtlicher, wenn man betrachtete, was sich alles geändert hatte. Bei ihr erst kürzlich… aber wie lange Aeshma schon die Seele eines toten menschlichen Wirts mit sich herumtrug, konnte sie nicht einmal annähernd erraten. Es machte ein wenig den Anschein, als sei es keine neue Entwicklung – so wie er von seinem Gefährten sprach. Ja, offensichtlich war zu viel Zeit vergangen.
“Ein Frevel”, bestätigte sie, allerdings recht neutral-formell. Die zweite Gelegenheit, das Gespräch zu öffnen für ihren Teil der ungewöhnlichen Veränderungen, aber wieder hielt sie sich zurück. Inzwischen war es allerdings weniger die Tatsache, dass ihre Aufmerksamkeit geteilt war und sie diese Anomalie zu sehr ablenkte; nein, vielmehr war es ein vorsichtiges Abschätzen, woran sie in dieser Situation war, die sich so anders präsentierte, als sie zum Zeitpunkt, als sie dieses Treffen anberaumte, geplant hatte.
Er hatte bemerkt, dass sie unmaskiert war, und wie unnatürlich das für sie war. Auch wenn sie Aeshma vertraute und sich in einem privaten Raum in ausschließlich seiner Anwesenheit nicht verbergen müsste, er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie die Maskierung nicht erst draußen vor der Tür abgelegt hatte. Engelsauren – ob nun die weißen der himmlischen Engel oder dunkle, so wie ihre – waren schließlich durch Gebäudegrenzen hinweg sichtbar, sofern die Räumlichkeiten keinem besonderen Schutz unterlagen.
Und obwohl der Gedanke in der Luft hing, obwohl Lilith bemerkte, dass Aeshma sich wunderte, griff sie den Faden nicht auf. Noch nicht. Nicht, solange die Frage seiner Begleitung noch ungeklärt war.
Er redete viel. Das bedeutete, dass die Seele durchaus noch als Entität wahrnehmbar war, und in gewisser Weise Einfluss nahm. Es war also mehr als ein bloßes Zurückbleiben, in irgendeiner Form schien sie noch enger mit dem Körper verbunden zu sein. Ausreichend wohl, dass sie Zugriff auf Aeshmas Gedanken hatte, oder sich zumindest darin äußern konnte.
Lilith selbst hörte sie nicht. Auch nicht durch den Körperkontakt, den sie durch die Hand auf seinem Oberarm hielt. Kurzzeitig spürte Lilith etwas in sich Aufkochen, das sie nicht genau zuordnen konnte – aber sicherlich war es irgendein Gefühl dazu, wie unfassbar eingeschränkt und nutzlos ihre Sicht aktuell war. Vielleicht lag es daran, dass sie ihren neuen Körper noch nicht gut genug kannte und daher nicht mit ihm umzugehen wusste. Definitiv war es nicht akzeptabel, wie stümperhaft ihre Fähigkeiten waren, und sie musste sie zurückerlangen.
Das drängende Bedürfnis, laut zu schreien und etwas durch den Raum zu werfen, deckelte sie augenblicklich zu und hielt es unten, da wo es herkam. Das lief nicht mühelos – die Zigarette, die Aeshma ihr anbot, kam gerade richtig. Sie ließ sie sich anzünden und nahm einen langsamen Zug.
“Mich interessiert vor allem, was eine menschliche Seele in einem dämonischen Körper hält. Es widerspricht fundamental allen Regeln unserer Welt, wie ich dir nicht erklären muss, und eröffnet gegebenenfalls spannende Optionen für meine Arbeit.” … der sie aktuell nicht nachging. Aber das war ein anderes Thema, zu dem sie womöglich später noch kommen würden.
“Und mich interessiert, wie viel sie von ihrer Umgebung mitbekommt. Nicht primär, wie oft sie sich zu Wort meldet… vielmehr was sie alles wahrnimmt, und ob sie mehr ausrichten kann, als dich mit ihrer Anwesenheit zu belästigen.” Etwa sein Verhalten zu beeinflussen. Sie sprach konsequent von der Seele – Aeshma hingegen nannte sie ‘seinen Wächter’. Das war bemerkenswert; als hätte er eine persönliche Beziehung zu diesem fehlplatzierten Rest menschlicher Existenz. Und dann bezeichnete er ihn sogar seinen besten Freund, wenn auch deutlich ironisch konnotiert, grinsend.
Als sein Grinsen kurz darauf noch breiter wurde, ohne dass sie selbst etwas gesagt oder getan hatte, machte Lilith einen Schritt zurück, leicht skeptisch.
“Du sprichst mit ihm”, stellte sie nüchtern fest. “Das ist… irritierend.”
Hier war eine dritte Person anwesend, die sie selbst nicht kannte, nicht eingeladen hatte, und die womöglich Zeuge war jedes Wortes, das sie hier mit jemandem wechselte, dem sie vertraute. In der Situation, in der sie sich aktuell befand, war das mehr als Grund genug für gesunde Skepsis.
“Ein Frevel”, bestätigte sie, allerdings recht neutral-formell. Die zweite Gelegenheit, das Gespräch zu öffnen für ihren Teil der ungewöhnlichen Veränderungen, aber wieder hielt sie sich zurück. Inzwischen war es allerdings weniger die Tatsache, dass ihre Aufmerksamkeit geteilt war und sie diese Anomalie zu sehr ablenkte; nein, vielmehr war es ein vorsichtiges Abschätzen, woran sie in dieser Situation war, die sich so anders präsentierte, als sie zum Zeitpunkt, als sie dieses Treffen anberaumte, geplant hatte.
Er hatte bemerkt, dass sie unmaskiert war, und wie unnatürlich das für sie war. Auch wenn sie Aeshma vertraute und sich in einem privaten Raum in ausschließlich seiner Anwesenheit nicht verbergen müsste, er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie die Maskierung nicht erst draußen vor der Tür abgelegt hatte. Engelsauren – ob nun die weißen der himmlischen Engel oder dunkle, so wie ihre – waren schließlich durch Gebäudegrenzen hinweg sichtbar, sofern die Räumlichkeiten keinem besonderen Schutz unterlagen.
Und obwohl der Gedanke in der Luft hing, obwohl Lilith bemerkte, dass Aeshma sich wunderte, griff sie den Faden nicht auf. Noch nicht. Nicht, solange die Frage seiner Begleitung noch ungeklärt war.
Er redete viel. Das bedeutete, dass die Seele durchaus noch als Entität wahrnehmbar war, und in gewisser Weise Einfluss nahm. Es war also mehr als ein bloßes Zurückbleiben, in irgendeiner Form schien sie noch enger mit dem Körper verbunden zu sein. Ausreichend wohl, dass sie Zugriff auf Aeshmas Gedanken hatte, oder sich zumindest darin äußern konnte.
Lilith selbst hörte sie nicht. Auch nicht durch den Körperkontakt, den sie durch die Hand auf seinem Oberarm hielt. Kurzzeitig spürte Lilith etwas in sich Aufkochen, das sie nicht genau zuordnen konnte – aber sicherlich war es irgendein Gefühl dazu, wie unfassbar eingeschränkt und nutzlos ihre Sicht aktuell war. Vielleicht lag es daran, dass sie ihren neuen Körper noch nicht gut genug kannte und daher nicht mit ihm umzugehen wusste. Definitiv war es nicht akzeptabel, wie stümperhaft ihre Fähigkeiten waren, und sie musste sie zurückerlangen.
Das drängende Bedürfnis, laut zu schreien und etwas durch den Raum zu werfen, deckelte sie augenblicklich zu und hielt es unten, da wo es herkam. Das lief nicht mühelos – die Zigarette, die Aeshma ihr anbot, kam gerade richtig. Sie ließ sie sich anzünden und nahm einen langsamen Zug.
“Mich interessiert vor allem, was eine menschliche Seele in einem dämonischen Körper hält. Es widerspricht fundamental allen Regeln unserer Welt, wie ich dir nicht erklären muss, und eröffnet gegebenenfalls spannende Optionen für meine Arbeit.” … der sie aktuell nicht nachging. Aber das war ein anderes Thema, zu dem sie womöglich später noch kommen würden.
“Und mich interessiert, wie viel sie von ihrer Umgebung mitbekommt. Nicht primär, wie oft sie sich zu Wort meldet… vielmehr was sie alles wahrnimmt, und ob sie mehr ausrichten kann, als dich mit ihrer Anwesenheit zu belästigen.” Etwa sein Verhalten zu beeinflussen. Sie sprach konsequent von der Seele – Aeshma hingegen nannte sie ‘seinen Wächter’. Das war bemerkenswert; als hätte er eine persönliche Beziehung zu diesem fehlplatzierten Rest menschlicher Existenz. Und dann bezeichnete er ihn sogar seinen besten Freund, wenn auch deutlich ironisch konnotiert, grinsend.
Als sein Grinsen kurz darauf noch breiter wurde, ohne dass sie selbst etwas gesagt oder getan hatte, machte Lilith einen Schritt zurück, leicht skeptisch.
“Du sprichst mit ihm”, stellte sie nüchtern fest. “Das ist… irritierend.”
Hier war eine dritte Person anwesend, die sie selbst nicht kannte, nicht eingeladen hatte, und die womöglich Zeuge war jedes Wortes, das sie hier mit jemandem wechselte, dem sie vertraute. In der Situation, in der sie sich aktuell befand, war das mehr als Grund genug für gesunde Skepsis.

