18.10.2026, 23:46
“... denn meine Schwester ist viel zu stark und stolz für solche dämlichen Gedanken.”
Sie schnaubte unwillkürlich, eine Art bittere, aber auf verdrehte Weise auch belustigte Reaktion darauf, wie nonchalant Mammon mit ihren durchaus bedenklichen Geständnissen zu ihrer derzeitigen Verfassung umging. Er drohte ihren Selbstmordgedanken, so als wären sie nichts weiter als eine Handvoll seiner Handlanger, die er herumkommandieren und wegbeordern konnte, wie es ihm beliebte.
Natürlich hörte sie auch die Fürsorge in seiner Aussage. Die Vehemenz, die gestern schon einmal angeklungen war, als er ihr genau hier vollkommen überzeugt erklärt hatte, dass sie noch immer dieselbe war, dass ihr Charakter nichts zu tun hatte mit ihrer Gnade und dass alles schon wieder werden würde. Lilith zweifelte noch immer daran – wie konnte sie auch nicht, wenn sie kaum still stehen konnte, und ihr Körper sich durch und durch fremd für sie anfühlte, aufgrund eines Vorgangs, der sie vor alledem hier nicht einmal ansatzweise aufgehalten hätte?
Kurz dachte sie darüber nach, ob sie noch einmal versuchen sollte, Gabriel zu kontaktieren… immerhin hatte er sie schon mehr als einmal geheilt, und es gab nie derartige Probleme, die Magie anschließend wieder loszuwerden. War es diesmal einfach zu viel? Oder zu schnell? Selbst wenn er nicht helfen konnte, vielleicht würde er das Problem besser sehen, als Mammon oder sie das konnten. Aber… als sie ihn zuletzt gerufen hatte, vorgestern, hatte sie keine Antwort bekommen. Da war nichts als Stille, was entweder bedeutete, dass er sie nicht erreichen konnte, wenn sie ohne ihre Gnade war… oder er hörte sie gar nicht erst. Sie konnte ihn nicht mehr rufen, weil sie kein voller Engel mehr war?
Keine der beiden Optionen war sonderlich erquickend. Keine der beiden Optionen trug dazu bei, dass sie mehr Interesse verspürte an diesem Leben, von dem Mammon sie so konsequent versuchte zu überzeugen, dass es weiterhin lebenswert war.
Er war inzwischen auf halbem Weg zu ihr, ungehalten gegenüber des Dealers, der ihm die Tabletten verkauft hatte, die selbst in höchster Dosis an ihr nicht wirkten. Lilith drehte sich ein kleines Stück zu ihm um, ließ aber eine Hand zur Stabilisierung an der Sofalehne ruhen.
“Wir hätten es wissen sollen”, wandte sie ein. Substanzen hatten nie an ihr gewirkt, vorher. Sie trank Alkohol, ja, weil sie den Geschmack schätzte. Eine berauschende Wirkung hatte er nie auf sie gehabt, und auch Mammon musste enorm viel mehr trinken als ein normaler Mensch, um die zu spüren.
“Reine Engelsmagie lässt sich nicht… von menschlichen Mitteln beeindrucken.” Die einzige Rechtfertigung für diese törichte Annahme war, dass sowohl Mammon als auch sie offensichtlich aktuell nicht wirklich klar denken konnten. Und dass niemand von ihnen Erfahrung hatte im Umgang damit, wie gnadenlose Engel funktionierten. Nicht aus nächster Nähe – sowohl aus dem Himmel als auch aus der Hölle wurden sie in der Regel verstoßen.
Mammons nächster Vorschlag waren noch stärkere Tabletten… magische. Lilith schüttelte knapp, aber entschieden den Kopf.
“Das letzte, was ich in meinem Körper brauche… ist mehr Magie.” Sie hatte jetzt schon Herzrasen, ihre Muskeln zitterten unkontrolliert, sie konnte nicht uneingeschränkt ruhig atmen. Ihr Körper war sterblich. Womöglich sollten sie nicht ganz so experimentierfreudig damit sein, was sie noch alles in ihn hineinstopften. Andererseits… vielleicht löste sich das Problem mit den Selbstmordgedanken dann von selbst?
Gerade wollte sie dazu ansetzen, diesen Gedanken zu verbalisieren, vielleicht auf eine morbide scherzhafte Weise, wenn ihr das gelang, da bemerkte sie, dass Mammon den restlichen Weg durch den Wohnbereich zurückgelegt hatte und nun direkt vor ihr stand, und er suchte offenbar ihren Blick. Und was er sagte…
Wir finden einen Weg. Es war nicht mehr nur ihr Problem, sie war nicht allein. Irgendwas an dieser Aussage, gepaart mit der Tatsache, wie nah er ihr plötzlich war, dass er seine Hand neben ihre gelegt hatte… etwas daran berührte Lilith. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sie das Bedürfnis, einfach aufzugeben – ihre Bemühungen, hier weiter zu stehen, die Suche nach einer Lösung, die Kontrolle über ihren zitternden Körper zu behalten – und ihn machen zu lassen. Egal was er tun würde, ihm einfach die Kontrolle zu überlassen, das Problem für sie zu lösen. Sich fallen zu lassen in dem Gedanken, dass jemand für sie sorgen würde.
Das Bedürfnis überkam sie so plötzlich, dass es ein paar Sekunden dauerte, bis sie sich sortiert hatte. Stille Sekunden, in denen sie einfach seinen Blick hielt…
Ehe sie kopfschüttelnd feststellte, dass das wieder eines dieser furchtbaren Gefühle sein musste, die sie beeinflussten. Widerlich.
Sie wandte den Blick ab und ging wieder ein paar Schritte, um die Unruhe in ihren Beinen loszuwerden.
“Ich muss nach draußen”, kam sie noch einmal auf die Eingangsdiskussion zurück. “Ich muss…”
Plötzlich regte sich ein Gedanke. Es war keine sichere Lösung, aber eventuell eine Idee, oder der Ansatz einer Idee, zumindest. Besser womöglich als alles, woran sie bisher gedacht hatten...
Sie schnaubte unwillkürlich, eine Art bittere, aber auf verdrehte Weise auch belustigte Reaktion darauf, wie nonchalant Mammon mit ihren durchaus bedenklichen Geständnissen zu ihrer derzeitigen Verfassung umging. Er drohte ihren Selbstmordgedanken, so als wären sie nichts weiter als eine Handvoll seiner Handlanger, die er herumkommandieren und wegbeordern konnte, wie es ihm beliebte.
Natürlich hörte sie auch die Fürsorge in seiner Aussage. Die Vehemenz, die gestern schon einmal angeklungen war, als er ihr genau hier vollkommen überzeugt erklärt hatte, dass sie noch immer dieselbe war, dass ihr Charakter nichts zu tun hatte mit ihrer Gnade und dass alles schon wieder werden würde. Lilith zweifelte noch immer daran – wie konnte sie auch nicht, wenn sie kaum still stehen konnte, und ihr Körper sich durch und durch fremd für sie anfühlte, aufgrund eines Vorgangs, der sie vor alledem hier nicht einmal ansatzweise aufgehalten hätte?
Kurz dachte sie darüber nach, ob sie noch einmal versuchen sollte, Gabriel zu kontaktieren… immerhin hatte er sie schon mehr als einmal geheilt, und es gab nie derartige Probleme, die Magie anschließend wieder loszuwerden. War es diesmal einfach zu viel? Oder zu schnell? Selbst wenn er nicht helfen konnte, vielleicht würde er das Problem besser sehen, als Mammon oder sie das konnten. Aber… als sie ihn zuletzt gerufen hatte, vorgestern, hatte sie keine Antwort bekommen. Da war nichts als Stille, was entweder bedeutete, dass er sie nicht erreichen konnte, wenn sie ohne ihre Gnade war… oder er hörte sie gar nicht erst. Sie konnte ihn nicht mehr rufen, weil sie kein voller Engel mehr war?
Keine der beiden Optionen war sonderlich erquickend. Keine der beiden Optionen trug dazu bei, dass sie mehr Interesse verspürte an diesem Leben, von dem Mammon sie so konsequent versuchte zu überzeugen, dass es weiterhin lebenswert war.
Er war inzwischen auf halbem Weg zu ihr, ungehalten gegenüber des Dealers, der ihm die Tabletten verkauft hatte, die selbst in höchster Dosis an ihr nicht wirkten. Lilith drehte sich ein kleines Stück zu ihm um, ließ aber eine Hand zur Stabilisierung an der Sofalehne ruhen.
“Wir hätten es wissen sollen”, wandte sie ein. Substanzen hatten nie an ihr gewirkt, vorher. Sie trank Alkohol, ja, weil sie den Geschmack schätzte. Eine berauschende Wirkung hatte er nie auf sie gehabt, und auch Mammon musste enorm viel mehr trinken als ein normaler Mensch, um die zu spüren.
“Reine Engelsmagie lässt sich nicht… von menschlichen Mitteln beeindrucken.” Die einzige Rechtfertigung für diese törichte Annahme war, dass sowohl Mammon als auch sie offensichtlich aktuell nicht wirklich klar denken konnten. Und dass niemand von ihnen Erfahrung hatte im Umgang damit, wie gnadenlose Engel funktionierten. Nicht aus nächster Nähe – sowohl aus dem Himmel als auch aus der Hölle wurden sie in der Regel verstoßen.
Mammons nächster Vorschlag waren noch stärkere Tabletten… magische. Lilith schüttelte knapp, aber entschieden den Kopf.
“Das letzte, was ich in meinem Körper brauche… ist mehr Magie.” Sie hatte jetzt schon Herzrasen, ihre Muskeln zitterten unkontrolliert, sie konnte nicht uneingeschränkt ruhig atmen. Ihr Körper war sterblich. Womöglich sollten sie nicht ganz so experimentierfreudig damit sein, was sie noch alles in ihn hineinstopften. Andererseits… vielleicht löste sich das Problem mit den Selbstmordgedanken dann von selbst?
Gerade wollte sie dazu ansetzen, diesen Gedanken zu verbalisieren, vielleicht auf eine morbide scherzhafte Weise, wenn ihr das gelang, da bemerkte sie, dass Mammon den restlichen Weg durch den Wohnbereich zurückgelegt hatte und nun direkt vor ihr stand, und er suchte offenbar ihren Blick. Und was er sagte…
Wir finden einen Weg. Es war nicht mehr nur ihr Problem, sie war nicht allein. Irgendwas an dieser Aussage, gepaart mit der Tatsache, wie nah er ihr plötzlich war, dass er seine Hand neben ihre gelegt hatte… etwas daran berührte Lilith. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sie das Bedürfnis, einfach aufzugeben – ihre Bemühungen, hier weiter zu stehen, die Suche nach einer Lösung, die Kontrolle über ihren zitternden Körper zu behalten – und ihn machen zu lassen. Egal was er tun würde, ihm einfach die Kontrolle zu überlassen, das Problem für sie zu lösen. Sich fallen zu lassen in dem Gedanken, dass jemand für sie sorgen würde.
Das Bedürfnis überkam sie so plötzlich, dass es ein paar Sekunden dauerte, bis sie sich sortiert hatte. Stille Sekunden, in denen sie einfach seinen Blick hielt…
Ehe sie kopfschüttelnd feststellte, dass das wieder eines dieser furchtbaren Gefühle sein musste, die sie beeinflussten. Widerlich.
Sie wandte den Blick ab und ging wieder ein paar Schritte, um die Unruhe in ihren Beinen loszuwerden.
“Ich muss nach draußen”, kam sie noch einmal auf die Eingangsdiskussion zurück. “Ich muss…”
Plötzlich regte sich ein Gedanke. Es war keine sichere Lösung, aber eventuell eine Idee, oder der Ansatz einer Idee, zumindest. Besser womöglich als alles, woran sie bisher gedacht hatten...

