30.08.2026, 19:58
Dass Mammon ihre Art, neugierig zu sein, offenbar für vollkommen unsinnig hielt, ließ Hope ihn einen Moment lang ansehen, als hätte er ihr gerade bestätigt, dass er kommunikativ tatsächlich ungefähr so feinfühlig wie eine Abrissbirne war.
Ihr offenes Lächeln verschwand nicht ganz, wurde aber etwas schmaler. „Vielleicht bekomme ich weniger mit“, gab sie zögerlich zu und sah wieder über das Geländer hinunter zur Tanzfläche. „Aber ich kann erst schauen und selbst entscheiden, ob ich näher ran will.“ Ihre Finger drehten das Glas leicht zwischen sich, während der Bass unter ihren Sohlen vibrierte. „Von hier oben kann mich nichts so schnell überraschen.“ Ja, irgendwie hatte sie gerade das Gefühl, sich zu rechtfertigen. Mammon mochte es bevorzugen, einfach mitten in etwas hineinzulaufen, sobald es seine Aufmerksamkeit weckte; Hope gefiel es erheblich besser, zunächst zu wissen, worauf sie sich überhaupt einließ. Vertrauen war gut – Kontrolle allerdings um Längen besser!
Die Erklärung, die er ihr über die Auren gab, sorgte jedoch dafür, dass sich ihre Aufmerksamkeit sofort vollständig von der Menge löste. „Du kannst meine Aura lesen?“ Ihre Augen wurden größer und richteten sich nun ganz auf ihn, ehe der Zusatz über das Dämonische darin ihr Gesicht wieder ernster werden ließ. Sie musste schlucken. Dann zog sie das Glas etwas näher an sich. „Kannst du… unterscheiden, was davon… sie ist?“ Ihre Worte wurden gegen Ende des Satzes immer leiser, und Hope zögerte kurz, bevor sie die eigentliche Frage nachschob, konnte seinem Blick dabei jedoch nicht mehr standhalten. „Und was davon… zu mir gehört?“ Kurz glitt ihr Blick seitlich zu ihm, als könne sie durch diese Pforte etwas vor ihm verbergen. Sie wollte die Antwort tatsächlich wissen, keine Frage, und vielleicht mehr, als ihr lieb war. Gerade deshalb lag in ihren Augen gerade auch eine Spur Angst. Wenn Mammon wirklich erkennen konnte, wo Lamia endete und Hope begann, könnte er ihr möglicherweise etwas sagen, das sie selbst noch immer nicht begreifen konnte.
Seine beiläufige Bemerkung über die Vampirin zog ihren Blick gleich darauf wieder nach unten. Hope suchte das Paar sofort in der Menge und beobachtete die beiden nun erheblich genauer. Vor wenigen Augenblicken hatten sie noch einfach wie zwei Menschen ausgesehen, die einander ausgesprochen interessant fanden; jetzt stellte sie sich unwillkürlich Zähne, Blut und die Eventualität vor, dass der Mann womöglich überhaupt nicht wusste, worauf er sich einließ. Ihre Unterlippe geriet kurz zwischen die Zähne.
„Ob er das weiß?“, murmelte sie mehr zu sich selbst, bevor sie doch zu Mammon sah. Nach kurzem Zögern dann fragte sie vorsichtig: „Würde sie ihn hier töten?“ Dass Mammon darüber wahrscheinlich wesentlich weniger besorgt wäre als sie selbst, ahnte Hope inzwischen durchaus.
Als er anschließend erklärte, dass er gewöhnliche Anziehung weder sehen noch spüren konnte, tauchte in ihrem Kopf zunächst nur ein einziges, erstaunlich erleichtertes Wort auf. Gut. Sie hatte kaum Zeit, sich darüber zu wundern, wie schnell diese Erleichterung gekommen war, als Mammon bereits nachsetzte, ob sie etwa ihn gemeint habe.
Hope hatte gerade einen Schluck von ihrem Blackberry Bramble genommen und verschluckte sich prompt daran. Sie hustete, zog das Glas hastig von den Lippen weg und legte die freie Hand kurz vor den Mund, während die Wärme ihr innerhalb weniger Sekunden bis in die Ohren stieg. Einen Moment dauerte es, bis sie wieder nach Luft ringen konnte – und sich auch innerlich halbwegs gefangen hatte. „Ich… ich habe allgemein gefragt“, brachte sie viel zu schnell hervor.
Technisch gesehen war das nicht einmal gelogen. Sie hatte allgemein gefragt. Nur eben nicht ausschließlich. Ihr Blick flüchtete sofort wieder zur Tanzfläche hinunter, während sie mit einem wesentlich kleineren Schluck versuchte, ihre Kehle zu beruhigen. Zum Glück konnte sie das leuchtende Rot ihrer Wangen auf ihr Verschlucken schieben.
Doch ganz so hilfreich war Mammons Antwort ohnehin nicht. Vielleicht konnte er ihre Anziehung nicht übernatürlich wahrnehmen, doch nach dem Fahrstuhl wusste er bereits genug über die Art, wie ihr Körper auf ihn reagiert hatte. Er brauchte dafür vermutlich überhaupt keine besondere Fähigkeit mehr.
Seine anschließend vollkommen selbstverständliche Behauptung, jeder fühle sich zu ihm hingezogen, hätte Hope unter anderen Umständen wahrscheinlich nur die Augen verdrehen lassen. Stattdessen sah sie doch wieder zu ihm. Diesmal nicht nur flüchtig. Ihr Blick wanderte prüfend über sein Gesicht, seine Kleidung unter der sich sein Körper nur erahnen ließ, die lässige Haltung, mit der er sein Glas hielt, und verweilte länger an ihm, als sie eigentlich gewollt hatte.
Die unangenehme Antwort auf die unausgesprochene Frage lautete leider: Ja. Er war attraktiv. Sehr sogar. Hope spürte sofort, wie die eben erst abgeklungene Röte wieder stärker wurde, und senkte beinahe ertappt den Blick auf ihren Bramble. Dabei kam ihr beinahe automatisch der gegenteilige Gedanke. Sie selbst wusste kaum, wie sie auf andere wirkte. Normalerweise tat sie genug dafür, gar nicht erst auf diese Weise angesehen zu werden; weite Kleidung, wenig Aufmerksamkeit auf ihren Körper, nichts, was besonders weiblich oder auffällig wirken sollte. Dass Lamia sie heute völlig anders herausgeputzt hatte, änderte nichts daran, dass Hope keine Ahnung hatte, was Männer sahen, wenn sie sie ansahen. „Wir können uns das ja nicht aussuchen“, murmelte sie schließlich so leise in Richtung ihres Glases, dass sie fest davon ausging, Mammon könne es bei der Musik ohnehin nicht hören.
Als er sie fragte, wohin sie als Nächstes wollte, wäre ihre ehrlichste erste Antwort vermutlich gewesen: Nirgendwo. Denn hier oben gefiel es ihr. Eigentlich wollte sie gar nicht weg…
Trotzdem wanderte ihr Blick erneut über das Geländer. Unten drängten sich die Gäste noch immer im wechselnden Licht, doch der Anblick löste diesmal nicht mehr denselben unmittelbaren Rückzugsimpuls in ihr aus. Gleichzeitig bewegte sich die Spitze ihres Schuhs längst wieder leicht zum Rhythmus der Musik. Sie bemerkte es, sah kurz hinunter und wunderte sich schon deutlich weniger als beim ersten Mal, wo ihr Fuß offenbar ein Eigenleben entwickelt hatte. Wenn sie hier oben blieb, würde sie weiterhin nur beobachten. Sicherer, ja. Aber vielleicht hatte Mammon zumindest in einem Punkt recht: Von hier bekam sie tatsächlich nur einen Teil mit.
Hope atmete tief ein. Hielt die Luft einen kurzen Moment in der Brust fest und ließ sie langsam wieder hinausströmen, während ihr Blick auf der Tanzfläche blieb. Wie ein Turmspringer, der zum ersten Mal von einem Zehn-Meter-Brett springen musste. Oder hundert Meter. Doch sie musste sich eingestehen: Das Beobachten hatte seinen Zweck erfüllt. Sie wusste inzwischen, wie der Raum aussah, wo die Menschen standen, wie sich die Menge bewegte. Niemand zwang sie, mitten hineinzulaufen. Vielleicht konnte sie selbst bestimmen, wie nah sie heranging und wann es genug war. War genau das der Unterschied zwischen Mammons Vorstellung und ihrer eigenen? Schließlich musste die Dunkelhaarige nicht blind springen, um irgendwann freiwillig einen Schritt näher zu treten.
„Vielleicht… die Tanzfläche“, sagte sie schließlich beim Ausatmen. Ihre Finger schlossen sich etwas fester um das Glas, obwohl sie ihre Entscheidung nicht zurücknahm. „Aber erst einmal nur an den Rand.“ Einen Moment blieb sie noch stehen, ehe ihr Blick fast verlegen zu Mammon wanderte. Jetzt, wo sie es ausgesprochen hatte, fiel ihr noch etwas ein, das die ganze Sache keineswegs einfacher machte. Ihre Lippen öffneten sich, doch zunächst kam kein Wort heraus. Erst beim zweiten Anlauf, gelang es ihr, die Worte herauszubringen. „A-aber… ich… ich kann nicht tanzen.“ Nun war es heraus und sie verzog das Gesicht, als wenn sie gerade beim Glücksspiel eine Niete gezogen hatte. Er würde sie jetzt sicher auslachen, oder hier oben stehen lassen.
Ihr offenes Lächeln verschwand nicht ganz, wurde aber etwas schmaler. „Vielleicht bekomme ich weniger mit“, gab sie zögerlich zu und sah wieder über das Geländer hinunter zur Tanzfläche. „Aber ich kann erst schauen und selbst entscheiden, ob ich näher ran will.“ Ihre Finger drehten das Glas leicht zwischen sich, während der Bass unter ihren Sohlen vibrierte. „Von hier oben kann mich nichts so schnell überraschen.“ Ja, irgendwie hatte sie gerade das Gefühl, sich zu rechtfertigen. Mammon mochte es bevorzugen, einfach mitten in etwas hineinzulaufen, sobald es seine Aufmerksamkeit weckte; Hope gefiel es erheblich besser, zunächst zu wissen, worauf sie sich überhaupt einließ. Vertrauen war gut – Kontrolle allerdings um Längen besser!
Die Erklärung, die er ihr über die Auren gab, sorgte jedoch dafür, dass sich ihre Aufmerksamkeit sofort vollständig von der Menge löste. „Du kannst meine Aura lesen?“ Ihre Augen wurden größer und richteten sich nun ganz auf ihn, ehe der Zusatz über das Dämonische darin ihr Gesicht wieder ernster werden ließ. Sie musste schlucken. Dann zog sie das Glas etwas näher an sich. „Kannst du… unterscheiden, was davon… sie ist?“ Ihre Worte wurden gegen Ende des Satzes immer leiser, und Hope zögerte kurz, bevor sie die eigentliche Frage nachschob, konnte seinem Blick dabei jedoch nicht mehr standhalten. „Und was davon… zu mir gehört?“ Kurz glitt ihr Blick seitlich zu ihm, als könne sie durch diese Pforte etwas vor ihm verbergen. Sie wollte die Antwort tatsächlich wissen, keine Frage, und vielleicht mehr, als ihr lieb war. Gerade deshalb lag in ihren Augen gerade auch eine Spur Angst. Wenn Mammon wirklich erkennen konnte, wo Lamia endete und Hope begann, könnte er ihr möglicherweise etwas sagen, das sie selbst noch immer nicht begreifen konnte.
Seine beiläufige Bemerkung über die Vampirin zog ihren Blick gleich darauf wieder nach unten. Hope suchte das Paar sofort in der Menge und beobachtete die beiden nun erheblich genauer. Vor wenigen Augenblicken hatten sie noch einfach wie zwei Menschen ausgesehen, die einander ausgesprochen interessant fanden; jetzt stellte sie sich unwillkürlich Zähne, Blut und die Eventualität vor, dass der Mann womöglich überhaupt nicht wusste, worauf er sich einließ. Ihre Unterlippe geriet kurz zwischen die Zähne.
„Ob er das weiß?“, murmelte sie mehr zu sich selbst, bevor sie doch zu Mammon sah. Nach kurzem Zögern dann fragte sie vorsichtig: „Würde sie ihn hier töten?“ Dass Mammon darüber wahrscheinlich wesentlich weniger besorgt wäre als sie selbst, ahnte Hope inzwischen durchaus.
Als er anschließend erklärte, dass er gewöhnliche Anziehung weder sehen noch spüren konnte, tauchte in ihrem Kopf zunächst nur ein einziges, erstaunlich erleichtertes Wort auf. Gut. Sie hatte kaum Zeit, sich darüber zu wundern, wie schnell diese Erleichterung gekommen war, als Mammon bereits nachsetzte, ob sie etwa ihn gemeint habe.
Hope hatte gerade einen Schluck von ihrem Blackberry Bramble genommen und verschluckte sich prompt daran. Sie hustete, zog das Glas hastig von den Lippen weg und legte die freie Hand kurz vor den Mund, während die Wärme ihr innerhalb weniger Sekunden bis in die Ohren stieg. Einen Moment dauerte es, bis sie wieder nach Luft ringen konnte – und sich auch innerlich halbwegs gefangen hatte. „Ich… ich habe allgemein gefragt“, brachte sie viel zu schnell hervor.
Technisch gesehen war das nicht einmal gelogen. Sie hatte allgemein gefragt. Nur eben nicht ausschließlich. Ihr Blick flüchtete sofort wieder zur Tanzfläche hinunter, während sie mit einem wesentlich kleineren Schluck versuchte, ihre Kehle zu beruhigen. Zum Glück konnte sie das leuchtende Rot ihrer Wangen auf ihr Verschlucken schieben.
Doch ganz so hilfreich war Mammons Antwort ohnehin nicht. Vielleicht konnte er ihre Anziehung nicht übernatürlich wahrnehmen, doch nach dem Fahrstuhl wusste er bereits genug über die Art, wie ihr Körper auf ihn reagiert hatte. Er brauchte dafür vermutlich überhaupt keine besondere Fähigkeit mehr.
Seine anschließend vollkommen selbstverständliche Behauptung, jeder fühle sich zu ihm hingezogen, hätte Hope unter anderen Umständen wahrscheinlich nur die Augen verdrehen lassen. Stattdessen sah sie doch wieder zu ihm. Diesmal nicht nur flüchtig. Ihr Blick wanderte prüfend über sein Gesicht, seine Kleidung unter der sich sein Körper nur erahnen ließ, die lässige Haltung, mit der er sein Glas hielt, und verweilte länger an ihm, als sie eigentlich gewollt hatte.
Die unangenehme Antwort auf die unausgesprochene Frage lautete leider: Ja. Er war attraktiv. Sehr sogar. Hope spürte sofort, wie die eben erst abgeklungene Röte wieder stärker wurde, und senkte beinahe ertappt den Blick auf ihren Bramble. Dabei kam ihr beinahe automatisch der gegenteilige Gedanke. Sie selbst wusste kaum, wie sie auf andere wirkte. Normalerweise tat sie genug dafür, gar nicht erst auf diese Weise angesehen zu werden; weite Kleidung, wenig Aufmerksamkeit auf ihren Körper, nichts, was besonders weiblich oder auffällig wirken sollte. Dass Lamia sie heute völlig anders herausgeputzt hatte, änderte nichts daran, dass Hope keine Ahnung hatte, was Männer sahen, wenn sie sie ansahen. „Wir können uns das ja nicht aussuchen“, murmelte sie schließlich so leise in Richtung ihres Glases, dass sie fest davon ausging, Mammon könne es bei der Musik ohnehin nicht hören.
Als er sie fragte, wohin sie als Nächstes wollte, wäre ihre ehrlichste erste Antwort vermutlich gewesen: Nirgendwo. Denn hier oben gefiel es ihr. Eigentlich wollte sie gar nicht weg…
Trotzdem wanderte ihr Blick erneut über das Geländer. Unten drängten sich die Gäste noch immer im wechselnden Licht, doch der Anblick löste diesmal nicht mehr denselben unmittelbaren Rückzugsimpuls in ihr aus. Gleichzeitig bewegte sich die Spitze ihres Schuhs längst wieder leicht zum Rhythmus der Musik. Sie bemerkte es, sah kurz hinunter und wunderte sich schon deutlich weniger als beim ersten Mal, wo ihr Fuß offenbar ein Eigenleben entwickelt hatte. Wenn sie hier oben blieb, würde sie weiterhin nur beobachten. Sicherer, ja. Aber vielleicht hatte Mammon zumindest in einem Punkt recht: Von hier bekam sie tatsächlich nur einen Teil mit.
Hope atmete tief ein. Hielt die Luft einen kurzen Moment in der Brust fest und ließ sie langsam wieder hinausströmen, während ihr Blick auf der Tanzfläche blieb. Wie ein Turmspringer, der zum ersten Mal von einem Zehn-Meter-Brett springen musste. Oder hundert Meter. Doch sie musste sich eingestehen: Das Beobachten hatte seinen Zweck erfüllt. Sie wusste inzwischen, wie der Raum aussah, wo die Menschen standen, wie sich die Menge bewegte. Niemand zwang sie, mitten hineinzulaufen. Vielleicht konnte sie selbst bestimmen, wie nah sie heranging und wann es genug war. War genau das der Unterschied zwischen Mammons Vorstellung und ihrer eigenen? Schließlich musste die Dunkelhaarige nicht blind springen, um irgendwann freiwillig einen Schritt näher zu treten.
„Vielleicht… die Tanzfläche“, sagte sie schließlich beim Ausatmen. Ihre Finger schlossen sich etwas fester um das Glas, obwohl sie ihre Entscheidung nicht zurücknahm. „Aber erst einmal nur an den Rand.“ Einen Moment blieb sie noch stehen, ehe ihr Blick fast verlegen zu Mammon wanderte. Jetzt, wo sie es ausgesprochen hatte, fiel ihr noch etwas ein, das die ganze Sache keineswegs einfacher machte. Ihre Lippen öffneten sich, doch zunächst kam kein Wort heraus. Erst beim zweiten Anlauf, gelang es ihr, die Worte herauszubringen. „A-aber… ich… ich kann nicht tanzen.“ Nun war es heraus und sie verzog das Gesicht, als wenn sie gerade beim Glücksspiel eine Niete gezogen hatte. Er würde sie jetzt sicher auslachen, oder hier oben stehen lassen.

