25.10.2026, 17:54
Er lachte wieder… das ließ die Dunkelhaarige für einen Moment erneut an ihrer eigenen Frage zweifeln. Nicht daran, ob sie sie hatte stellen dürfen, sondern daran, ob sie schon wieder etwas nicht wusste, das für alle anderen offenbar vollkommen selbstverständlich war. Ihr Blick wurde unsicherer, als Mammon schließlich verstummte und sie irritiert ansah. „Doch… schon“, gab sie leiser zurück. Natürlich wusste Hope, was Menschen sich unter der Hölle vorstellten. Aber Vorstellung und Gewissheit waren zwei verschiedene Dinge, und Mammon sprach darüber, als würde er von einem Ort erzählen, an dem er gestern noch gewesen war. Mit seiner Antwort klang die Hölle plötzlich wieder genauso schrecklich, wie Hope sie sich immer vorgestellt hatte: Keine Wahl, nur Folter ohne die Hoffnung auf Erlösung. Hope schluckte. „Für… immer…?“ Etwas daran ließ ihre Gedanken sofort in eine Richtung wandern, die ihr überhaupt nicht gefiel. Wer entschied eigentlich, welche Seele dort landete? Reichte es, Schreckliches zu denken? Musste man es tun? Zählte das, was Lamia mit ihrem Körper tat, irgendwann auch gegen sie?
Würden Himmel und Hölle überhaupt zwischen ihnen beiden unterscheiden? Und was war mit den Dingen, von denen Hope inzwischen wusste, dass sie selbst sie wollte – wenigstens manchmal? Woher wusste man überhaupt, ob man selbst eines Tages zu diesen Seelen gehörte? Allein der Gedanke ließ sie unwillkürlich frösteln.
Dass Mammon beim nächsten Thema noch immer nicht verstand, was sie meinte, überraschte Hope inzwischen weniger. Trotzdem sah sie ihn irritiert an. „Das… habꞌ ich doch auch gar nicht gemeint.“ Einen Partner hatte sie nie verlangt. Eigentlich wusste sie selbst kaum, was sie verlangte. Nur, dass Sex für Mammon offenbar etwas so Einfaches war wie Tanzen oder Trinken: Man wollte es, also tat man es, ohne darüber nachzudenken. Bei ihr fühlte sich schon die Vorstellung komplizierter an. „Ich weiß doch überhaupt nicht, wie das für mich wäre“, sagte sie schließlich und merkte selbst, wie hilflos das klang. Und es machte sie gerade wütend auf sich selbst. „Aber… mit jemandem, den ich gar nicht kenne…“ Der Satz verlor sich, bevor sie wusste, wie sie ihn beenden sollte. Sie konnte nicht behaupten, zu wissen, was sie irgendwann brauchte, damit körperliche Nähe schön wurde. Vielleicht Vertrauen, vielleicht Zeit. Vielleicht auch einfach nur das Ausschalten ihres Kopfes, was ihr gefühlt niemals gelingen würde. Oder etwas ganz anderes, von dem sie noch nicht einmal wusste, dass es existierte. Aber irgendein passender Mann, etwas Rücksicht und schon wäre das Problem gelöst? Bei dieser Vorstellung regte sich in ihr jedenfalls nichts, das danach verlangte, es auszuprobieren.
Seine Gegenfrage auf ihre Vermutung über fremdes Leid brachte Hope dagegen dazu, ihn genauer anzusehen. „Was glaubst du denn?“ war keine Antwort. Und gerade bei Mammon fiel ihr das auf. Er hatte ihr ohne jedes Zögern erklärt, dass er Bloßstellung, Folter und fremdes Elend genoss. Warum sollte er also ausgerechnet jetzt plötzlich ausweichen, wenn ihm tatsächlich jeder vollkommen gleichgültig war?
Hope zog die Brauen leicht zusammen. „Ich glaube… nicht ganz.“ Sie beobachtete sein Gesicht, als könnte sie dort vielleicht etwas finden, das seine Worte nicht verrieten. „Sonst hättest du wahrscheinlich einfach Ja gesagt.“ Es war eine logische Schlussfolgerung, doch sie traute sich nicht, weiter zu fragen. Wer diese Ausnahme sein könnte, wusste sie nicht, aber offenbar gab es irgendwo eine Grenze, auch wenn Mammon sie gerade wohl kaum freiwillig zeigen würde.
Bei seinem Kommentar über zufälligen Sex brauchte Hope wiederum einen Augenblick, bis sie überhaupt verstand, wo er gedanklich abgebogen war. Himmel, war das kompliziert! Sie blinzelte ihn an. Natürlich verstand er ausgerechnet das darunter. „Ich meinte… jemanden zufällig kennenzulernen“, stellte sie vorsichtig klar und machte eine winzige Pause, bevor sie fortfuhr. „Nicht… den Sex.“ Mehr wollte sie dazu wirklich nicht sagen.
Dass seine Antwort auf ihre Bitte, sie nicht allein zu lassen, diesmal hingegen mit einem entschiedenen „Absolut nicht“ begann, lockerte etwas in ihr, bevor seine Begründung diese Erleichterung unmittelbar wieder schief werden ließ. Natürlich wollte er bleiben, um ihr Gesicht zu sehen. Der erste Teil der Antwort war eindeutig beruhigender gewesen. Trotzdem – er würde nicht verschwinden. Seine Motivation gefiel ihr nicht besonders, aber das Ergebnis schon.
Hinter dem Empfang veränderte sich die Atmosphäre spürbar. Die Musik vom Club war noch zu hören, doch gedämpfter, weiter entfernt, während sich vor ihnen der ruhigere Flur mit seinen einzelnen Türen erstreckte. Hope wurde mit jedem Schritt bewusster, dass sie die Tanzfläche, die Menschenmenge und damit auch etwas Vertrautes, an das sie sich mittlerweile etwas gewöhnt hatte, hinter sich ließ. Dafür konnte sie sich an zwei Zusagen orientieren: Mammon hatte gesagt, dass sie wieder gehen durfte und er hatte gesagt, dass er bei ihr blieb. Es war nicht viel, aber genug, dass ihre Füße sie weitertrugen.
Als er ihr schließlich erklärte, dass sämtliche Räume frei waren und sie wählen konnte, musterte Hope die Türen der Reihe nach. „Sind die… alle unterschiedlich?“, fragte sie und sah kurz zu ihm. Eigentlich wäre es vermutlich einfacher gewesen, ihn entscheiden zu lassen. Dieser Gedanke erschien ihr allerdings nur wenige Sekunden lang wie eine gute Alternative. Wenn Mammon unbedingt ihre Reaktion sehen wollte, würde er vermutlich mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Tür auswählen, hinter der ihn die größte Unterhaltung erwartete. Nein, dann lieber selbst! Hopes Blick wanderte von der ersten zur zweiten und schließlich zur dritten Tür. Einen wirklich guten Grund hatte sie nicht. Andererseits brauchte sie vielleicht auch keinen. Aller guten Dinge waren schließlich drei. Sie blieb davor stehen und deutete darauf. „Dann… die dritte.“
Würden Himmel und Hölle überhaupt zwischen ihnen beiden unterscheiden? Und was war mit den Dingen, von denen Hope inzwischen wusste, dass sie selbst sie wollte – wenigstens manchmal? Woher wusste man überhaupt, ob man selbst eines Tages zu diesen Seelen gehörte? Allein der Gedanke ließ sie unwillkürlich frösteln.
Dass Mammon beim nächsten Thema noch immer nicht verstand, was sie meinte, überraschte Hope inzwischen weniger. Trotzdem sah sie ihn irritiert an. „Das… habꞌ ich doch auch gar nicht gemeint.“ Einen Partner hatte sie nie verlangt. Eigentlich wusste sie selbst kaum, was sie verlangte. Nur, dass Sex für Mammon offenbar etwas so Einfaches war wie Tanzen oder Trinken: Man wollte es, also tat man es, ohne darüber nachzudenken. Bei ihr fühlte sich schon die Vorstellung komplizierter an. „Ich weiß doch überhaupt nicht, wie das für mich wäre“, sagte sie schließlich und merkte selbst, wie hilflos das klang. Und es machte sie gerade wütend auf sich selbst. „Aber… mit jemandem, den ich gar nicht kenne…“ Der Satz verlor sich, bevor sie wusste, wie sie ihn beenden sollte. Sie konnte nicht behaupten, zu wissen, was sie irgendwann brauchte, damit körperliche Nähe schön wurde. Vielleicht Vertrauen, vielleicht Zeit. Vielleicht auch einfach nur das Ausschalten ihres Kopfes, was ihr gefühlt niemals gelingen würde. Oder etwas ganz anderes, von dem sie noch nicht einmal wusste, dass es existierte. Aber irgendein passender Mann, etwas Rücksicht und schon wäre das Problem gelöst? Bei dieser Vorstellung regte sich in ihr jedenfalls nichts, das danach verlangte, es auszuprobieren.
Seine Gegenfrage auf ihre Vermutung über fremdes Leid brachte Hope dagegen dazu, ihn genauer anzusehen. „Was glaubst du denn?“ war keine Antwort. Und gerade bei Mammon fiel ihr das auf. Er hatte ihr ohne jedes Zögern erklärt, dass er Bloßstellung, Folter und fremdes Elend genoss. Warum sollte er also ausgerechnet jetzt plötzlich ausweichen, wenn ihm tatsächlich jeder vollkommen gleichgültig war?
Hope zog die Brauen leicht zusammen. „Ich glaube… nicht ganz.“ Sie beobachtete sein Gesicht, als könnte sie dort vielleicht etwas finden, das seine Worte nicht verrieten. „Sonst hättest du wahrscheinlich einfach Ja gesagt.“ Es war eine logische Schlussfolgerung, doch sie traute sich nicht, weiter zu fragen. Wer diese Ausnahme sein könnte, wusste sie nicht, aber offenbar gab es irgendwo eine Grenze, auch wenn Mammon sie gerade wohl kaum freiwillig zeigen würde.
Bei seinem Kommentar über zufälligen Sex brauchte Hope wiederum einen Augenblick, bis sie überhaupt verstand, wo er gedanklich abgebogen war. Himmel, war das kompliziert! Sie blinzelte ihn an. Natürlich verstand er ausgerechnet das darunter. „Ich meinte… jemanden zufällig kennenzulernen“, stellte sie vorsichtig klar und machte eine winzige Pause, bevor sie fortfuhr. „Nicht… den Sex.“ Mehr wollte sie dazu wirklich nicht sagen.
Dass seine Antwort auf ihre Bitte, sie nicht allein zu lassen, diesmal hingegen mit einem entschiedenen „Absolut nicht“ begann, lockerte etwas in ihr, bevor seine Begründung diese Erleichterung unmittelbar wieder schief werden ließ. Natürlich wollte er bleiben, um ihr Gesicht zu sehen. Der erste Teil der Antwort war eindeutig beruhigender gewesen. Trotzdem – er würde nicht verschwinden. Seine Motivation gefiel ihr nicht besonders, aber das Ergebnis schon.
Hinter dem Empfang veränderte sich die Atmosphäre spürbar. Die Musik vom Club war noch zu hören, doch gedämpfter, weiter entfernt, während sich vor ihnen der ruhigere Flur mit seinen einzelnen Türen erstreckte. Hope wurde mit jedem Schritt bewusster, dass sie die Tanzfläche, die Menschenmenge und damit auch etwas Vertrautes, an das sie sich mittlerweile etwas gewöhnt hatte, hinter sich ließ. Dafür konnte sie sich an zwei Zusagen orientieren: Mammon hatte gesagt, dass sie wieder gehen durfte und er hatte gesagt, dass er bei ihr blieb. Es war nicht viel, aber genug, dass ihre Füße sie weitertrugen.
Als er ihr schließlich erklärte, dass sämtliche Räume frei waren und sie wählen konnte, musterte Hope die Türen der Reihe nach. „Sind die… alle unterschiedlich?“, fragte sie und sah kurz zu ihm. Eigentlich wäre es vermutlich einfacher gewesen, ihn entscheiden zu lassen. Dieser Gedanke erschien ihr allerdings nur wenige Sekunden lang wie eine gute Alternative. Wenn Mammon unbedingt ihre Reaktion sehen wollte, würde er vermutlich mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Tür auswählen, hinter der ihn die größte Unterhaltung erwartete. Nein, dann lieber selbst! Hopes Blick wanderte von der ersten zur zweiten und schließlich zur dritten Tür. Einen wirklich guten Grund hatte sie nicht. Andererseits brauchte sie vielleicht auch keinen. Aller guten Dinge waren schließlich drei. Sie blieb davor stehen und deutete darauf. „Dann… die dritte.“


