24.04.2026, 21:56
Als Mammon konterte, dass sie ‚beeindruckt‘ war von seiner Aufmerksamkeit, nahm Lilith kurzerhand eines der Zierkissen und warf es nach ihm. Weitaus nicht so energisch, wie sie es sonst getan hätte, dazu fehlte ihr einfach die Energie. Und auch wenn die Drogen den beißenden Schmerz in ihrer Seite erst einmal abgedämpft hatten, von Bewegungsfreiheit war sie dennoch recht weit entfernt.
Insgeheim war sie eventuell wirklich ein klein wenig beeindruckt. Nicht, dass sie das jemals zugegeben hätte – auch nicht unter Rauschmitteleinfluss. Aber Mammon war normalerweise so sehr von sich selbst eingenommen und auf nichts anderes fokussiert, dass es recht ungewöhnlich war, derartige Worte von ihm zu hören. Er verwarf aufmerksame Beobachtungen meist zugunsten anderer, weitaus banalerer Dinge, die seinen Fokus einnahmen. Begierde. Verlangen. Sex. Komplexere Probleme, alles, was nicht primär der Unterhaltung diente, wälzte er zu gern ab, meistens auf Kisai. Ihn nun so zu erleben war… ungewöhnlich. Lilith wusste noch nicht ganz, was sie davon halten sollte. Sorge, Mitgefühl, Zuneigung – das waren keine Dinge, die sie typischerweise füreinander übrig hatten. Sie vertrauten einfach darauf, dass der andere schon klar kam. Aber hier war sie nun, und kam nicht klar, war angewiesen auf seine Hilfe und er hatte allein in den vergangenen Stunden schon mehrfach bewiesen, wie viel ihm daran lag, dass ihr nichts geschah.
Aber sie sprachen nicht darüber, nicht offen. Zumindest nicht, wenn sie bei Sinnen waren… die Regel hatte sie gerade ein wenig gebrochen, aber ihr berauschter Kopf kannte offenbar aktuell keine Zügel. Und da ihr Körper mehr oder weniger unbrauchbar war… ihr Mundwerk war das einzige, was ihr blieb.
Sie wusste jetzt schon, dass sie all das Gesagte morgen wahrscheinlich bereuen würde.
Mammon richtete sich auf, und Lilith wusste instinktiv, dass er ihr jetzt eine Standpauke halten würde. Sie stellte ihr inzwischen wieder geleertes Glas zurück auf den Tisch und ließ den Oberkörper zurück in die Kissen sinken, das komplette Gegenteil zur Haltung ihres Bruders. Ihr blieb auch nicht viel anderes übrig, als es über sich ergehen zu lassen.
Er fragte, was die Alternative wäre. Nichts zu tun selbstverständlich nicht, niemals würde sie in ihrem aktuellen Zustand verweilen wollen. Aber…
„Ich könnte einfach sein beschissenes Spiel nicht mehr mitspielen und… aussteigen.“ Ihre Formulierung war recht weich gewählt dafür, was sie andeutete. Mammon würde es verstehen, sicherlich hatte er auch schon darüber nachgedacht. Sie war jetzt sterblich, und ihr Leben zu beenden war weitaus einfacher als zuvor, als sie beide vor der Herausforderung gestanden hatten, dass keiner von ihnen ein Engelsschwert besaß. Was hielt sie davon ab? Sollte Luzifer doch sehen, wo er blieb. Wer seinen Scheiß regelte, wenn sie nicht mehr da war. Ob es nun ein Test war, ein Akt der missgünstig getriebenen Gewalt – ihr blieb immer auch die Option, das Spiel einfach zu beenden.
Aber Mammon hielt ihr eine Rede, dass das Nichtstun nicht in ihrer Natur lag, weder in seiner noch in ihrer, und sie ahnte schon, dass er ähnliches auch darüber sagen würde. Nur… woher sollte sie die Kraft nehmen, wenn ihr nichts mehr blieb? Belastet von Emotionen, gefangen in einem sterblichen Körper?
Sie musste leise schnauben, als er begann aufzuzählen, warum sie mehr war als ihre Gnade und von ihrem Aussehen sprach – das hatte durchaus einen bizarren Unterton, wo sie blutüberströmt auf seiner Couch lag. In sauberer Kleidung zwar, aber widerlich ungewaschen und offensichtlich schwer verletzt. Es benötigte einiges an Fantasie, um ihm auf diesem Gedankengang folgen zu können.
Deine Entschlossenheit ist ebenso noch da und deine Willensstärke erst Recht, sonst hättest du es nicht geschafft, dich selbst zu befreien.”
„Ich fühle mich nicht entschlossen und willensstark“, erwiderte sie halblaut. Dann, deutlich frustriert: „Und das ist ja genau das Problem, oder nicht? Ich habe keine Ahnung mehr, wer ich bin, weil alles in mir drin belastet ist davon, was ich fühle. Ich existiere nicht mehr, ich fühle.“
Mammon verlangte an der Stelle ganz klar, dass sie sich zusammenriss und nach vorne schaute. Nicht mehr betrauerte, was sie verloren hatte, sondern den Fokus auf das richtete, was sie jetzt hatte, aber genau das war es ja, was sie so sehr belastete.
„Ich bin randvoll mit niederen Einflüssen, wie sie die Menschen und Dämonen empfinden. Inwiefern kann das etwas Positives sein? Und wie zur Hölle soll ich sie unter Kontrolle halten, sodass ich auch nur einen klaren Gedanken fassen kann, der nicht von widerlichen Emotionen beeinflusst ist?!“
Vielleicht hatte sie noch mehr ihrer Kräfte, als sie jetzt glaubte. Das konnte gut sein… sie war immer noch ein Engel, kein Mensch. Auch kein Dämon. Sie war sterblich, ja, aber menschlich war sie nicht. Sie heilte auch, das spürte sie, nur nicht ganz so schnell wie zuvor. Die Verletzungen eines Engelsschwertes wogen schwerer. Wahrscheinlich hatte Mammon Recht, mit allem was er sagte. Es war nur enorm ungewöhnlich, dass er die rationale, weise Stimme war und sie die emotional geprägte, die sich nicht regulieren ließ. Das war untypisch für sie, auch damit hatte er Recht. Sie war kein dahergelaufenes Gör… aber im direkten Einfluss ihrer neuen Emotionen, Empfindungen, die sie so noch nie gehabt hatte, mit denen sie nicht von Kindesbeinen an gelernt hatte umzugehen, so wie er – sie hatte keinerlei Kontrolle. Und dazu war sie auch noch high… aktuell verhielt sie sich offenbar wie ein ‚Gör‘. Aber sie konnte nichts dagegen tun.
Insgeheim war sie eventuell wirklich ein klein wenig beeindruckt. Nicht, dass sie das jemals zugegeben hätte – auch nicht unter Rauschmitteleinfluss. Aber Mammon war normalerweise so sehr von sich selbst eingenommen und auf nichts anderes fokussiert, dass es recht ungewöhnlich war, derartige Worte von ihm zu hören. Er verwarf aufmerksame Beobachtungen meist zugunsten anderer, weitaus banalerer Dinge, die seinen Fokus einnahmen. Begierde. Verlangen. Sex. Komplexere Probleme, alles, was nicht primär der Unterhaltung diente, wälzte er zu gern ab, meistens auf Kisai. Ihn nun so zu erleben war… ungewöhnlich. Lilith wusste noch nicht ganz, was sie davon halten sollte. Sorge, Mitgefühl, Zuneigung – das waren keine Dinge, die sie typischerweise füreinander übrig hatten. Sie vertrauten einfach darauf, dass der andere schon klar kam. Aber hier war sie nun, und kam nicht klar, war angewiesen auf seine Hilfe und er hatte allein in den vergangenen Stunden schon mehrfach bewiesen, wie viel ihm daran lag, dass ihr nichts geschah.
Aber sie sprachen nicht darüber, nicht offen. Zumindest nicht, wenn sie bei Sinnen waren… die Regel hatte sie gerade ein wenig gebrochen, aber ihr berauschter Kopf kannte offenbar aktuell keine Zügel. Und da ihr Körper mehr oder weniger unbrauchbar war… ihr Mundwerk war das einzige, was ihr blieb.
Sie wusste jetzt schon, dass sie all das Gesagte morgen wahrscheinlich bereuen würde.
Mammon richtete sich auf, und Lilith wusste instinktiv, dass er ihr jetzt eine Standpauke halten würde. Sie stellte ihr inzwischen wieder geleertes Glas zurück auf den Tisch und ließ den Oberkörper zurück in die Kissen sinken, das komplette Gegenteil zur Haltung ihres Bruders. Ihr blieb auch nicht viel anderes übrig, als es über sich ergehen zu lassen.
Er fragte, was die Alternative wäre. Nichts zu tun selbstverständlich nicht, niemals würde sie in ihrem aktuellen Zustand verweilen wollen. Aber…
„Ich könnte einfach sein beschissenes Spiel nicht mehr mitspielen und… aussteigen.“ Ihre Formulierung war recht weich gewählt dafür, was sie andeutete. Mammon würde es verstehen, sicherlich hatte er auch schon darüber nachgedacht. Sie war jetzt sterblich, und ihr Leben zu beenden war weitaus einfacher als zuvor, als sie beide vor der Herausforderung gestanden hatten, dass keiner von ihnen ein Engelsschwert besaß. Was hielt sie davon ab? Sollte Luzifer doch sehen, wo er blieb. Wer seinen Scheiß regelte, wenn sie nicht mehr da war. Ob es nun ein Test war, ein Akt der missgünstig getriebenen Gewalt – ihr blieb immer auch die Option, das Spiel einfach zu beenden.
Aber Mammon hielt ihr eine Rede, dass das Nichtstun nicht in ihrer Natur lag, weder in seiner noch in ihrer, und sie ahnte schon, dass er ähnliches auch darüber sagen würde. Nur… woher sollte sie die Kraft nehmen, wenn ihr nichts mehr blieb? Belastet von Emotionen, gefangen in einem sterblichen Körper?
Sie musste leise schnauben, als er begann aufzuzählen, warum sie mehr war als ihre Gnade und von ihrem Aussehen sprach – das hatte durchaus einen bizarren Unterton, wo sie blutüberströmt auf seiner Couch lag. In sauberer Kleidung zwar, aber widerlich ungewaschen und offensichtlich schwer verletzt. Es benötigte einiges an Fantasie, um ihm auf diesem Gedankengang folgen zu können.
Deine Entschlossenheit ist ebenso noch da und deine Willensstärke erst Recht, sonst hättest du es nicht geschafft, dich selbst zu befreien.”
„Ich fühle mich nicht entschlossen und willensstark“, erwiderte sie halblaut. Dann, deutlich frustriert: „Und das ist ja genau das Problem, oder nicht? Ich habe keine Ahnung mehr, wer ich bin, weil alles in mir drin belastet ist davon, was ich fühle. Ich existiere nicht mehr, ich fühle.“
Mammon verlangte an der Stelle ganz klar, dass sie sich zusammenriss und nach vorne schaute. Nicht mehr betrauerte, was sie verloren hatte, sondern den Fokus auf das richtete, was sie jetzt hatte, aber genau das war es ja, was sie so sehr belastete.
„Ich bin randvoll mit niederen Einflüssen, wie sie die Menschen und Dämonen empfinden. Inwiefern kann das etwas Positives sein? Und wie zur Hölle soll ich sie unter Kontrolle halten, sodass ich auch nur einen klaren Gedanken fassen kann, der nicht von widerlichen Emotionen beeinflusst ist?!“
Vielleicht hatte sie noch mehr ihrer Kräfte, als sie jetzt glaubte. Das konnte gut sein… sie war immer noch ein Engel, kein Mensch. Auch kein Dämon. Sie war sterblich, ja, aber menschlich war sie nicht. Sie heilte auch, das spürte sie, nur nicht ganz so schnell wie zuvor. Die Verletzungen eines Engelsschwertes wogen schwerer. Wahrscheinlich hatte Mammon Recht, mit allem was er sagte. Es war nur enorm ungewöhnlich, dass er die rationale, weise Stimme war und sie die emotional geprägte, die sich nicht regulieren ließ. Das war untypisch für sie, auch damit hatte er Recht. Sie war kein dahergelaufenes Gör… aber im direkten Einfluss ihrer neuen Emotionen, Empfindungen, die sie so noch nie gehabt hatte, mit denen sie nicht von Kindesbeinen an gelernt hatte umzugehen, so wie er – sie hatte keinerlei Kontrolle. Und dazu war sie auch noch high… aktuell verhielt sie sich offenbar wie ein ‚Gör‘. Aber sie konnte nichts dagegen tun.

