06.03.2026, 14:19
Sie spürte die Magie immer noch in ihrem Körper. Vom Haaransatz zu den Zehenspitzen durchzuckte sie ihre Muskeln noch wie ein Widerhall dessen, was sie gerade mit Energie zusammengefügt hatte. Natürlich war Lilith auch an sich ein magisches Wesen, sie war Jahrhunderte älter, als sie aussah und die meisten ihrer Fähigkeiten überstiegen die menschliche Vorstellungskraft bei Weitem. Aber… das in ihr war weiße Magie. Weiße Magie hatte in ihrem Körper nichts zu suchen, ihr Erbe, ihre Natur, war dunkel. Schon immer gewesen.
Die weiße Magie ihrer himmlischen Verwandtschaft schadete ihr im Normalfall eher, als dass sie ihr nutzte. Ihr Körper kämpfte noch mit den Nachwirkungen dieser Überdosis. Das Zittern, wurde ihr jetzt klar, war nicht dem Abklingen der Hitze geschuldet, sondern vermutlich eher direkte Konsequenz der Magie… und dementsprechend würde es vermutlich noch eine Weile lang anhalten.
Dann nahm sie auf einmal eine Stimme wahr – Medeas, sie musste es sein, noch immer in der Nähe, offensichtlich, und doch klangen ihre Worte für Lilith dumpf und leise, so als wäre ihr Kopf unter Wasser. Alles schien ein wenig verzögert zu sein. Medea berührte ihre Hand. Den Halt mit ihrer musste Lilith gebrochen haben, wie sie jetzt realisierte, wahrscheinlich unbewusst, als sie unter Schmerzen beide ihrer eigenen Hände in ihr Brustbein gekrallt hatte. Dort lagen sie auch noch, und dort spürte sie jetzt das sanfte Streicheln von Medeas Hand auf ihrer.
Es war ein fremder Kontrast zu den gleißenden Schmerzen, die sie bis eben noch gespürt hatte, und instinktiv zuckte Lilith zurück. Vermutlich weniger aus Scheu oder Angst vor weiteren Schmerzen, als vielmehr aus einer unbewussten Sorge, dass die weiße Magie, die ihren Körper weiterhin nachhallend durchzuckte, auch Medea eventuell schaden konnte.
Womöglich war es auch die Ungewohntheit, Berührungen auf ihrem neuen Körper zu empfinden. Nicht, dass er sich anhand der Proportionen verändert hatte… aber sie fühlte sich anders. Schwerer. Gefangen auf dem Boden, auf dem sie saß. Ihr veränderter Gleichgewichtssinn ging mit deutlichem Schwindel einher, der in ihrer Stirn zu sitzen schien.
Sie wusste, dass Medea sie etwas gefragt hatte, aber es gelang ihr noch nicht, die Worte irgendwie zuzuordnen und eine sinnige Antwort darauf zu finden. Zu beschäftigt war sie mit ihrem Körpergefühl… und all den sonstigen Gefühlen, die sie darüber hinaus auch noch hatte. Die Schwere. Das veränderte Gleichgewicht. Sie hatte ihre Gnade verloren, und damit auch ihre Flügel.
Es war nicht so, als wäre Lilith das nicht rational bewusst gewesen, auch vor diesem Zeitpunkt. Aber jetzt spürte sie es, in jeder Faser ihres Körpers. Sie hatte etwas gewaltsam eingebüßt, das Jahrhunderte lang essenzieller Teil ihres Körpers gewesen war, und ihn nun auf fundamentale Weise verkrüppelte. Sie hatte gewusst, dass das passiert war… aber bisher hatte sie auch ihre Beine nicht adäquat nutzen können. Die waren nun geheilt, sie würde in ein paar Minuten – sobald sie den Schwindel unter Kontrolle hatte – wieder aufstehen und laufen können, genau wie zuvor. Aber fliegen… fliegen würde sie nicht mehr.
Die emotionale Tragweite dieser Tatsache traf sie wie ein Schlag. Mit einer Hand griff sie auf ihren Rücken, die Haut dort größtenteils freigelegt aufgrund ihrer Kleiderwahl, und berührte den Bereich, wo zuvor noch ihre Flügel gewesen waren. Sie waren weg, stattdessen Wunden an ihrer Stelle, die Reste wie ausgeschabt, rau und uneben. Sie ließ ihre zitternden Fingerspitzen über die verwundeten Stellen gleiten, vorsichtig, aber sie schmerzten nicht. Vielmehr waren sie wie taub… womöglich lag das aber auch daran, dass sie inzwischen generell taub geworden war gegenüber subtilem Schmerz wie diesem.
Sie ließ die Hand wieder sinken und saß einen kurzen Augenblick, geschockt und wie versteinert von dieser Realisierung. Der andere Engel im Raum – dessen Anwesenheit sie fast schon vergessen hatte – interpretierte ihre Reaktion eventuell als Verwirrung, oder Unsicherheit; in jedem Fall kam er (sie!) näher und berührte nun ebenfalls mit der Hand sachte ihr Brustbein. Irritiert hob Lilith den Kopf, sah aber selbstverständlich nur die Roben der vermummten Gestalt. Sie schüttelte den Kopf. Fast als eine Art Erklärung, dass das der Teil in ihr war, den Engelsmagie nicht heilen konnte. Lilith nickte.
„Ich weiß.“ Ihr Stimme hörte sich seltsam an. Zu leise, heiser fast schon und so als hätte sie sie zu lange nicht genutzt. Sie senkte den Kopf wieder – es gab nichts anderes, das sie hätte tun können.
Sie spürte noch einmal die Berührung einer fremden Hand, diesmal an ihrem Rücken, und instinktiv wusste sie, dass der andere Engel ihre Wunden verdeckt hatte. Flügel mussten nicht sichtbar sein, nicht auf der Erde. Und die Abwesenheit ihrer würde sie verwundbar machen. Bald würde sie das auch wieder selbst können… hoffentlich. Sobald sie ihren Körper wieder unter Kontrolle hatte. Hoffentlich.
Lilith hielt den Kopf gesenkt, weil sie Tränen in ihren Augenwinkeln spürte. Sie tat ihr Bestes, um sie zurückzuzwingen, aber… es war schwer. Sie wusste nicht wie, und sie war quasi machtlos gegen die Emotionen, die sie plötzlich hatte. Tränen waren inakzeptabel. Mammon hatte sich vor kurzem noch lautstark lustig gemacht über sie. Aber wie sollte sie sie loswerden?
Die weiße Magie ihrer himmlischen Verwandtschaft schadete ihr im Normalfall eher, als dass sie ihr nutzte. Ihr Körper kämpfte noch mit den Nachwirkungen dieser Überdosis. Das Zittern, wurde ihr jetzt klar, war nicht dem Abklingen der Hitze geschuldet, sondern vermutlich eher direkte Konsequenz der Magie… und dementsprechend würde es vermutlich noch eine Weile lang anhalten.
Dann nahm sie auf einmal eine Stimme wahr – Medeas, sie musste es sein, noch immer in der Nähe, offensichtlich, und doch klangen ihre Worte für Lilith dumpf und leise, so als wäre ihr Kopf unter Wasser. Alles schien ein wenig verzögert zu sein. Medea berührte ihre Hand. Den Halt mit ihrer musste Lilith gebrochen haben, wie sie jetzt realisierte, wahrscheinlich unbewusst, als sie unter Schmerzen beide ihrer eigenen Hände in ihr Brustbein gekrallt hatte. Dort lagen sie auch noch, und dort spürte sie jetzt das sanfte Streicheln von Medeas Hand auf ihrer.
Es war ein fremder Kontrast zu den gleißenden Schmerzen, die sie bis eben noch gespürt hatte, und instinktiv zuckte Lilith zurück. Vermutlich weniger aus Scheu oder Angst vor weiteren Schmerzen, als vielmehr aus einer unbewussten Sorge, dass die weiße Magie, die ihren Körper weiterhin nachhallend durchzuckte, auch Medea eventuell schaden konnte.
Womöglich war es auch die Ungewohntheit, Berührungen auf ihrem neuen Körper zu empfinden. Nicht, dass er sich anhand der Proportionen verändert hatte… aber sie fühlte sich anders. Schwerer. Gefangen auf dem Boden, auf dem sie saß. Ihr veränderter Gleichgewichtssinn ging mit deutlichem Schwindel einher, der in ihrer Stirn zu sitzen schien.
Sie wusste, dass Medea sie etwas gefragt hatte, aber es gelang ihr noch nicht, die Worte irgendwie zuzuordnen und eine sinnige Antwort darauf zu finden. Zu beschäftigt war sie mit ihrem Körpergefühl… und all den sonstigen Gefühlen, die sie darüber hinaus auch noch hatte. Die Schwere. Das veränderte Gleichgewicht. Sie hatte ihre Gnade verloren, und damit auch ihre Flügel.
Es war nicht so, als wäre Lilith das nicht rational bewusst gewesen, auch vor diesem Zeitpunkt. Aber jetzt spürte sie es, in jeder Faser ihres Körpers. Sie hatte etwas gewaltsam eingebüßt, das Jahrhunderte lang essenzieller Teil ihres Körpers gewesen war, und ihn nun auf fundamentale Weise verkrüppelte. Sie hatte gewusst, dass das passiert war… aber bisher hatte sie auch ihre Beine nicht adäquat nutzen können. Die waren nun geheilt, sie würde in ein paar Minuten – sobald sie den Schwindel unter Kontrolle hatte – wieder aufstehen und laufen können, genau wie zuvor. Aber fliegen… fliegen würde sie nicht mehr.
Die emotionale Tragweite dieser Tatsache traf sie wie ein Schlag. Mit einer Hand griff sie auf ihren Rücken, die Haut dort größtenteils freigelegt aufgrund ihrer Kleiderwahl, und berührte den Bereich, wo zuvor noch ihre Flügel gewesen waren. Sie waren weg, stattdessen Wunden an ihrer Stelle, die Reste wie ausgeschabt, rau und uneben. Sie ließ ihre zitternden Fingerspitzen über die verwundeten Stellen gleiten, vorsichtig, aber sie schmerzten nicht. Vielmehr waren sie wie taub… womöglich lag das aber auch daran, dass sie inzwischen generell taub geworden war gegenüber subtilem Schmerz wie diesem.
Sie ließ die Hand wieder sinken und saß einen kurzen Augenblick, geschockt und wie versteinert von dieser Realisierung. Der andere Engel im Raum – dessen Anwesenheit sie fast schon vergessen hatte – interpretierte ihre Reaktion eventuell als Verwirrung, oder Unsicherheit; in jedem Fall kam er (sie!) näher und berührte nun ebenfalls mit der Hand sachte ihr Brustbein. Irritiert hob Lilith den Kopf, sah aber selbstverständlich nur die Roben der vermummten Gestalt. Sie schüttelte den Kopf. Fast als eine Art Erklärung, dass das der Teil in ihr war, den Engelsmagie nicht heilen konnte. Lilith nickte.
„Ich weiß.“ Ihr Stimme hörte sich seltsam an. Zu leise, heiser fast schon und so als hätte sie sie zu lange nicht genutzt. Sie senkte den Kopf wieder – es gab nichts anderes, das sie hätte tun können.
Sie spürte noch einmal die Berührung einer fremden Hand, diesmal an ihrem Rücken, und instinktiv wusste sie, dass der andere Engel ihre Wunden verdeckt hatte. Flügel mussten nicht sichtbar sein, nicht auf der Erde. Und die Abwesenheit ihrer würde sie verwundbar machen. Bald würde sie das auch wieder selbst können… hoffentlich. Sobald sie ihren Körper wieder unter Kontrolle hatte. Hoffentlich.
Lilith hielt den Kopf gesenkt, weil sie Tränen in ihren Augenwinkeln spürte. Sie tat ihr Bestes, um sie zurückzuzwingen, aber… es war schwer. Sie wusste nicht wie, und sie war quasi machtlos gegen die Emotionen, die sie plötzlich hatte. Tränen waren inakzeptabel. Mammon hatte sich vor kurzem noch lautstark lustig gemacht über sie. Aber wie sollte sie sie loswerden?

