29.01.2026, 12:28
Eines musste man Mammon lassen. Er machte es ihr leicht, diese unerwarteten und verabscheuungswürdigen Emotionen – Trauer, Unzulänglichkeit, Zurückweisung – zu verdrängen und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, wütend auf ihn zu sein. Auf ihn, ihren Vater, all die Umstände, die ganze verdammte Situation, in der sie sich befand. Die Schmerzen, die sie hatte, der Verlust, den sie spürte, sowohl von Tan als auch von verdammten Teilen ihres Selbsts, derart essenziellen Teilen, dass sie ihre eigene Existenz anzweifelte – all das waren hervorragende Katalysatoren und Treiber ihrer Wut. Sie spürte sie in ihrem Bauch, ihrem Brustkorb, wie sie die Leere füllte, die sie dort so sehr schmerzte. Über ihre Arme, bis in ihre Fingerspitzen… und von dort aus über das Tuch direkt an Mammons Kopf.
Er konnte wahrscheinlich froh sein, dass es nur das war, was er abbekommen hatte, und nicht ihr Glas. Das stand in halbwegs sicherer Entfernung auf dem Beistelltisch, und da sie ihrem kleinen Anflug überschwänglicher, geschwisterlicher Streitsucht gerade wieder ein deutliches Puckern in ihrer Bauchwunde zu verdanken hatte, verzichtete Lilith an der Stelle auch, jetzt gerade danach zu greifen.
„Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist immer das passende Einstecktuch für das jeweilige Outfit zu finden?”
„Dein katastrophales Farbverständnis mag bedauerlich sein, aber mir erschließt sich nicht, weshalb ausgerechnet deine optischen Defizite hier eine Rolle spielen“, gab sie augenblicklich zurück. Ihr Ton war immer noch bissig, und Mammon stand daraufhin empört den Kopf schüttelnd auf, um zur Wandverglasung hinüber zu gehen. Lilith für ihren Teil musste – in Ermangelung anderer Optionen – auf der Couch sitzenbleiben, eine Hand sanften Druck auf ihre Bauchwunde ausübend. Sie verfluchte ihren unzulänglichen Körper. Sie verfluchte, dass sie nicht aufstehen, den Tisch greifen und ihn durch den Raum werfen konnte. Wenig anderes wäre ein geeignetes Ventil für die Wut, die sie aktuell empfand.
Es verging ein Moment, vielleicht auch zwei, in denen Mammon das Geschehen unten im Club zu beobachten schien und Lilith, zwangsläufig festgehalten in ihrer aktuellen Position, vor sich hin brodelte.
Und dann… drehte er sich wieder um und äußerte etwas wie – Verständnis? Lilith hob den Kopf und musterte ihn, ungläubig, perplex. Aber nicht nur aufgrund seiner Worte, sondern vor allem auch deshalb, weil ihre Wut… herunterkochte. Die heiße, aktivierende Energie, die durch ihren gesamten Körper gekrochen war und eigentlich schon verlangte, dass sie ihr körperlichen Ausdruck verlieh, schien sich zu verflüchtigen. Einfach so.
„Was hast du getan?“ Sie berührte mit den Fingerspitzen sachte ihren Bauch, wo der Ursprung gewesen war. Ihre Schulter, den linken Arm, der eben fast noch geprickelt hatte. Alles weg. Aber es konnte nicht Mammon gewesen sein, er hatte nie gelernt, wie man Emotionen manipulierte, nicht in der Finesse, in der es nötig war. Und viel wichtiger noch: Er hatte keine Macht über sie. Oder hatte sich das mit dem Verlust ihrer Gnade auch geändert?
Aber er beschwerte sich immer noch über sein Tuch. Sie verdrehte die Augen und lenkte ebenfalls ein, auch wenn ihr nicht klar war, woher diese versöhnliche Stimmung plötzlich kam.
„Ich biete dir etwas Besseres an: Die Nummer meiner besten Schneiderin in Downtown. Diese Stadt hat einen brauchbaren Fashion District, wenn auch nicht gleichwertig mit New York. Aber das wird dein lästiges Problem nachhaltiger lösen. Sie wird dir zehn machen für jedes Outfit, wenn du das willst.“ Immerhin war es absolut sinnbefreit, dass Mammon sich mit solch belanglosen Dingen herumschlug wie Einstecktücher zu suchen. Wozu gab es denn Dienstleistungen, die man in Anspruch nehmen konnte?
Er konnte wahrscheinlich froh sein, dass es nur das war, was er abbekommen hatte, und nicht ihr Glas. Das stand in halbwegs sicherer Entfernung auf dem Beistelltisch, und da sie ihrem kleinen Anflug überschwänglicher, geschwisterlicher Streitsucht gerade wieder ein deutliches Puckern in ihrer Bauchwunde zu verdanken hatte, verzichtete Lilith an der Stelle auch, jetzt gerade danach zu greifen.
„Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist immer das passende Einstecktuch für das jeweilige Outfit zu finden?”
„Dein katastrophales Farbverständnis mag bedauerlich sein, aber mir erschließt sich nicht, weshalb ausgerechnet deine optischen Defizite hier eine Rolle spielen“, gab sie augenblicklich zurück. Ihr Ton war immer noch bissig, und Mammon stand daraufhin empört den Kopf schüttelnd auf, um zur Wandverglasung hinüber zu gehen. Lilith für ihren Teil musste – in Ermangelung anderer Optionen – auf der Couch sitzenbleiben, eine Hand sanften Druck auf ihre Bauchwunde ausübend. Sie verfluchte ihren unzulänglichen Körper. Sie verfluchte, dass sie nicht aufstehen, den Tisch greifen und ihn durch den Raum werfen konnte. Wenig anderes wäre ein geeignetes Ventil für die Wut, die sie aktuell empfand.
Es verging ein Moment, vielleicht auch zwei, in denen Mammon das Geschehen unten im Club zu beobachten schien und Lilith, zwangsläufig festgehalten in ihrer aktuellen Position, vor sich hin brodelte.
Und dann… drehte er sich wieder um und äußerte etwas wie – Verständnis? Lilith hob den Kopf und musterte ihn, ungläubig, perplex. Aber nicht nur aufgrund seiner Worte, sondern vor allem auch deshalb, weil ihre Wut… herunterkochte. Die heiße, aktivierende Energie, die durch ihren gesamten Körper gekrochen war und eigentlich schon verlangte, dass sie ihr körperlichen Ausdruck verlieh, schien sich zu verflüchtigen. Einfach so.
„Was hast du getan?“ Sie berührte mit den Fingerspitzen sachte ihren Bauch, wo der Ursprung gewesen war. Ihre Schulter, den linken Arm, der eben fast noch geprickelt hatte. Alles weg. Aber es konnte nicht Mammon gewesen sein, er hatte nie gelernt, wie man Emotionen manipulierte, nicht in der Finesse, in der es nötig war. Und viel wichtiger noch: Er hatte keine Macht über sie. Oder hatte sich das mit dem Verlust ihrer Gnade auch geändert?
Aber er beschwerte sich immer noch über sein Tuch. Sie verdrehte die Augen und lenkte ebenfalls ein, auch wenn ihr nicht klar war, woher diese versöhnliche Stimmung plötzlich kam.
„Ich biete dir etwas Besseres an: Die Nummer meiner besten Schneiderin in Downtown. Diese Stadt hat einen brauchbaren Fashion District, wenn auch nicht gleichwertig mit New York. Aber das wird dein lästiges Problem nachhaltiger lösen. Sie wird dir zehn machen für jedes Outfit, wenn du das willst.“ Immerhin war es absolut sinnbefreit, dass Mammon sich mit solch belanglosen Dingen herumschlug wie Einstecktücher zu suchen. Wozu gab es denn Dienstleistungen, die man in Anspruch nehmen konnte?

