02.01.2026, 16:50
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.01.2026, 18:04 von Buffy Summers.)
„Das ist jetzt das zweite Mal, dass du dieses Gesicht machst“, warf sie beiläufig ein, während sie einen Schluck aus ihrem Glas nahm. Der Gesichtsausdruck, auf den sie anspielte, war misstrauisch, ein Zweifeln, wenn auch nur kurz. Aber sie kannte ihn, seit einer Ewigkeit, und sie war enorm geübt darin, seine Stimmung zu lesen... auch wenn es nur kleine Regungen waren. So schaute er immer, wenn er sie nicht ganz durchstieg und versuchte herauszufinden, was sie im Schilde führte. Ob sie ihm einen Streich spielte.
Einmal hatte sie es ignoriert, aber da war es wieder. Und diesmal sprach sie es direkt an, ohne weiter darüber nachzudenken.
„So viel Spaß es mir auch macht, dich an der Nase lang zu führen…“ Er war wirklich leicht wütend zu machen und seine Wut bisher auch ein besonderer Genuss für sie gewesen, weil es wenige Mischwesen seiner Art gab. Menschliche Wut in einem Engelskörper… wer konnte ihr verübeln, dass sie die hin und wieder zu Unterhaltungszwecken nutzte?
„… du solltest mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich das nie auf meine Kosten tun würde. Diese Schmerzen sind deutlich größer als bei allen anderen Wunden, die ich aktuell habe“ – und das sollte was heißen, nachdem sie letzte Nacht fast verblutet war – „es ist als würde meine Essenz fehlen. Alles was mich ausmacht. Mein Körper ist verstümmelt, ich bin befallen von einer Seuche und inwiefern meine Kräfte beeinträchtigt sind weiß ich noch nicht einmal.“ Sie spürte den Drang, wieder das Loch zu berühren, das keines war. Zumindest kein Sichtbares. Glücklicherweise fiel es ihr diesmal vorher auf, da sie ihre Hand noch immer über der Lehne liegen hatte. Es blieb bei dem Impuls, sie zwang ihren Fokus zurück auf ihr Gespräch.
„Das wäre es nicht wert. Niemals.“ Hoffentlich war das Thema damit geklärt.
Zurück dazu, wie sie es geschafft hatte, sich aus Luzifers Falle zu befreien. Mammon zweifelte ihre Theorie an, begründet darin, dass er Gefühlen keine derartige Wichtigkeit beimessen würde. Oder wollte.
„Nein, nicht wegen der Gefühle an sich. Wegen der Energie die sie freigesetzt haben, in diesem Moment. Emotionen sind furchtbar und sie machen dich angreifbar, weil sie unkontrollierbar sind. Beobachte doch mal die Menschen… selbst die rationalsten unter ihnen werden zu Sklaven ihrer Gefühlswelt, wenn du nur den Punkt findest, an dem du sie anfassen musst. Sie sind absolut willkürlich, unberechenbar und für all die niederen Wesen auch quasi nicht kontrollierbar.“ Nicht, dass Lilith selbst jetzt irgendwelche großen Einsichten hatte darin, wie man Gefühle kontrollierte, auch als höheres Wesen. Sie wäre in erster Linie daran interessiert, sie wieder loszuwerden. So schnell wie möglich. Aber falls ihre Kraft in diesen Sekunden dazu beigetragen hatte, dass ihre eigene Macht groß genug gewesen war, um Luzifers Falle zu entkommen… dann wäre das mindestens ein entschädigendes Übel, oder nicht?
Mammon stellte inzwischen weitere Theorien auf, die in Liliths Ohren noch abstruser klangen.
„Bitte. Ich bin kein Cherub, sondern ein Erzengel. Als ob eine unvollständige Falle oder eine, die erstellt wurde von einem Handlanger–“ Ihr Tonfall ließ deutlich bemerken, wie sehr ihr allein die Suggestion missfiel, „–mich lange genug halten könnte, um Hand an mich zu legen.“ Geschweige denn ihr gewaltsam ihre Gnade zu entreißen. Sie war Luzifers Tochter, und sie war kein Jüngling mehr. Abgesehen von ihrem Vater… vermutlich wäre Onkel Michael der Einzige, dessen Siegel sie lange genug halten könnte, um ihr auch Schaden zuzufügen.
Einen kleinen Moment musste Mammon sich dann nehmen, um von sich zu weisen, dass sie ihn als hitzköpfig bezeichnet hatte. Sie warf ihm lediglich einen Blick zu, eine Augenbraue nach oben gezogen, kommentierte seinen Einwand aber nicht weiter. Stattdessen nahm sie einen weiteren Schluck aus ihrem Glas und leerte es damit.
“Wir kennen ihn beide gut. Er fackelt nicht lang und dennoch lebst du noch.”
„Ja. Das ist der Teil, der keinen Sinn ergibt. Hätte er mich wirklich töten wollen… seine Klinge ins Herz wäre der effektivste Weg gewesen. Wenn er wirklich schnell und entschlossen gewesen wäre, dann hätte er das eventuell auch geschafft, bevor ich realisiert hätte, was passiert.“ Lilith streckte sich – langsam, um den Druck auf ihre Seite möglichst gering zu halten, auch wenn es definitiv nicht machbar war ohne Schmerzen – und stellte ihr inzwischen leeres Glas zurück auf den Tisch. Dort schnickte sie es mit leichtem Druck in Richtung Mammon, damit er es wieder auffüllte.
„Theorie Nummer zwei: Es ist ein Test. Nicht für dich“, fügte sie direkt an, bevor er wieder begann, so offensichtlich zu zweifeln, dass sie es an seiner Nase ablesen konnte, „sondern für mich. Ob ich so reagiere, wie er es für angemessen hält. Ob ich mir zurückholen kann, was mir gehört.“ Und dabei ging es nicht nur um ihre Gnade. Da war noch etwas, ein fundamentaler Punkt, den sie bisher komplett ignoriert und weggeschoben hatte, um sich nicht mit den Konsequenzen auseinander setzen zu müssen.
„Er hat mir auch Tan genommen. Ich weiß nicht, wo sie ist… oder ob sie überhaupt noch lebt.“ Dass Mammon bisher gar nicht hinterfragt hatte, dass die Dämonin nicht hier war, obwohl sie derartig schwere Verletzungen erlitten hatte, fiel Lilith erst jetzt wirklich auf.
Einmal hatte sie es ignoriert, aber da war es wieder. Und diesmal sprach sie es direkt an, ohne weiter darüber nachzudenken.
„So viel Spaß es mir auch macht, dich an der Nase lang zu führen…“ Er war wirklich leicht wütend zu machen und seine Wut bisher auch ein besonderer Genuss für sie gewesen, weil es wenige Mischwesen seiner Art gab. Menschliche Wut in einem Engelskörper… wer konnte ihr verübeln, dass sie die hin und wieder zu Unterhaltungszwecken nutzte?
„… du solltest mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich das nie auf meine Kosten tun würde. Diese Schmerzen sind deutlich größer als bei allen anderen Wunden, die ich aktuell habe“ – und das sollte was heißen, nachdem sie letzte Nacht fast verblutet war – „es ist als würde meine Essenz fehlen. Alles was mich ausmacht. Mein Körper ist verstümmelt, ich bin befallen von einer Seuche und inwiefern meine Kräfte beeinträchtigt sind weiß ich noch nicht einmal.“ Sie spürte den Drang, wieder das Loch zu berühren, das keines war. Zumindest kein Sichtbares. Glücklicherweise fiel es ihr diesmal vorher auf, da sie ihre Hand noch immer über der Lehne liegen hatte. Es blieb bei dem Impuls, sie zwang ihren Fokus zurück auf ihr Gespräch.
„Das wäre es nicht wert. Niemals.“ Hoffentlich war das Thema damit geklärt.
Zurück dazu, wie sie es geschafft hatte, sich aus Luzifers Falle zu befreien. Mammon zweifelte ihre Theorie an, begründet darin, dass er Gefühlen keine derartige Wichtigkeit beimessen würde. Oder wollte.
„Nein, nicht wegen der Gefühle an sich. Wegen der Energie die sie freigesetzt haben, in diesem Moment. Emotionen sind furchtbar und sie machen dich angreifbar, weil sie unkontrollierbar sind. Beobachte doch mal die Menschen… selbst die rationalsten unter ihnen werden zu Sklaven ihrer Gefühlswelt, wenn du nur den Punkt findest, an dem du sie anfassen musst. Sie sind absolut willkürlich, unberechenbar und für all die niederen Wesen auch quasi nicht kontrollierbar.“ Nicht, dass Lilith selbst jetzt irgendwelche großen Einsichten hatte darin, wie man Gefühle kontrollierte, auch als höheres Wesen. Sie wäre in erster Linie daran interessiert, sie wieder loszuwerden. So schnell wie möglich. Aber falls ihre Kraft in diesen Sekunden dazu beigetragen hatte, dass ihre eigene Macht groß genug gewesen war, um Luzifers Falle zu entkommen… dann wäre das mindestens ein entschädigendes Übel, oder nicht?
Mammon stellte inzwischen weitere Theorien auf, die in Liliths Ohren noch abstruser klangen.
„Bitte. Ich bin kein Cherub, sondern ein Erzengel. Als ob eine unvollständige Falle oder eine, die erstellt wurde von einem Handlanger–“ Ihr Tonfall ließ deutlich bemerken, wie sehr ihr allein die Suggestion missfiel, „–mich lange genug halten könnte, um Hand an mich zu legen.“ Geschweige denn ihr gewaltsam ihre Gnade zu entreißen. Sie war Luzifers Tochter, und sie war kein Jüngling mehr. Abgesehen von ihrem Vater… vermutlich wäre Onkel Michael der Einzige, dessen Siegel sie lange genug halten könnte, um ihr auch Schaden zuzufügen.
Einen kleinen Moment musste Mammon sich dann nehmen, um von sich zu weisen, dass sie ihn als hitzköpfig bezeichnet hatte. Sie warf ihm lediglich einen Blick zu, eine Augenbraue nach oben gezogen, kommentierte seinen Einwand aber nicht weiter. Stattdessen nahm sie einen weiteren Schluck aus ihrem Glas und leerte es damit.
“Wir kennen ihn beide gut. Er fackelt nicht lang und dennoch lebst du noch.”
„Ja. Das ist der Teil, der keinen Sinn ergibt. Hätte er mich wirklich töten wollen… seine Klinge ins Herz wäre der effektivste Weg gewesen. Wenn er wirklich schnell und entschlossen gewesen wäre, dann hätte er das eventuell auch geschafft, bevor ich realisiert hätte, was passiert.“ Lilith streckte sich – langsam, um den Druck auf ihre Seite möglichst gering zu halten, auch wenn es definitiv nicht machbar war ohne Schmerzen – und stellte ihr inzwischen leeres Glas zurück auf den Tisch. Dort schnickte sie es mit leichtem Druck in Richtung Mammon, damit er es wieder auffüllte.
„Theorie Nummer zwei: Es ist ein Test. Nicht für dich“, fügte sie direkt an, bevor er wieder begann, so offensichtlich zu zweifeln, dass sie es an seiner Nase ablesen konnte, „sondern für mich. Ob ich so reagiere, wie er es für angemessen hält. Ob ich mir zurückholen kann, was mir gehört.“ Und dabei ging es nicht nur um ihre Gnade. Da war noch etwas, ein fundamentaler Punkt, den sie bisher komplett ignoriert und weggeschoben hatte, um sich nicht mit den Konsequenzen auseinander setzen zu müssen.
„Er hat mir auch Tan genommen. Ich weiß nicht, wo sie ist… oder ob sie überhaupt noch lebt.“ Dass Mammon bisher gar nicht hinterfragt hatte, dass die Dämonin nicht hier war, obwohl sie derartig schwere Verletzungen erlitten hatte, fiel Lilith erst jetzt wirklich auf.

