30.12.2025, 23:07
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.01.2026, 18:04 von Buffy Summers.)
Mammons Gesichtsausdruck, nachdem sie ihre Nacherzählung der Ereignisse vorerst beendet hatte, ließ vermuten, dass er auf Details womöglich gern verzichtet hätte. Aber er hatte gefragt, wie es möglich gewesen war, dass ihr eigener Vater sie im wahrsten Sinne des Wortes verkrüppelt hatte – und das war die faktenbasierte, möglichst emotionslose Erklärung, die sie ihm geben konnte. Alles andere… die Implikationen, was ihn dazu bewegt hatte, was ihm einfiel, so etwas zu tun, das Warum des Ganzen… das war weitaus schwerer zu beantworten. Und ganz besonders nicht nüchtern und distanziert. Nicht mit all den neuen Gefühlen, die sie plötzlich dazu hatte.
Verrat. Rachsucht. Enttäuschung. Wut. Hass. Und das war nur die Oberfläche, ihre rudimentäre Sicht darauf, als jemand, der sein Leben lang nur Emotionen in den Auren anderer Lebewesen gelesen und beeinflusst hatte. Wahrscheinlich war da noch viel mehr, das sie aktuell gar nicht genau ausmachen konnte.
“Moment… du hast es tatsächlich geschafft dich zu befreien?”
„Ja.“ Sie nahm noch einen Schluck aus ihrem Glas. Vielleicht in erster Linie um ihre Hände beschäftigt zu halten, aber das Brennen des Alkohols und die Wärme, die ihre Kehle hinunterrann, taten ihr Übriges. Mammon hinterfragte währenddessen, ob ihre Flucht nicht Teil eines Plans gewesen sein könnte. Sie verübelte es ihm nicht und sah es auch nicht als Anzweifeln ihrer Fähigkeiten an – es war schlichtweg bisher nie dagewesen, dass jemand Luzifer übertrumpfte. Offenbar fand er es unvorstellbar.
„Ich weiß es nicht. Er hat mir keine detaillierten Erklärungen gegeben – nicht davor, auch nicht währenddessen. Es gab eine Coverstory, natürlich, und einen Auslöser“ – vielleicht konnte sie ihm die Hintergrundgeschichte später noch erläutern, wenn sie all die anderen Details seziert hatten und er daran noch Interesse zeigte – „aber es sah nicht so aus als hätte er es erwartet. Die Gefühle–“ Wieder spürte sie ihre Hand auf der Brust. Wütend auf sich selbst, ihren verdammten Körper, den sie scheinbar nicht genauso kontrollieren konnte, wie sie es gewohnt war, atmete Lilith frustriert einmal scharf ein und wieder aus. Dann legte sie die freie Hand über die Lehne der Sitzgruppe und hielt sie dort. Hauptsache aus dem Weg.
„… sie kamen sofort. Und stärker als alles, was ich jemals in Worten beschreiben könnte. Ich war so unfassbar wütend… ich habe wortwörtlich rotgesehen. Jenseits des ganzen Bluts, natürlich.“ Der Hauch eines Schmunzelns zog sachte an ihren Lippen. Hey, wenn sie ausreichend Humor fand, um langsam zu scherzen über die ganze Sache, dann war das ein Fortschritt, oder nicht?
„Ich vermute das hat das Siegel gebrochen. Das Nächste, was ich bewusst wahrnehmen konnte, war dass ich in Los Angeles war“, beendete sie ihre Erläuterung. Es war nur eine Theorie… aber so ging es ihr mit allen Äußerungen, die sie ab sofort machen musste. Ja, Lilith war diejenige, die am nächsten dran war an Luzifer, die am meisten Bescheid wusste über ihn, seinen Alltag, seine Geschäfte… aber auch sie unterlag einer Hierarchie. So war es immer gewesen. Sie hatte keinen Einblick in sein krankes Gehirn. Er erzählte ihr nicht von seinen Wünschen und Träumen. Sofern er sowas überhaupt hatte.
„Er hatte nie eigene Gefühle. Und über seine Haltung zu Emotionen muss ich dir nichts erzählen. Vielleicht hat er die Konsequenzen davon, mir meine Gnade zu rauben, auch schlichtweg unterschätzt.“
Worin sie sich sicher war – es war Luzifers Absicht gewesen, sie zu verstümmeln. Sie zu schwächen. In diesem Zustand war sie deutlich angreifbarer, verletzlicher… und sie war sterblich. Aber Mammon hinterfragte währenddessen, berechtigterweise, warum er das überhaupt tun sollte.
Ich mein, ich war der Meinung, dass ich die Hölle besser führen könnte als er, aber ich wurde nur verbannt. Was also hast du angestellt, dass er dich gleich foltern musste?
„Ich habe die Hölle besser geführt als er“, entgegnete sie ruhig und neutral, wie der offensichtliche Fakt, der es nun mal war. Anders als ihr Bruder hatte sie nicht darüber gesprochen, sie hatte es einfach getan. „Die Seelen sind meins, schon seit einer halben Ewigkeit. Alle Mitglieder des schwarzen Dorns berichten an mich. Seit ein paar Monaten stehe ich im direkten Kontakt mit den Senior Partnern von Wolfram & Hart. Und die Verträge… darüber müssen wir gar nicht sprechen. Die Konditionen, die ich aushandle, sind ausnahmslos besser, weil ich weniger hitzköpfig bin als ihr beide.“ Klar, sie hatte ebenfalls ein nicht zu verachtendes Temperament, am Ende des Tages war sie schließlich ein Höllenwesen. Aber sie hielt es besser im Zaum. Und sie war geschickt in Sachen Manipulation.
„Theorie Nummer Eins – er hat sich bedroht gefühlt und entschieden, dass er mich loswerden muss. Und womöglich hat er sich dabei selbst einen Arm abgeschnitten.“ Weniger hitzköpfig als Luzifer und Mammon mochte Lilith zwar sein; sie war aber genauso von sich selbst überzeugt wie die beiden es waren. Das lag definitiv in der Familie.
Verrat. Rachsucht. Enttäuschung. Wut. Hass. Und das war nur die Oberfläche, ihre rudimentäre Sicht darauf, als jemand, der sein Leben lang nur Emotionen in den Auren anderer Lebewesen gelesen und beeinflusst hatte. Wahrscheinlich war da noch viel mehr, das sie aktuell gar nicht genau ausmachen konnte.
“Moment… du hast es tatsächlich geschafft dich zu befreien?”
„Ja.“ Sie nahm noch einen Schluck aus ihrem Glas. Vielleicht in erster Linie um ihre Hände beschäftigt zu halten, aber das Brennen des Alkohols und die Wärme, die ihre Kehle hinunterrann, taten ihr Übriges. Mammon hinterfragte währenddessen, ob ihre Flucht nicht Teil eines Plans gewesen sein könnte. Sie verübelte es ihm nicht und sah es auch nicht als Anzweifeln ihrer Fähigkeiten an – es war schlichtweg bisher nie dagewesen, dass jemand Luzifer übertrumpfte. Offenbar fand er es unvorstellbar.
„Ich weiß es nicht. Er hat mir keine detaillierten Erklärungen gegeben – nicht davor, auch nicht währenddessen. Es gab eine Coverstory, natürlich, und einen Auslöser“ – vielleicht konnte sie ihm die Hintergrundgeschichte später noch erläutern, wenn sie all die anderen Details seziert hatten und er daran noch Interesse zeigte – „aber es sah nicht so aus als hätte er es erwartet. Die Gefühle–“ Wieder spürte sie ihre Hand auf der Brust. Wütend auf sich selbst, ihren verdammten Körper, den sie scheinbar nicht genauso kontrollieren konnte, wie sie es gewohnt war, atmete Lilith frustriert einmal scharf ein und wieder aus. Dann legte sie die freie Hand über die Lehne der Sitzgruppe und hielt sie dort. Hauptsache aus dem Weg.
„… sie kamen sofort. Und stärker als alles, was ich jemals in Worten beschreiben könnte. Ich war so unfassbar wütend… ich habe wortwörtlich rotgesehen. Jenseits des ganzen Bluts, natürlich.“ Der Hauch eines Schmunzelns zog sachte an ihren Lippen. Hey, wenn sie ausreichend Humor fand, um langsam zu scherzen über die ganze Sache, dann war das ein Fortschritt, oder nicht?
„Ich vermute das hat das Siegel gebrochen. Das Nächste, was ich bewusst wahrnehmen konnte, war dass ich in Los Angeles war“, beendete sie ihre Erläuterung. Es war nur eine Theorie… aber so ging es ihr mit allen Äußerungen, die sie ab sofort machen musste. Ja, Lilith war diejenige, die am nächsten dran war an Luzifer, die am meisten Bescheid wusste über ihn, seinen Alltag, seine Geschäfte… aber auch sie unterlag einer Hierarchie. So war es immer gewesen. Sie hatte keinen Einblick in sein krankes Gehirn. Er erzählte ihr nicht von seinen Wünschen und Träumen. Sofern er sowas überhaupt hatte.
„Er hatte nie eigene Gefühle. Und über seine Haltung zu Emotionen muss ich dir nichts erzählen. Vielleicht hat er die Konsequenzen davon, mir meine Gnade zu rauben, auch schlichtweg unterschätzt.“
Worin sie sich sicher war – es war Luzifers Absicht gewesen, sie zu verstümmeln. Sie zu schwächen. In diesem Zustand war sie deutlich angreifbarer, verletzlicher… und sie war sterblich. Aber Mammon hinterfragte währenddessen, berechtigterweise, warum er das überhaupt tun sollte.
Ich mein, ich war der Meinung, dass ich die Hölle besser führen könnte als er, aber ich wurde nur verbannt. Was also hast du angestellt, dass er dich gleich foltern musste?
„Ich habe die Hölle besser geführt als er“, entgegnete sie ruhig und neutral, wie der offensichtliche Fakt, der es nun mal war. Anders als ihr Bruder hatte sie nicht darüber gesprochen, sie hatte es einfach getan. „Die Seelen sind meins, schon seit einer halben Ewigkeit. Alle Mitglieder des schwarzen Dorns berichten an mich. Seit ein paar Monaten stehe ich im direkten Kontakt mit den Senior Partnern von Wolfram & Hart. Und die Verträge… darüber müssen wir gar nicht sprechen. Die Konditionen, die ich aushandle, sind ausnahmslos besser, weil ich weniger hitzköpfig bin als ihr beide.“ Klar, sie hatte ebenfalls ein nicht zu verachtendes Temperament, am Ende des Tages war sie schließlich ein Höllenwesen. Aber sie hielt es besser im Zaum. Und sie war geschickt in Sachen Manipulation.
„Theorie Nummer Eins – er hat sich bedroht gefühlt und entschieden, dass er mich loswerden muss. Und womöglich hat er sich dabei selbst einen Arm abgeschnitten.“ Weniger hitzköpfig als Luzifer und Mammon mochte Lilith zwar sein; sie war aber genauso von sich selbst überzeugt wie die beiden es waren. Das lag definitiv in der Familie.

